Trotz Preiserhöhungen sind viele Lokale in Esslingen weiter gut besucht, darunter das „Mattis“, wie Inhaber Markus Hahn sagt. Foto: Roberto Bulgrin

Die Sorgen angesichts der höheren Mehrwertsteuer waren in der Gastronomie groß. Doch offenbar bewahrheiten sie sich zumindest nicht in jedem Lokal im Kreis Esslingen. Viele sind dennoch gut besucht. Und auch von der EM versprechen sich Gastwirte viel.

Wer an einem Samstagabend in der Esslinger Innenstadt essen gehen will, ohne zuvor einen Tisch reserviert zu haben, hat vielerorts Pech. Und das trotz der Rückkehr von sieben auf 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen. Viele Lokale geben die Erhöhung teilweise oder eins zu eins weiter, manche schlagen auf einzelne Speisen sogar mehr auf. Doch zumindest nicht in jedem Café oder Restaurant scheint sich das negativ auszuwirken. „Es ist schwierig, da eine allgemeine Aussage zu treffen, weil die Erfahrungen nicht homogen sind“, sagt Heike Kauderer, die die Hotels Hirsch und Lamm mit Gaststätten in Ostfildern betreibt.

 

„Es überwiegt der Optimismus“, berichtet die Bezirkspräsidentin der Industrie- und Handelskammer Esslingen-Nürtingen aus Gesprächen mit Kollegen. Gerade im niedrigeren oder mittleren Preissegment falle die Preiserhöhung nicht so auf, meint Kauderer. Anders in Betrieben mit höherem Standard und höherem Personalaufwand. Da erreiche man mit einer weiteren Erhöhung teilweise Preisschwellen, ab denen es schwierig werde.

Trotz erhöhter Preise machen viele gute Geschäfte

Diese Einschätzung spiegelt die Aussage mancher Wirte wider. „Wir merken nichts“, sagt Markus Hahn, der das Maultaschenlokal Mattis am Esslinger Hafenmarkt betreibt. Er habe die Preise um fünf bis acht Prozent angehoben. Dennoch haben die Gäste sich nicht beschwert. Viele merkten wohl die Anhebung von 10,90 auf 11,50 Euro für das Maultaschengericht am Mittag nicht. Und er habe nur 30 Plätze im Innenraum. Deswegen könne er sich schwer vergleichen mit anderen Restaurants. Allerdings koste die Maultasche mit geschmelzten Zwiebeln andernorts auch mal vier Euro mehr. „Und trotzdem ist es da auch voll“, so Hahn.

Unterschiedliche Erfahrungen machen andere Betriebe. Beispielsweise die Ostfilderner Bäckerei Schultheiß, die in einigen ihrer 25 Filialen auch Frühstück serviert. Eine Anpassung der Preise zum Januar habe es nur in diesem Bereich gegeben, sagt Frank Schultheiß. Allerdings hat die Bäckerei insgesamt in den vergangenen zwei Jahren im Schnitt um zehn Prozent erhöht. Zum Jahreswechsel habe sich nichts verändert beim Kundenverhalten, wenn auch seit einigen Monaten der Service eine höhere Preissensibilität bemerke, so Schultheiß. Bislang keinen Unterschied spürt Miriam Bay vom Café Fräulein Margot in Esslingen. „Die Reservierungszahlen für das Wochenende sind stabil hoch“, sagt Bay. Die Schwestern haben die Preise auf ihrer Karte in einer Mischkalkulation und mit Blick auf Mitbewerber erhöht. Dabei sei es nicht nur um die Mehrwertsteuer, sondern auch die Erhöhung des Mindestlohnes gegangen.

Andere Lokale spüren eine Zurückhaltung bei den Gästen

In der Krone Sulzgries dagegen konstatiert Georgios Agathangelidis schon seit ein paar Monaten eine Zurückhaltung der Gäste. Ein Hauptgang aus seiner griechischen Küche kostet zwischen 16,70 und 25,50 Euro. Dass er die Preise zum Jahreswechsel erhöht habe, gefalle den Leuten nicht. „Aber was sollen wir machen? Wir können nicht extra drauf zahlen“, meint der Wirt, der auf Normalisierung hofft und zumindest in der kalten Jahreszeit keinen Mittagstisch mehr anbietet, weil es sich nicht lohne.

Heiko Wineberger vom „Posthörnle“ Foto: Roberto Bulgrin

Heiko Wineberger vom Posthörnle in Esslingen hat eigenen Aussagen zufolge seine Preise nicht zum Jahreswechsel angepasst. „Wir mussten die vergangenen zwei Jahre schon sukzessive erhöhen und jetzt erst mal schauen, wo wir stehen“, sagt er. In seinem kleinen Restaurant mit gehobener Küche kostet ein Hauptgang zwischen 22 und 38 Euro. Seit dem Sommer zeichne sich ab, dass der Absatz deutlich geringer werde, die Auslastung nach unten gehe. „Man muss akzeptieren, dass es sich immer weniger Leute leisten können, für 50 Euro plus pro Person essen zu gehen“, sagt Wineberger. Dennoch will er sich über die 19 Prozent Mehrwertsteuer nicht beschweren. Er wolle mit seinem Laden vorankommen und sich nicht von äußeren Einflüssen abhängig machen. Man müsse flexibel sein. Im Moment sei er zufrieden mit dem Geschäft.

Hoffnung macht die Europameisterschaft

In ihren Restaurants in Ostfildern tut sich Heike Kauderer noch schwer mit der Einschätzung, ob sich die Preiserhöhungen auswirken. Gerade der Januar sei traditionell ein ruhigerer Monat. Im Hirsch in Ruit, wo es saisonal wechselnde schwäbische und internationale Speisen gibt, kostet abends eine Hauptspeise zwischen 17,90 und 35,90 Euro. „Wir haben teilweise böse Rückmeldungen bekommen von den Gästen“, sagt Kauderer. Aber sie gebe nur die Steuererhöhungen weiter. Das klassische Tagungsgeschäft sei etwas rückläufig. Aufgrund vieler Events an der Messe in Stuttgart sowie weiterer Großveranstaltungen wie der EM in diesem Jahr ist Kauderer aber besonders für ihre Hotels positiv gestimmt. Sie ist überzeugt, dass Gastbetriebe, die schon bislang gut aufgestellt und engagiert waren, auch in Zukunft weniger Probleme haben werden als andere.