In der Ausstellung im Württemberg-Haus ist unter anderem eine motorisierte Pfahlramme zu sehen Foto: © C) Gottfried Stoppel

Die Remstalkellerei feiert den 80. Geburtstag: im Jahr 1940 ist sie im Schnaiter Lamm gegründet worden. Von einstigen Problemen und ganz aktuellen Sorgen berichtet nun eine Ausstellung im Württemberg-Haus in Beutelsbach.

Weinstadt - Den 80. Geburtstag, den begehen nicht nur Wengerter in der Regel eher etwas beschaulich. Ganz so einfach ist dies für die Gesamtheit der Genossenschaftsweinbauern, die zur anno 1940 ins Leben gerufenen Remstalkellerei gehören, im aktuellen Jubiläumsjahr allerdings nicht. Zum einen ist die einstige Vorzeigegenossenschaft strukturell und finanziell in eine existenzielle Krise geschlittert. Zum anderen behindert die Coronakrise seit einem halben Jahr ohnehin die Feiern zu größeren Geburtstags-, Wein- oder sonstigen Festen.

Weil die Remstalkellerei als eine der größten Weingärtnergenossenschaften des Landes aber „zum Remstal und zu Weinstadt gehört, wie kaum ein anderer Betrieb“, will man dort trotz der schwierigen Corona- und Kellerei-Krisenzeiten den Genossenschaftsgeburtstag zumindest im momentan machbaren Rahmen feiern. Bis Februar ist von diesem Wochenende an im Württemberg-Haus in der Beutelsbacher Stiftstraße die Ausstellung „80 Jahre Remstalkellerei“ zu sehen.

Herzstück sind Gerätschaften und Utensilien

Sowohl die aktuelle Krise der Großgenossenschaft, die soeben mit der Ortsgenossenschaft Stetten eines ihrer Gründungsmitglieder samt 100 Wengertern und knapp 50 Hektar Rebfläche verloren hat, als auch die unterschiedlichen Perspektiven bezüglich ihrer Entstehung in Zeiten des Nationalsozialismus würden in der Ausstellung thematisiert, sagt Weinstadts Stadtarchivar Bernd Breyvogel. Das Herzstück der Ausstellung seien allerdings Gerätschaften und Utensilien aus den vergangenen Jahrzehnten des Weinbaus im Remstal, die die Remstalkellerei vor einigen Jahren der Stadt übergeben hatte.

„Die Ausstellung spannt mit Bildern, Dokumenten und kurzen Texten den Bogen von der Gründung bis in die Gegenwart und präsentiert historische technische Geräte, die eben nicht jeder Wengerter zu Hause hat,“, heißt es in der Ankündigung. Zu sehen sind hier vor allem auch Gerätschaften die „typisch sind für einen Großbetrieb – von der Kolbenpumpe bis zur zwei Meter hohen Motorpfahlramme“. Letztere hat die Kellerei bei Bedarf einst an ihre Mitglieder verliehen, erzählt Breyvogel. „Vor 80 Jahren wurde die Genossenschaft im Schnaiter Lamm in Zeiten höchster Not gegründet. Nach einem verheerenden Fehlherbst hätten viele Wengerter vor dem Aus gestanden, wenn nicht die neue Genossenschaft mit ihrer gesicherten Abnahme der Trauben gekommen wäre“, heißt es in der Ankündigung über die Kellereigründung. Teil der Wahrheit, sagt Breyvogel, sei aber auch, dass die Gründung 1940 vom alle Lebensbereiche beherrschenden Nationalsozialismus maßgeblich beeinflusst gewesen sei.

Abschließendes Urteil ist noch nicht möglich

Klar ist, das nicht allein die Not eines miserablen Weinjahres 1939 die Antriebskraft zum Zusammenschluss war. Zumal die erste Ortsgenossenschaft in Großheppach bereits 1923 entstanden war. Maßgeblich war wohl auch die Rolle kommunaler NS-Sympathisanten, wie dem ersten Kellereivorsitzenden und Weinsachverständigen Eugen Wieland („die Wielandsonne geht nie unter“). Oder die des bekennenden Antisemiten und ebenfalls mit besten Verbindungen zu regionalen Nazi-Machthabern ausgestatteten damaligen Schnaiter Bürgermeisters Georg Amann, der mit im ersten Remstalkellereivorstand saß. Hinweise auf Zwangsmitgliedschaften gebe es allerdings nicht, sagt Breyvogel: „Da gibt es noch viel zu forschen, ein abschließendes historisches Urteil ist hier noch nicht möglich.“

Nach ungeahnten Höhenflügen in der Zeit des „Wirtschaftswunders“ befindet sich die Remstalkellerei aktuell in einer schweren Krise, so lautet die Zusammenfassung der acht Jahrzehnte Kellereigeschichte. 1951 wurde das erste Kellereigebäude am noch bestehenden Standort in Beutelsbach gebaut – zunächst noch mit verbindenden Schlauchleitungen zum historischen Stiftskeller. Zu ihren beste Zeiten in den 1960ern zählte die Großgenossenschaft rund 2500 Mitglieder, 21 Ortskeltern und gut 800 Hektar Rebfläche. Noch heute gibt es im Untergrund der Kellerei den größten Holzfasskeller in Württemberg zu bewundern.

Wo man die Ausstellung sehen kann

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