Ausgemustert: Für Riesenflieger wie den Airbus A380 gibt es nicht genügend Bedarf. Foto:  

Der Produktionsstopp des Riesenfliegers von Airbus birgt für die Bundesregierung offenbar Risiken in Höhe von rund 750 Millionen Euro.

Berlin - Der Produktionsstopp des Airbus-Riesenflugzeugs A380 könnte den deutschen Steuerzahler deutlich teurer zu stehen kommen als bisher bekannt. Die Bundesregierung geht davon aus, dass derzeit in dieser Angelegenheit ein Haushaltsrisiko in Höhe von rund 750 Millionen Euro besteht. Die Zahl findet sich in einem vertraulichen Bericht des Wirtschaftsministeriums an den Bundestags-Wirtschaftsausschuss. Das Papier trägt das Datum 18. März und liegt unserer Zeitung exklusiv vor.

Bisher war lediglich bekannt, dass Airbus von einem öffentlichen Kredit über rund 940 Millionen Euro aus dem Jahr 2002 mehr als 600 Millionen Euro noch nicht zurückgezahlt hat. Mit dem Kredit förderte der Staat ehedem die Entwicklung des prestigeträchtigen Fliegers. Die Experten aus dem Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) machen dazu jetzt weiterführende Angaben: Demnach sind von dem Darlehen an den Flugzeugbauer noch rund 630 Millionen Euro offen. Weitere Ausstände in Höhe von rund 50 Millionen Euro gehen auf Kredite zurück, die Zulieferer des A380-Programms erhielten. Airbus könnte nach Einschätzung der Regierung überdies rund 40 Millionen Euro an bereits gezahlten Zinsen zurückfordern, die Zulieferer ihrerseits rund 30 Millionen Euro. In der Summe ergibt dies rund 750 Millionen Euro.

Europaweit sind bis zu 3500 Mitarbeiter betroffen

Der scheidende Airbus-Chef Tom Enders hatte Mitte Februar bekannt gegeben, dass der europäische Luftfahrtkonzern die Produktion und Auslieferung des weltgrößten Passagierjets im Jahr 2021 beenden wird. Grund dafür ist der Mangel an Aufträgen. Von dem Produktionsstopp sind europaweit bis zu 3500 Mitarbeiter betroffen, davon rund 1000 in Deutschland.

Neben der Bundesrepublik hatten kurz nach der Jahrtausendwende auch Frankreich, Großbritannien und Spanien die Entwicklung der A380 mit umfangreichen Darlehen gefördert. Die deutsche Teilfinanzierung kam aus dem sogenannten ERP-Sondervermögen, das von der staatlichen KfW-Bankengruppe verwaltet wird. Der Bund sicherte den Kredit gegen Ausfall ab. Unklar ist, ob nun der Bund und damit die Steuerzahler auf dem Schaden sitzen bleiben oder ob Airbus das Darlehen weiter bedienen muss. In dem Ministeriumsbericht heißt es dazu, infolge des erklärten Stopps der A380-Produktion stelle sich „eine Vielzahl komplizierter Rechtsfragen (u. a. zur Zukunft des Programms), die unter anwaltlicher Einbindung zu klären“ seien. Eine externe Anwaltskanzlei sei bereits beauftragt. Weiter schreibt das Ministerium: „Erst nach Klärung dieser Rechtsfragen kann eine konkrete Aussage darüber getroffen werden, in welcher Höhe sich das Haushaltsrisiko für den Bund durch den Stopp der A380-Produktion realisiert.“

Airbus-Chef Enders hatte bereits Anfang März deutlich gemacht, dass sich das Unternehmen nicht in der Pflicht sieht, seine restlichen Schulden zu begleichen. „Es ist Fakt, dass das eine Risikopartnerschaft ist, und die Darlehen basieren auf dem Versprechen der kreditgewährenden Regierungen, dass ihr Geld bei fehlendem Erfolg des Flugzeugs in Gefahr ist“, sagte er in einem Interview der „Financial Times“.

Ursprünglich rechneten Airbus und Bundesregierung damit, dass bis 2018 insgesamt 500 Maschinen verkauft würden

Das Darlehen an Airbus ist im Grundsatz so konstruiert, dass das Unternehmen für jede ausgelieferte A380 einen Teilbetrag seiner Schulden zurückzahlt. Ursprünglich gingen Airbus und die Bundesregierung im Jahr 2002 davon aus, dass das Unternehmen bis 2018 insgesamt 500 Maschinen verkauft und damit den Kredit tilgt. Diese Annahme stellte sich aber als viel zu optimistisch heraus: Aufgrund des Produktionsstopps würden bis zum Jahr 2021 voraussichtlich noch 17 Flugzeuge ausgeliefert, so dass nach derzeitigem Stand von einer Gesamtzahl von 251 Maschinen ausgegangen werden müsse, schreibt das Ministerium. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass Airbus im Laufe der Jahre für den Kredit beträchtliche Zinsen zahlte: Sie summierten sich bis Ende 2018 auf 599 Millionen Euro.

Der erste Flug mit der doppelstöckigen A380 hatte 2005 stattgefunden, die erste Auslieferung an einen Kunden erfolgte 2007. In der Maschine finden bis zu 850 Menschen Platz. Airbus und die Regierungen in Deutschland und Frankreich hofften ehedem, mit dem Fluggerät eine neue Ära in der Zivilluftfahrt einzuläuten und die Vorherrschaft des US-Rivalen Boeing bei Großraumflugzeugen brechen zu können.

Der Markt entwickelte sich jedoch anders als erhofft: Die Fluggesellschaften haben die A380 nur zögerlich bestellt, stattdessen greifen sie verstärkt auf kleinere Langstreckenjets zurück. Ein Grund dafür ist der Umstand, dass die A380 mit ihren vier Triebwerken zu teuer in Anschaffung und Betrieb ist. Für viele Flughäfen ist sie auch schlicht zu groß. Die Endmontage der A380 erfolgt am Airbus-Firmensitz im südfranzösischen Toulouse. In Hamburg-Finkenwerder werden die Kabinen ausgerüstet und Teile des Rumpfes produziert.

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