Von Dirk HerrmannWINNENDEN. Zum Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden am 11.

Von Dirk Herrmann

WINNENDEN. Zum Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden am 11. März haben etliche Schulen in der Stadt eigene Programme für die Gestaltung des Vormittags organisiert. Doch die müssen nun ausfallen. Grund: Wegen des Besuchs von Bundespräsident Horst Köhler haben Polizei und Stadt verfügt, dass zwei benachbarte Schulgebäude aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden dürfen. Vor allem die Elternvertreter sind darüber schwer verärgert.

Zur offiziellen Gedenkfeier an jenem Donnerstag um 11 Uhr vor der Albertville-Realschule rechnet die Stadtverwaltung mit bis zu 3000 Gästen. Unter ihnen ist neben dem neuen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus auch Horst Köhler. Der Besuch des Bundespräsidenten allerdings steht erst seit Ende Januar fest, wie Winnendens Oberbürgermeister Bernhard Fritz Anfang der Woche bekanntgab. Deshalb ist es auch erst seit kurzem klar, wie das genaue Sicherheitskonzept für das gesamte Bildungszentrum ausfällt. Auf den Rektoraten des Lessing-Gymnasiums und der Robert-Boehringer-Hauptschule gingen nach Auskunft der Schulleiter die entsprechenden Nachrichten einen Tag vor den Faschingsferien, also am 12. Februar, ein. Die klare Botschaft der Stadt: Am Tag der Gedenkfeier müssen beide Schulen geschlossen sein.

Während die beiden Schulleiter bei diesem "sensiblen Thema kein Öl ins Feuer gießen" wollen, echauffieren sich die Elternvertreter umso mehr. "Wir wollten in aller Stille in unserer Schule mit der ganzen Schulgemeinschaft diesen auch für uns sehr schmerzlichen Tag begehen", erklärt die Elternbeiratsvorsitzende des Lessing-Gymnasiums, Kathrin Kopriva. Doch nun sei "ein würdevolles Begehen" nicht mehr möglich. Die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende der Hauptschule, Esther Lorenz, schimpft, die Stadt wolle "eine spektakuläre Gedenkfeier - und dabei sind zwei Schulgemeinschaften im Weg". Von der "vielbeschworenen Achtsamkeit" nach dem 11. März 2009 sei man in Winnenden weit entfernt, schreibt Petra Häußermann in einem Leserbrief in der lokalen Presse.

Vom Alternativvorschlag der Stadt für die Schüler - frühmorgendlicher Gottesdienst in der Kirche St. Borromäus, dann weiter in den Gemeindesaal beziehungsweise in die Ganztagsschule und schließlich zur Gedenkfeier vor der Albertville-Realschule - halten die Eltern nichts. Da würden "sicher viele Schüler lieber zu Hause bleiben".

Die Polizei kann den Ärger der Eltern nur teilweise nachvollziehen. Denn neben der Sicherheit für die Staatsgäste, allen voran den Bundespräsidenten, gehe es auch um die Sicherheit in den Schulen selbst. Schließlich wolle man "eine optische Wiederbelebung des 11. März 2009" vermeiden, erläuterte der Leiter der Polizeidirektion Waiblingen, Ralf Michelfelder, vor wenigen Tagen. Deshalb sind die Beamten vorwiegend in Zivil unterwegs, und es gibt nur wenige Polizeifahrzeuge vor Ort. Ausschließen will man deshalb auch, dass an jenem Vormittag plötzlich 50 uniformierte Polizisten mit ihren Fahrzeugen herrasen müssten, weil etwa in einer nebenan liegenden Schule eine Drohung eingegangen sei - und alles wieder an das Trauma von vor knapp einem Jahr erinnere, heißt es in Winnenden. Deshalb sei es sinnvoller, wenn die Schulen leer seien.

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