Das Auto der Zukunft fährt elektrisch,daran lässt der Genfer Automobilsalon keinen

Das Auto der Zukunft fährt elektrisch,

daran lässt der Genfer Automobilsalon keinen Zweifel. Doch wer weiß

eigentlich, wie Autos künftig aussehen?

Ein Blick in die Automobilwelt von

übermorgen.

Von Petra Otte

zurzeit Genf

GENF. Normale Autos entstehen von unten nach oben, auf einer Plattform wächst der Wagen Teil für Teil in die Höhe. Nicht so Elmar: Dieses Gefährt wurde andersherum gebaut, statt von einer Karosserie werden die Insassen von einer Säulenkonstruktion getragen, die an die stählernen Greifzangen erinnert, die Autos vor der Verschrottung stapeln. Mit herkömmlichen Autos hat Elmar nur die Räder gemein, und nicht einmal die richtig. Denn in den Radfelgen verbergen sich zugleich die Motoren.

Elmar steht für "Elektromotor auf Rädern". 28 Studenten der Dualen Hochschule in Mannheim haben daran neun Monate lang getüftelt. Ziel ihrer Arbeit im Studiengang Projekt Engineering war es, nicht nur ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb, sondern eines in funktionalem und fortschrittlichem Design zu entwickeln. So besteht Elmar hauptsächlich aus extrem leichten, kohlefaserverstärkten Kunststoffen, gelenkt wird per Lenkrad, Joystick oder ferngesteuert per iPhone. Zumindest im Fahrzeugsimulator sind auf diese Weise 120 Stundenkilometer möglich, für den ersten Straßentest fehlte vor der Messe schlicht die Zeit. Dafür müssen die Studenten auf jeden Fall Helm und Brille aufziehen - auf Seitenteile und Scheiben verzichtet Elmar ebenso wie auf in herkömmlichen Motoren übliche Schmiermittel und Bremsflüssigkeiten. Dafür ist dieses Elektrofahrzeug tatsächlich ein Ökomobil: Seine Energie holt sich Elmar binnen acht Stunden in einem Carport mit Solarmodulen.

Die Fahrzeugstudie der Mannheimer Hochschule steht im Pavillon Vert, einer bunten Mischung aus mehr oder weniger realistischen Ideen, wie Autofahren in den nächsten zehn bis 20 Jahren aussehen könnte. Während es Elmar in seinem futuristischen Design wohl kaum in die heimischen Garagen schaffen wird, ist das bei anderen Ausstellungsstücken durchaus denkbar. Opel stellt das Brennstoffzellenfahrzeug Hydrogen4 vor, das mit einer Wasserstoffladung immerhin 320 Kilometer weit fährt und derzeit auf Alltagstauglichkeit getestet wird. Noch mehr Reichweite, nämlich mehr als 500 Kilometer, verspricht der Chevrolet Volt: Wie bei Hybriden verbindet der Volt einen Elektro- mit einem Verbrennungsmotor - betreibt seine Räder im Unterschied zu diesen aber stets elektrisch. Der Verbrennungsmotor schaltet sich ein, wenn die Batterieladung aufgebraucht ist, und speist neue Energie in die Akkus ein. Damit kommt das Fahrzeug laut Herstellerangaben auf einen CO2-Ausstoß von nur noch 40 Gramm pro Kilometer, die Produktion für Europa soll 2011 beginnen. Der asiatische Hersteller Kia stattet seinen Forte LPI Hybrid nochmals mit einem anderen Antrieb aus und verbindet den Treibstoff Autogas mit Direkteinspritzung und Hybridantrieb.

Weil Reichweiten von weniger oder gerade mal um die 100 Kilometer nach wie vor zu den größten Nachteilen von Batteriefahrzeugen zählen, widmen sich diesem Thema gleich mehrere Hersteller. Die Schweizer Technologiefirma Texx stellt ein neuartiges Batteriesystem und die nach eigenen Angaben leistungsstärkste Stromtankstelle weltweit vor. Eine Ladung der Lithium-Eisenphosphat-Mangan-Akkus hält demnach 230 Kilometer bei einer Lebensdauer von 250 000 Kilometern, die Ladezeit beträgt gerade mal vier Stunden. Ebenfalls auf neuartige Batterien setzt der Ex-VW-Designer Murat Günak beim Elektroauto Mia. Die französische Karosseriefirma Heuliez bietet das E-Mobil mit Akkus in drei verschiedenen Größen an, so dass der Kunde zwischen 80 und etwa 250 Kilometer Reichweite wählen kann. Statt auf Lithium-Ionen- setzt auch Günak auf Lithium-Phosphat-Akkus, die weniger Kühlung benötigen und somit das Fahrzeug leichter werden lassen. Zwar mutet der Mia mit seinen drei Sitzen und Schiebetüren an den Seiten wie eine Studie für die ferne Zukunft an - noch in diesem Jahr wollen die Franzosen allerdings die ersten 1500 Autos für rund 18 000 Euro das Stück verkaufen.

Wer an der Batterie als Antriebsart der Zukunft nach wie vor zweifelt, wird in Genf mit Blick in die Vergangenheit eines Besseren belehrt: Der Detroit 1916 wirkt auf den ersten Blick fehl am Platz in dieser Halle der Visionen, war zwischen 1907 und 1938 aber das am längsten gebaute Hybridfahrzeug der USA. Schon damals schaffte es das Gefährt mit Elektromotor und Benzintank 180 Kilometer weit - allerdings bei der heutzutage unvorstellbaren Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern.

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