Der scheidende Airbus-Chef Tom Enders hat mit seiner sehr hohen Abfindungssumme einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Foto: AFP

Frankreich limitiert die Millionen-Renten seiner Konzernchefs. Die Regierung in Paris reagiert damit auf „exzessive“ Abfindungen wie die von Airbus-Chef Tom Enders. In Deutschland gibt es nur Empfehlungen.

Paris/Frankfurt - Der französische Wirtschaftsminister reagierte prompt. Bruno Le Maire sagte in Paris, die Renten der Topmanager seines Landes dürften in Zukunft nicht mehr 30 Prozent des letzten Einkommens übersteigen. Ein entsprechender Erlass werde in den kommenden Tagen veröffentlicht und in Kraft gesetzt.

Die Ankündigung von Le Maire folgte auf einen Entrüstungssturm, den Pressemeldungen über den Abschied von Airbus-Chef Tom Enders ausgelöst hatten. Der deutsche Vorstandsvorsitzende des europäischen Flugzeugbauers tritt am 10. April in den Ruhestand und wird ein komfortables Abschiedsgeschenk von insgesamt 36,8 Millionen Euro erhalten. Diese von Airbus nicht dementierte Zahl nennt das Beratungsbüro Proxinvest. Gut zwei Drittel des Betrages entfallen auf die Rentenzahlungen von jährlich mehr als 1,2 Millionen Euro (bei einem Ableben im 80. Lebensjahr); dazu kommen ein Aktienpaket über 7,3 Millionen Euro sowie eine Entschädigung von 3,2 Millionen Euro für ein Konkurrenzverbot.

Teure Abschiedspakete

In Deutschland hatte zuletzt das Abschiedspaket für den früheren Deutsche-Bank-Chef John Cryan für Aufsehen gesorgt, das sich auf 12,8 Millionen Euro summiert. Größter Bestandteil war hier allerdings eine Abfindung für die vorzeitige Beendigung seines Vertrags im vergangenen Jahr – Cryan war ursprünglich bis 2020 bestellt. Eine „Karenzentschädigung“ für das Verbot, bei einem Konkurrenten der Deutschen Bank anzuheuern, kam obendrauf.

In Paris mangelt es nicht an sarkastischen Kommentaren über den „goldenen Fallschirm“ für den deutschen Hobbyfallschirmspringer. Enders hat den Konzern zwar in 28 Betriebsjahren konsolidiert und lässt ihn mit vollen Auftragsbüchern zurück. Das kürzlich bestätigte Aus für das Riesenflugzeug Airbus A380 sowie diverse Korruptionsaffären seines Unternehmens überschatten aber den Abgang.

Beschränkung der Spitzenrenten

Le Maire meinte, er habe nicht auf den „Fall Enders“ gewartet, um zu reagieren. Dessen Abfindung sei so „exzessiv“ wie andere. Es sei ferner nicht einsichtig, warum ein Manager noch ein millionenschweres Konkurrenzverbot brauche, wenn er seinen wohl verdienten Ruhestand antrete, also nicht mehr arbeite. Der Erlass über die Beschränkung der Spitzenrenten werde deshalb auch festhalten, dass Rentenzahlungen und Konkurrenzklauseln unvereinbar seien.

Mit ähnlichen Argumenten machte die Pariser Regierung auch beim Autobauer Renault Druck, um die Einkünfte seiner Konzernspitzen zu senken.

Auch in Deutschland soll es nach dem Willen der Regierungskommission für Corporate Governance (gute Unternehmensführung) künftig nur noch eine Zahlung geben. Im Entwurf Neufassung des Deutschen Corporate Governance Kodex heißt es: „Zahlungen für ein etwaiges nachvertragliches Wettbewerbsverbot sollen mit der Abfindung verrechnet werden.“ Die Abfindung selbst soll schon nach dem heute gültigen Kodex zwei Jahresvergütungen nicht überschreiten.

Für die betriebliche Altersvorsorge sieht der Kodex hingegen keine Begrenzung vor. Dafür habe sich auch in der Diskussion über die Neufassung keine Mehrheit gefunden, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, unserer Zeitung. Der Aktionärsschützer, der der Corporate-Governance-Kommission angehört, fordert: „Vorstände sollen sich selbst um ihre Altersvorsorge kümmern.“ Wenn die Unternehmen dafür kein Geld mehr zurücklegten, müssten sie den Managern vermutlich etwas höhere Fixgehälter zahlen, räumte Tüngler ein. Eine solche Regelung wäre aber deutlich transparenter als „die Verschiebung von Gehaltsbestandteilen in die Zukunft“.

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