Ausgebremst: Auf der A 8 zwischen Flughafen und Leonberg hat Verkehrsminister Hermann ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern angeordnet. Foto: Peter-Michael Petsch

Die Behörden halten es für zu gefährlich, auf dem 16 Kilometer langen Autobahnstück mit etwa acht Ausfahrten je Fahrtrichtung die Geschwindigkeit freizugeben. Deshalb zeigen auch die flexiblen Verkehrsdisplays zwischen Flughafen und Leonberg wieder rund um die Uhr Tempo 120 an.

Stuttgart - Der Bau der 21 Millionen Euro teuren Tempoanlage zwischen Leonberg-West und Wendlingen war eigentlich damit verknüpft, dass es auf der Strecke künftig grundsätzlich keine Beschränkungen mehr gibt. Dumm nur, dass die A 8 mit bis zu 160.000 Fahrzeugen täglich in diesem Bereich schon vor langem als unfallträchtig galt und deshalb ohne Tempolimit kaum mehr denkbar ist. Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) etwa fiel im vergangenen Sommer aus allen Wolken, als er von unserer Zeitung erfuhr, dass an der Rohrer Höhe künftig nachts freie Fahrt gelten würde. Schairer und der Gemeinderat hatten dort sogar auf Tempo 80 gehofft.

Nun bekommen sie zumindest die Deckelung auf 120 Kilometer pro Stunde wieder. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ließ jetzt mitteilen, dass die flexible Steuerung des Verkehrsflusses künftig nur noch unterhalb der 120 stattfinden werde. „Sicherheit hat Vorrang“, sagt der Minister und stützt sich auf die Ergebnisse einer Prüfung des Regierungspräsidiums Stuttgart. Dabei ist es nicht so, dass seit der Inbetriebnahme die Unfälle augenfällig zugenommen hätten, auch nicht zu Zeiten, da die Geschwindigkeit in bestimmten Abschnitten komplett freigegeben wurde.

Gefahrenlage wiegt mehr als Recht auf freie Fahrt

Laut Clemens Homoth-Kuhs, Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart, „sehen wir eine Gefahrenlage aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse, die quasi gewichtiger ist als das Recht auf freie Fahrt“. Die besonderen Verhältnisse sind das immense Verkehrsaufkommen, gepaart mit den zahlreichen Auf- und Abfahrten, Verflechtungsstreifen, Gefällstrecken und Steigungen. Da vertrage sich nicht, dass einer mit 80 Stundenkilometern schaut, ob er sich vor Leonberg Richtung Heilbronn oder Richtung Karlsruhe einreihen muss, und der andere mit Tempo 250 heranbrause. In einem solchen Fall dürfen die Behörden laut höchstrichterlichem Urteil ein Tempolimit verhängen, wenn noch nicht unverhältnismäßig viel passiert ist. Zumal auf der Strecke auch so genug los ist: So wie am 17. Februar, als ein 23-jähriger Autofahrer bei hohem Verkehrsaufkommen alle drei Spuren zum Überholen nutzen wollte und dabei mit zwei Pkw kollidierte. Der 23-Jährige verletzte sich schwer, die beiden anderen leicht. Der Sachschaden betrug 70.000 Euro.

Für das Gefälle vor dem Dreieck Leonberg hatten die Behörden nach einer Intervention des Autobahnpolizeireviers Ditzingen schon im Herbst die alte Beschränkung auf Tempo 100 neu aufgelegt. Für den Bereich zwischen Degerloch und Kreuz Stuttgart gab es eine solche Anordnung zwar nicht, nach Beobachtungen der Stuttgarter Nachrichten zeigten die Displays aber auch nachts stets Tempo 120 an. Dazwischen ergab sich aber ein Wirrwarr, weil kurz nach dem Kreuz Stuttgart meist freie Fahrt galt, die wenige Kilometer weiter eben auf 100 heruntergebremst wurde.

Anlage reagiert inzwischen automatisch auf Nebel und Regen

Künftig kann die Anlage die Geschwindigkeit nur noch zwischen Flughafen und Wendlingen ganz freigeben. Für Verwirrung kann sie aber auch weiterhin sorgen, weil die Wettersensoren noch nicht richtig vernetzt sind. Im Herbst etwa zeigte die Anlage hinterm Kreuz Stuttgart auch dann freie Fahrt, wenn diese in eine dichte Nebelbank führte. Das Gleiche tat sie im Winter, wenn es in dichtes Schneetreiben ging. Nach Angaben der Landesstelle für Straßentechnik in Feuerbach reagiert die Anlage inzwischen automatisch auf Nebel und Regen, während die Glättewarnung noch von einem Polizisten oder einem Mitarbeiter der Autobahnmeisterei persönlich angeordnet werden muss.

Ohnehin ist das Ganze noch im Probelauf: Im April soll die Anlage laut Behördensprecher Homoth-Kuhs so weit sein, dass sie den Seitenstreifen zwischen Degerloch und Vaihingen vorübergehend für den Verkehr freigeben kann, wenn ein Stau droht. Ebenfalls bis April sollen fünf Blitzer stehen, die aktuell auf die Anzeigen reagieren – und zwar in Fahrtrichtung Karlsruhe vor der Tank- und Rastanlage Denkendorf, vor dem Echterdinger Ei und hinter dem Parkplatz Sommerhofen vor Leonberg, in Fahrtrichtung München an der Steigung hinter dem Dreieck Leonberg und vor dem Echterdinger Ei.

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