Auf Speisen im Lokal sollen wieder 19 Prozent Steuer erhoben werden. Foto: dpa/Sina Schuldt

Die geplante Rückkehr zur höheren Mehrwertsteuer wird sich auch auf den Speisekarten im Kreis Esslingen bemerkbar machen. Wirtinnen und Wirte sind in Sorge, dass das das derzeit gut laufende Geschäft wieder dämpfen könnte.

Momentan brummt das Geschäft in vielen Lokalen im Kreis Esslingen. „Wir sind dankbar und freuen uns über ein volles Haus und schöne Weihnachtsfeiern“, sagt etwa Nicole Domon, die Chefin des Hotel-Restaurants Schwanen in Köngen. Und das, obwohl in den vergangenen Monaten vielerorts aufgrund gestiegener Lebensmittel-, Energie- und Personalkosten die Preise erhöht wurden. Im „Schwanen“ merkt man bislang keine große Zurückhaltung. Die Gäste freuten sich nach wie vor, dass sie nach Ende der Coronaeinschränkungen wieder Essen gehen und genießen dürften, sagt Domon. Doch zum Jahreswechsel, fürchten viele Restaurantbetreiber, könnte das Maß dann womöglich doch überzogen werden.

 

Denn dann wird aller Voraussicht nach die 2020 im Zuge der Coronapandemie von 19 auf sieben Prozent verringerte Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wieder angehoben. Wo der Rostbraten bislang 20 Euro gekostet hat, werden es künftig womöglich 24 Euro sein. Bei einer Jahrestagung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes habe sich eine Mehrheit dafür ausgesprochen, die Preise entsprechend anzuheben, sagt Domon, die der Fachgruppe Gastronomie der Kreisstelle Esslingen vorsitzt.

Preise steigen nicht überall sofort

Wie genau die Preiserhöhung gestaltet wird, das handhaben die befragten Wirtinnen und Wirte unterschiedlich. Die eine hebt die Preise schrittweise an, der andere macht es zum 1. Januar. Wieder andere versuchen, anderswo einzusparen oder senken ihre Gewinnmarge. Georgios Agathangelidis, der das Restaurant Krone in Sulzgries betreibt, ist der Überzeugung, dass er die Mehrwertsteuer nicht eins zu eins weitergeben kann. Schon jetzt merke er eine Zurückhaltung bei Gästen im Vergleich zu früher. Das liege vielleicht mit daran, dass sein Lokal außerhalb liege. „Wir sind nicht im Stadtzentrum, wo es mehr Durchlauf gibt.“ In diesem Jahr habe er die Preise bereits nach langer Zeit um zehn Prozent anheben müssen. Er mache sich Sorgen, wie die Leute es annähmen, wenn er sie erneut erhöhe. „Aber wir müssen.“ Wenn sich die Lage weiter verschlechtere, müsse er sein Lokal womöglich aufgeben.

Auch Speisen in Bäckereicafés sollen höher besteuert werden. „Auch wir werden die Preise anpassen müssen“, sagt Florian Dieringer von der gleichnamigen Esslinger Bäckerei. Er ist der Überzeugung, dass sein Betrieb die Veränderung nicht so stark zu spüren bekommt wie die Abendgastronomie. „Wir haben den Eindruck, dass viele umschwenken und etwa zu Geburtstagsfeiern nicht mehr abends zum Essen einladen, sondern zum Frühstück, weil es günstiger ist.“ Und im mittleren Neckarraum könnten es sich viele weiter leisten, essen zu gehen.

Gastronomie passt sich an

Ähnliche Hoffnungen haben andere Restaurantbetreiber, darunter Heike Kauderer von den Hotels Hirsch und Lamm in Ostfildern. Sie beschreibt Enttäuschung gegenüber der Politik. Die Gastronomie fühle sich ungleichbehandelt gegenüber den Nachbarländern und der To-Go-Gastronomie, die weiter geringere Steuern hätten. Kauderer und andere monieren, dass es an Wertschätzung für die Gastronomie mangelt. Von vielen Kollegen höre sie, dass sie übers Aufgeben nachdenken. „Ob sie das dann realisieren, sei dahingestellt“, sagt Kauderer. Sie glaube nicht, dass es die Gastronomie irgendwann nicht mehr gebe. Doch man müsse sich anpassen. Einige Betriebe schlössen an Sonntagen oder verringerten Personal. Kauderer versucht, den Aufwand an Sonn- und Feiertagen – der auch aufgrund von Zuschlägen fürs Personal hoch ist – zu senken, indem sie an diesen Tagen nur Mehrgangmenüs für einen Pauschalpreis anbietet. „Damit wir einen Mindestumsatz erreichen.“ Je nachdem, wie sich die Situation entwickle, müsse auch ihr Betrieb womöglich Personal reduzieren.