Ab Januar muss ein Vier-Personen-Haushalt im Landkreis Esslingen für die Leerung von Restmüll- und Biotonne im 14-Tage-Rhythmus eine Jahresgebühr von knapp 157 Euro zahlen. Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb kämpft mit Preissteigerungen.
Von 2023 an erhöhen sich die Gebühren für die Entsorgung von Haus- und Gewerbemüll im Landkreis Esslingen um durchschnittlich rund neun Prozent. Die Gebühr für die Biotonne wird um rund acht Prozent steigen. Das hat der Esslinger Kreistag in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.
Für einen Vier-Personen-Haushalt bedeutet das: Die Leerung der 80 Liter fassenden Restmülltonne und der 60er-Biomülltonne im Zwei-Wochen-Turnus kostet künftig 156,84 Euro im Jahr – und damit fast 13 Euro mehr. Die Jahresgebühr für die monatliche Leerung beträgt 112,20 Euro, das sind neun Euro mehr.
Höhere Gehälter für Beschäftigte
Die Anhebung sei unvermeidlich, räumte der Landrat Heinz Eininger ein. Schon allein wegen der sogenannten Kostenüberdeckung: Während bei der letzten Abfallgebührenkalkulation jährlich noch rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr zugunsten der Gebührenzahler verrechnet werden konnten, stehen jetzt nur noch knapp 400 000 Euro pro Jahr zur Verfügung.
Als Grund nannte er Kostensteigerungen etwa bei Diesel (50 Prozent mehr gegenüber 2021) und Strom (plus 20 Prozent), steigende Preise für die Verwertung und Entsorgung von Abfällen, Schwankungen bei den Wertstofferlösen und höhere Kosten bei Dienstleistungen, die im Auftrag des Landkreises von Firmen erbracht werden. Auch der Tarifabschluss für die Beschäftigten des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB) des Kreises Esslingen werde zu Buche schlagen. Das führe dazu, dass die Kosten der Abfallentsorgung nicht mehr mit den bisher erhobenen Abfallgebühren gedeckt werden können. Die gesamten Entsorgungskosten steigen der Kalkulation zufolge um satte fünf Millionen auf rund 35,7 Millionen Euro pro Jahr.
„Angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen können die Preisentwicklungen für die Zukunft kaum noch zuverlässig prognostiziert werden“, erläuterte der Landrat, weshalb der Kreis Esslingen diesmal nur für einen zweijährigen Zeitraum plant. So könne zeitnah auf Veränderungen reagiert werden. Erklärtes Ziel sei es, die Gebühren auch für die nächsten Jahre stabil zu halten, was aber immer schwieriger werde.
Verbrennung in Münster wird teurer
Viele Gründe, die zu dem Kostensprung führten, seien fremdbestimmt. Unter anderem rechnet der Kreis mit höheren Kosten bei der Restmüllentsorgung im Heizkraftwerk in Stuttgart-Münster – im nächsten Jahr mit 3,5 Prozent mehr, 2024 mit weiteren 1,5 Prozent, wobei die Folgen des jüngst geänderten Brennstoffemissionshandelsgesetzes noch nicht berücksichtigt sind. Es sieht die Einbeziehung der Abfallverbrennung in die CO2-Bepreisung vor. Die Steuer soll 2024 kommen und könnte „die Entsorgung des Restmülls deutlich teurer machen“, befürchtet Eininger. Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises kalkuliert bei den Abfallmengen mit nur geringfügig höheren Zahlen als in den Vorjahren. Er geht von 66 000 Tonnen Restmüll und 7600 Tonnen Sperrmüll pro Jahr aus, die durch die turnusgemäße Sammlung zusammenkommen. An häuslichem Gewerbemüll werden weitere 5700 Tonnen pro Jahr erwartet, so dass insgesamt 79 200 Tonnen Abfall der Müllverbrennung in Stuttgart zugeführt werden können. Seit 2003 ist der Kreis zur Anlieferung vertraglich verpflichtet und ist damit nach Einschätzung von Eininger gut gefahren: Die Müllgebühren habe man dadurch niedriger halten können als in den Jahren zuvor.
Die Aufschläge betreffen fast alle Entsorgungsbereiche. So steigen die Gebühren beim Bodenaushub und Bauschutt für Selbstanlieferer auf Deponien und Entsorgungsstationen im kommenden Jahr um rund 21 Prozent an, „um nachhaltige Anreize zur Wiederverwendung zu schaffen“, heißt es. Die Containergebühren im Gewerbe verteuern sich im Schnitt um zehn Prozent. Zusätzliche Leerungen auf Abruf kosten je nach Behältergröße zwischen 31 und 33 Prozent mehr. Die Entsorgung von Altreifen verteuert sich um 20 bis 25 Prozent.
Nicht alles wird teurer
Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die Expresszuschläge für Sperrmüll, Kühl- und Haushaltsgroßgeräte bleiben mit 20 Euro pro Anfahrt unverändert. Der Restmüllsack kostet weiterhin sechs Euro pro Stück, für Biomüllsack und Laubsack werden wie bislang drei Euro erhoben.
Die wichtigsten Gebührenänderungen im Kreis Esslingen
Hausabfälle
Die Leerung einer 40-Liter-Restmülltonne alle vier Wochen kostet künftig 43,80 Euro statt 40,20 Euro. Für den 60-Liter-Behälter werden 55,68 Euro (bisher 51 Euro) fällig, für die 80-Liter-Tonne 65,40 Euro (60 Euro), für die 120-Liter-Tonne 78,60 Euro (72 Euro) und für den 240-Liter-Behälter 148,68 Euro (136,20 Euro). Die Müllabfuhr alle zwei Wochen kostet für den 40-Liter-Eimer 74,04 Euro statt bislang 67,80 Euro, für die 60-Liter-Tonne 87,72 Euro (80,40 Euro), für die 80-Liter-Tonne 110,04 Euro (100,80 Euro), für den 120-Liter-Behälter 153,12 Euro (140,40 Euro) und für den 240-Liter-Container 289,08 Euro (265,20 Euro). Die Gebühr für die Leerung auf Abruf kostet für Behälter mit 40 bis 80 Liter Volumen 20 statt bislang 15 Euro.
Biomüll
Die Jahresgebühr für die 60er-Biotonne, die im Landkreis am häufigsten zu finden ist, beträgt ab dem nächsten Jahr 46,80 Euro, zuvor waren es 43,20 Euro. Die 120er-Tonne kostet 93,60 Euro (86,40 Euro), die 240er-Tonne 187,20 Euro (172,80 Euro).