74. Filmfestspiele von Venedig Starkes Programm trotz harter Konkurrenz

Von Gebhard Hölzl 

Die kleinsten Hauptfiguren Venedigs:   Kristen Wiig (im gelben Pulli) und Matt Damon (rechts neben ihr) sollen in „Downsizing“ geschrumpft werden. Foto: Paramount
Die kleinsten Hauptfiguren Venedigs: Kristen Wiig (im gelben Pulli) und Matt Damon (rechts neben ihr) sollen in „Downsizing“ geschrumpft werden. Foto: Paramount

Am 30. August starten die 74. Filmfestspiele von Venedig: Der Chinese Ai Weiwei hält dann mit dem Dokumentarfilm „Human Flow“ die deutsche Fahne hoch. Stars wie George Clooney, Jennifer Lawrence, Matt Damon und Julianne Moore werden auf dem Roten Teppich erwartet.

Venedig - Es ist soweit: 3492 Filme sind gesichtet, die Auswahl ist beendet – am Mittwoch beginnen die 74. Filmfestspiele von Venedig. Im Wettbewerb laufen 21 Filme, darunter zwei Dokumentationen, außerhalb der Konkurrenz 21 weítere, dazu kommen 19 Werke in der Reihe Orizzonti, die – vergleichbar mit dem Forum der Berlinale – neue Trends sucht und gerne unkonventionelle Arbeiten vorstellt.

Bei Cineasten besonders beliebt ist die Sektion Venezia Classici, in der s restaurierte Klassiker gezeigt werden. Hinzu kommen Sonderaufführungen, Kurzfilme und Nebenreihen. Chef der cineastischen Leistungsschau ist zum sechsten Mal in Folge Alberto Barbera, der weiterhin auf Klasse statt Masse setzt. Nicht ganz freiwillig freilich, ein relativ knappes Budget, ewige politische Querelen und die weltweit stetig wachsende Zahl von Festivals machen auch dem ältesten, 1932 gegründeten der A-Festivals zu schaffen. Vielversprechende Produktionen sind hart umkämpft.

Jede Menge Stars

Dennoch sieht das Programm 2017 – auf dem Papier jedenfalls – sehr vielversprechend aus. Eröffnet wird mit der Satire „Downsizing“ von Alexander Payne („Nebraska“), der bereits zweimal – für „Sideways“ und „The Descendants“ – einen Academy Award für das beste adaptierte Drehbuch entgegennehmen durfte. Matt Damon spielt unter seiner Regie einen Ergotherapeuten, der sich, um Ressourcen zu sparen, auf knappe zehn Zentimeter schrumpfen lässt. Seine Partner sind Kristen Wiig, Christoph Waltz und Laura Dern.

In Sachen Stars punktet das Festival dieses Jahr sowieso, was vor allem damit zu tun hat, dass sich insgesamt sechs US-Produktionen der Konkurrenz stellen. So ist Damon auch noch in George Clooneys schwarzer Komödie „Suburbicon“ (nach einem Skript der Coen-Brüder) neben Oscar Isaac und Julianne Moore zu bewundern, Jennifer Lawrence und Javier Bardem sind die Hauptdarsteller von Darren Aronofskys Horrorfilm „Mother!“ und Guillermo del Toro („Pacific Rim“) hat „The Shape of Water“ mit Michael Shannon und Octavia Spencer besetzt.

Die deutschen Chancen

Aus heimischer Sicht darf man auf die deutsch-amerikanische Koproduktion „Human Flow“ des chinesischen Künstlers Ai Weiwei gespannt sein. Er setzt sich mit der weltweiten Flüchtlingsproblematik auseinander und hat dafür in mehr als 20 Ländern gedreht. Neben „Ex Libris – The New York Public Library“ von Frederick Wiseman („Titicut Follies“) ist dies der zweite Dokumentarfilm im diesjährigen Aufgebot – mit durchaus reellen Siegeschancen, tun sich Dokumentarfilme in Venedig doch traditionell nicht so schwer wie auf anderen Festivals – siehe Gianfranco Rosis Gewinnerfilm „Das andere Rom“ (2013).

Hohe Erwartungen werden auch in Abdellatif Kechiches Liebesdrama „Mektoub, My Love: Canto uno“ gesetzt. Um die Literaturadaption fertig zu stellen, hat er nach eigener Aussage sogar seine Goldene Palme für „Blau ist eine warme Farbe“ verkauft. Im Auge behalten sollte man – Stichwort Heimvorteil – die vier italienischen Produktionen, darunter „The Leisure Seeker“ von Paolo Virzì („Die süße Gier“, „Die Überglücklichen“) und Ziad Doueiris im Beirut von heute angesiedeltes Drama „L’insulte“.

Es gibt bereits Gewinner

Die Qual der richtigen Wahl hat die neunköpfige Jury unter Vorsitz der Schauspielerin Annette Bening („American Beauty“). Ihr gehören unter anderem der Regisseur Edgar Wright („Baby Driver“), die Berlinale-Siegerin Ildiko Enyedi („Körper und Seele“), die US-Darstellerin Rebecca Hall („Vicky Cristina Barcelona“) sowie der renommierte britische Filmkritiker David Stratton an.

Und auch Gewinner gibt’s bereits zu vermelden. Goldene Löwen fürs Lebenswerk bekommen Jane Fonda und Robert Redford – gemeinsam auf dem Lido zu erleben in Sydney Pollacks „Der elektrische Reiter“ (1979), un dden Jaeger-LeCoultre-Award erhält Stephan Frears, der außer Konkurrenz sein biographisches Drama „Victoria and Abdul“ mit Judi Dench als englischer Königin vorstellen wird.

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