Auf Du und Du mit der neugierigen Ziege: Die Tiere sind die Hauptattraktion auf der Etzelfarm und bekommen täglich unzählige Streicheleinheiten. Foto: Sybille Neth

Die Etzelfarm feiert mit Ehemaligen und Lokalpolitikern anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens ein Riesenkinderfest und lässt ihre wechselvolle Geschichte Revue passieren.

S-Süd - Das hügelige Gelände ist ein Abenteuer an sich. Schon allein deshalb ist die Etzelfarm ein Paradies für Kinder mitten in der Stadt. Seit 40 Jahren können sie dort matschen, basteln, kochen, Brot backen, pflanzen, Feuer machen, Tiere streicheln und versorgen. Das haben Mitarbeiter, Eltern, Ehemalige, Gründer und natürlich die Etzel- Kinder am 13. Juli mit einem Riesenfest gefeiert. Bezirksvorsteher Rupert Kellermann und seine Kollegin für den Bezirk Mitte, Veronika Kienzle, nahmen auf dem „braunen Sofa“ Platz und plauderten aus dem Nähkästchen. Vor 40 Jahren hatte die Etzelfarm ihren Ursprung in einer Elterninitiative und der Besetzung der Villa, in der heute das Kinderhaus ist.

Die sollte abgerissen und auf dem Gelände ein Altenheim errichtet wurden. „Wir haben das Grundstück als Abkürzung zum Bopser benützt und auf einmal waren wir in dem Haus drin. Wir hatten sogar einen Schlüssel“, so erzählt das heute Richard Heydn, der damals mit 17 Jahren zum legendären „Blue Jeans Team“ gehörte. Das eroberte sich den Keller der Villa als Jugendtreff. „Was anderes gab es ja nicht.“ Beim Fest war er selbstverständlich dabei – mit Frau und dem jüngsten seiner Söhne.

„Hier können Kinder Freiheit und Natur erleben“

Das Blue Jeans Team war sozusagen die Initialzündung für das, was dann kam. „Eine Elterninitiative, die hier eine Freiraum schaffen wollte, in dem sich Kinder entfalten können“, so charakterisiert der dienstälteste Etzel-Mitarbeiter Georg Widmaier die Aktion mit der ersten Hausbesetzung Stuttgarts. Seit 1979 ist „Görki“ bei der Etzelfarm dabei und schwärmt noch immer:„Hier können Kinder Freiheit und Natur erleben. Hier erfahren sie die Jahreszeiten mit Hitze und Kälte, aber auch Geburt und Tod bei den Tieren.“

Gerade die Tiere haben es Veronika Kienzle angetan, die jahrelang als Mutter die Qualitäten der Etzelfarm persönlich zu schätzen wusste: „40 Jahre Honigschleudern, Meerschweinchen versorgen und Ziegen streicheln – hier ist eine grüne Insel in der Wüste.“

Von Generation zu Generation

„Anfangs war die Etzelfarm ein Platz für Kinder, die sich sonst auf der Straße herumgetrieben haben“, erinnert sich Widmaier. Das hat sich geändert und heute kommen an Wochenenden und in den Ferien die Kinder in Scharen. Dann wird gemeinsam gekocht und es gibt ein Mittagessen für hungrige Bastler, Maler, Töpfer, Bäcker, Zimmerleute, Gärtner und Tierpfleger. „Eigentlich sollten wir noch Ponys haben. Aber für die haben wir keinen Platz“, sagt Widmaier. Deshalb gehören Ziegen, Kaninchen, Hühner und Katzen zur Belegschaft. Auf dem Gelände, auf dem auch manchmal übernachtet wird, verletzen sich weniger Kinder, als auf den konfektionierten Spielplätzen, beobachtet er.

In vielen Familien gehören die Besuche auf der Etzelfarm schon zur Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. So kommt Kienzles Tochter heute mit ihrem Babysitterkind und Rupert Kellermann – nachdem seine Kinder dem Etzelfarm-Alter entwachsen sind – ist selbst wieder da: „Ich mag das leckere, selbst gebackene Brot“, verrät er.

Die ersten Jahre der Etzelfarm waren nicht einfach, denn immer wieder wurde ihre Existenz von der Lokalpolitik in Frage gestellt. Der heutige Baubürgermeister Matthias Hahn war damals im Bezirksbeirat Mitte und unterstützte das Projekt. „Schließlich breitete Oberbürgermeister Manfred Rommel seine schützende Hand über die Farm“, erzählt Veronika Kienzle. „Immer dann, wenn die Besucherzahlen zurückgingen, wurde gefragt‚ ,brauchen wir das noch?’“ Das fragt niemand mehr und Veronika Kienzle findet, dass die Stadt noch mehr solche grüne Oasen braucht.

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