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Schulen in Raumnot Stuttgart sucht nach Platz für Flüchtlingsklassen

Von Barbara Czimmer-Gauss 

Deutsch lernen mit Kärten in der Vorbereitungsklasse der Hohensteinschule in Zuffenhausen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Deutsch lernen mit Kärten in der Vorbereitungsklasse der Hohensteinschule in Zuffenhausen.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Schulen in der Nähe von Asylunterkünften sind in Raumnot. Die Zahl der Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt, die Zahl der Standorte nicht. Steigt die Zahl der Flüchtlingskinder weiter, muss die Stadt auf weitere Schulen zugreifen.

Stuttgart - Seit dem Jahr 2014 gibt es in Stuttgart 52 so genannte Vorbereitungsklassen. Sie waren ursprünglich für Zuwanderer gedacht und bis zur Krise im Nahen Osten vor allem mit Kindern aus dem europäischen Ausland belegt; Söhne und Töchter von Familien, die wegen ihrer Firma hierher gewechselt sind oder hier ihr Auskommen suchten. Seit 2014 stieg der Anteil der Flüchtlingskinder von damals 50 auf heute 56,9 Prozent.

Längst reichen diese 52 Klassen nicht mehr aus; inzwischen sind es 100, also fast doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Da die Klassen nicht verteilt übers ganze Stadtgebiet eingerichtet wurden, sondern zumeist an Schulen, die nahe an einer Asylunterkunft liegen, kommt es dort nun zu Engpässen: „Räumlich und personell sind wir so langsam am Limit“, sagt Matthias Kaiser vom Staatlichen Schulamt.

Die meisten Räume sind belegt

Laut Bericht, den er am Dienstag im Schulbeirat vorgelegt hat, gibt es zurzeit 48 Vorbereitungsklassen an Grundschulen, 43 Klassen in Werkreal- und Realschulen sowie neun Spracheingangsklassen. Dort werden die in Deutschland geborenen Kinder eingeschult, die wegen ihrer Sprachdefizite das erste Schuljahr nicht bestehen würden. „Wir konnten bisher immer schnell reagieren, wenn neue Schüler aufgenommen werden mussten, aber das wird künftig nicht mehr funktionieren“, sagt Matthias Kaiser.

Nicht allein die Raumnot schränkt die Flexibilität ein. Laut Kaiser „sind auch Lehrkräfte inzwischen Mangelware“, auch jene, die kein zweites Staatsexamen und somit kein didaktisches Wissen hätten. Das größte Problem sieht er auf die Schulen momentan erst zurollen – den Übergang von Schülern aus Vorbereitungsklassen in Regelklassen. „Weil wir keine reinen Flüchtlingsklassen einrichten wollen, muss die Schule die dritten oder vierten Klassen trennen und neu bilden, das begeistert nicht alle Eltern“, so Kaiser. Das Amt arbeite an einer Lösung, eventuell könnten die Flüchtlingskinder schon jetzt bei der Klassenbildung mitgezählt werden, so dass die Klasse dann unverändert bleiben könne.

Momentan sind die Vorbereitungsklassen insbesondere auf Grund- und Werkrealschulen verteilt. An Grundschulen gibt es 57, an Werkrealschulen 40; eine Klasse ist an einer Realschule, zwei sind an einer Gemeinschaftsschule angesiedelt.

Erstmals soll sich ein Gymnasium beteiligen

Bisher sind Gymnasien nicht beteiligt, denn „keine Schulart ist so voll wie diese“, begründet Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann. Wie sie am Dienstag gegenüber den Stadträten und Mitgliedern des Schulbeirats versicherte, könnte aber vom Schuljahr 2016/17 an am Solitude-Gymnasium die erste gymnasiale Vorbereitungsklasse eingerichtet werden. Auch die befindet sich dann in der Nähe einer Asylunterkunft: Seit Herbst 2015 sind Flüchtlinge in der Sporthalle des Gymnasiums untergebracht.

Einen wesentlichen Beitrag zur Bildung von Flüchtlingen tragen inzwischen die Beruflichen Schulen. Dort gab es 2014 gerade mal eine Vorbereitungsklasse mit 16 Schülern – heute sind es 18 Klassen mit knapp 300 Schülern an den Gewerblichen Schulen und an der Haus- und Landwirtschaftlichen Schule. „Inzwischen haben auch die Kaufmännischen Schulen ihre Absicht erklärt, ein bis zwei Klassen zu bilden“, berichtet Herbert Bläsi, der Geschäftsführende Schulleiter der Gewerblichen Schulen.

In deren Verantwortung liegt auch die Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die nicht mehr der Schulpflicht unterliegen. Man habe eine Warteliste, wonach 15- bis 17-Jährige sofort, 18- bis 21-Jährige möglichst schnell eingeschult werden sollen. Ältere Schüler vermittle man derzeit in Maßnahmen von Freien Trägern. Und anders als die Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I könne der Bedarf an Lehrkräften abgedeckt werden „von Lehrern, die das Referendariat absolviert und das zweite Staatsexamen abgelegt haben.“

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