ABC zur Landtagswahl Vom Asylbefürworter bis zur Zwei-Kreuze-Strategie

Von Melanie Maier 

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg von A bis Z Foto: Fotolia/Montage: Kruljac
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg von A bis ZFoto: Fotolia/Montage: Kruljac

Ob nach dem 13. März der Ministerpräsident noch Everybody’s Darling ist oder doch eher das Heimatherz bestimmt, wo’s langgeht: Nur Chabos wissen wer der Babo ist. Ein Lexikon zur Landtagswahl. Achtung: Satire.

A wie Asylbefürworter

Als linker Spitzenkandidat sieht Bernd Riexinger das Recht auf Asyl als elementares Gebot der Menschlichkeit. Eh klar. Riexi setzt sich aber nicht nur für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge und saudi-arabische Homosexuelle ein. Auch Whistleblower Edward Snowden will er nach Deutschland holen – notfalls gegen den Willen der Bundesregierung (mit einem Bundestagsbeschluss). Seit 2012 ist Riexi zusammen mit Katja Kipping einer der beiden Parteivorsitzenden der Linken – und sitzt trotzdem nicht im Bundestag. Mit 64 von 630 Sitzen meint er die Fraktion der →Kriegsverweigerer vielleicht ja auch ausreichend vertreten?

Als überzeugter Pazifist hat Riexi jedenfalls den Wehrdienst verweigert (Wehrdienst =lustiges Herumballern und durch-den-Wald-Robben für 18-jährige Möchtegern-Soldaten; =Alternative zum Zivildienst. Gab’s beides bis einschl. Juni 2011). Riexis Ziel ist es, dem „finanzgetriebenen Kapitalismus“ ein Ende zu bereiten. Im Wahlkampf wirbt er aber erst einmal für sozialen Wohnungsbau, kleinere Schulklassen, gebührenfreie Kitas und kostenfreie Mahlzeiten in Schulen ein. Möglicherweise deshalb, weil Riexi selbst „leidenschaftlich gerne“ kocht. Wenn er nicht gerade dem VfB Stuttgart beim Verlieren Gewinnen zuschaut.

B wie Besorgte Bürger

Keiner hat die Absicht eine Mauer zu bauen. Äh, auf Flüchtlinge zu schießen. Oder doch? Die Aussagen der Frauke Petry sind zuweilen nicht gar so verständlich. Ihre Partei, die Alternative für Deutschland, forderte schon im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 „Mut zur Wahrheit!“. Deutschland befinde sich in „der schwersten Krise seit dem 2. Weltkrieg, die aber niemandem auffällt, da Deutschland (…) fast ganz Europas als Musterknabe erscheint“. Die Wahrheit scheinen die Deutschen allerdings noch nicht entdeckt zu haben, denn auf ihrer Homepage wirbt die AfD noch immer mit dem Slogan. Dort verlangt die rechtspopulistische Partei unter anderem nach der „geordneten Auflösung des Euro-Währungsgebietes“: Der Euro schade anderen Ländern (meinen die damit Griechenland?). Fremdenfeindlich ist die AfD aber nicht: Sie plädiert immerhin dafür, dass „ernsthaft politisch Verfolgte in Deutschland Asyl finden können“. Müsste einem nur mal jemand erklären, was „ernsthaft politisch verfolgt“ bedeutet… Als Spitzenkandidat für die Landtagswahl tritt Jörg Meuthen an. Umfragen zufolge hat der →Familienschützer durchaus Chancen, in den Landtag einzuziehen: Seine Partei lag zeitweise bei 13 Prozent – keine →Quisquilien. (Mit-)regieren wird Meuthen aber wohl eher nicht: Eine Koalition mit der AfD schließen alle anderen Parteien bisher aus.   

C wie Chabos wissen wer der Babo ist

Nichtsdestotrotz weiß momentan nicht einmal Haftbefehl himself, wer nach der Landtagswahl der alte neue Ministerpräsident Baden-Württembergs sein wird. Ob →Heimatherz oder →Everybody’s Darling: Bis zum →Tag X bleibt‘s spannend.

D wie Die Hoffnung stirbt zuletzt  

Das erklärte Wahlziel der Freien Demokratischen Partei: der Wiedereinzug in den Landtag. Ein Ziel, das den Liberalen immerhin rund eine halbe Million Euro wert ist. So viel hat die FDP-Wahlkampagne „Der nächste Schritt für unser Land“ gekostet. Möglicherweise wird daraus halt nur der nächste Schritt für die Partei: 0,1 Prozentpünktle mehr als in der Bundestagswahl 2013? Damals schlitterte die FDP mit 4,8 Prozent zum ersten Mal seit dem Bestehen der Bundesrepublik Deutschland am Einzug in den Bundestag vorbei. Egal: Es soll nach vorne gehen. Mit dem →Perfektionisten Hans-Ulrich Rülke an der Spitze erzielte die FDP bei Umfragen im Land immerhin schon sechs Prozent.
→Quisquilien, ja, aber damit wäre den Liberalen der Einzug in den Landtag sicher. Falls sie denn mitregieren sollten, will die FDP Baden-Württemberg wieder zu einem „Wirtschaftsstandort der Spitzenklasse“ machen. Und zwar, indem sie Straßen und Datenautobahnen (Glasfaserkabel fürs Internet, that is) ausbaut und „Unternehmern das Leben leichter macht.“ Dabei vertraut die FDP „der Freiheit, der Vernunft und dem gebildeten Gewissen der Menschen, die für sich und andere Menschen Verantwortung übernehmen, ohne dafür staatliche Anleitung zu brauchen.“
Good luck with that. 

E wie Everybody’s Darling

59 Prozent der Baden-Württemberger wünschen sich Winfried Kretschmann als alten neuen Ministerpräsidenten (MP). →Heimatherz Guido Wolf würden nur 17 Prozent gerne an seinem Platz sehen. Ein Vorzeichen? Nur →Chabos wissen wer der Babo ist(/wird). Auch darüber, woher die Sympathie für Kretsche kommt, kann nur gemutmaßt werden. Theorie Nummer eins: Die Baden-Württemberger schwärmen für ihren grünen MP, weil er als bodenständiger Familienmensch gilt. Als er seinen ersten Enkel Julius Frederic sah, berührte ihn das angeblich „zutiefst“.

Theorie Nummer zwei: Kretsches Ansichten ähneln denen des →Wolfsrudels so sehr, dass sie die Wähler komplett verwirren. Kretsche ist praktizierender Katholik und Mitglied des Schützenvereins. 2014 stimmte er dafür, Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als sichere Herkunftsländer einzustufen (welches Spiel spielt dieser wertkonservative Ministerpräsident?).

Theorie Nummer drei: Die Baden-Württemberger lieben ihren Kretsche um seiner Menschlichkeit willen: Wer sagt schon öffentlich im Landtag →„Jetzt rutscht m’r d’Hos ronter“? Wie dem auch sei: 1979/80 war der MP an der Gründung der →Müslifraktion beteiligt. Nach dem Reaktorunglück von Fukushima im März 2011 wurde er dann in Baden-Württemberg zum ersten grünen MP Deutschlands überhaupt gewählt. Kretsches neues Ziel: Fünf weitere Jahre an der Macht bleiben. Obwohl er das Amt als „härter ist als gedacht“ empfindet: „Das ist nicht selten ein 16-Stunden-Tag.“ Sorgen braucht man sich aber um Winfriedos Kretschmannakis Landesvater Kretsche nicht zu machen: „es ist alles gut machbar, solange man gut schlafen kann. Und das ist bei mir meist der Fall.“ Na, wenn das nicht einschläfernd beruhigend ist! 

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 4.14
Bluttat in Ravensburg Vater wollte ganze Familie auslöschen

Von red/dpa 1. Juli 2016 - 17:02 Uhr

In der Familie in Ravensburg hat es wohl schon länger Streitigkeiten zwischen den Eheleuten gegeben. Das teilten die Ermittler am Freitag mit. Der 53-Jährige hätte auch geplant sein fünfjähriges Kind und dann sich selbst zu töten.