Von Horst LohrVon diesem Autor wird in den nächsten Jahren auf

Von Horst Lohr

Von diesem Autor wird in den nächsten Jahren auf deutschen Bühnen noch viel zu sehen und zu hören sein. Auch das neue Stück von Nis-Momme Stockmann besticht mit der Kraft und Genauigkeit einer unverwechselbar poetisch-nüchternen Sprache. "Kein Schiff wird kommen" heißt das Auftragswerk, das der 29-Jährige für das Schauspiel Stuttgart geschrieben hat. Die Uraufführung am Freitag im mit 200 Besuchern voll besetzten Theater im Depot erhielt zu Recht viel Beifall.

Gleichermaßen feinfühlig und genau beschreibt Stockmann die Innenschau eines jungen namenlosen Autors. Er soll ein "welthaltiges" Auftragsstück über die Wende schreiben. Da er selbst keinen Bezug zum Thema hat, versucht er auf der heimatlichen Insel Föhr bei seinem Vater über die Ereignisse von 1989 zu recherchieren. Für den Schriftsteller gerät der Besuch in der Provinz zur Entdeckungsreise in die Geschichte seiner Familie und zu sich selbst.

Regisseurin Annette Pullen vertraut ganz der Bildkraft des Stücks. Entsprechend feinfühlig beobachtet sie die zarte, in beidseitigen Ritualen hilfloser Zuneigung festgefahrene Beziehung zwischen Vater und Sohn. In einer luftigen Wohnküche aus zart-weißem Tüll (Ausstattung: Iris Kraft) werden die beiden beim biertrunkenen Diskurs über die literarische Verwendbarkeit von Wende-Erlebnissen mehr und mehr in den Sog ihrer Erinnerungen gedreht. Hier der von Jens Winterstein gespielte Vater, ein Grobmotoriker mit Seele und dem Realitätssinn des einfachen Mannes. Da sein Sohn, ein Autor "im freien Fall", dem der Schauspieler Matthias Kelle mit seiner inneren Zweitstimme (Lisa Wildmann) faszinierend fiebrige Töne des Ekels gegen die Mechanismen eines auf spektakuläre Themen mit "Nachhaltigkeit" konditionierten Kulturbetriebs entlockt. Intensives Theater - wieder zu erleben an diesem Freitag sowie am 7., 10., 17. und 20. März.

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