Stillstand wegen Uneinigkeit: Die Rappenbaum-Schule liegt seit Jahren im Dornröschenschlaf Foto: Archiv/Simone Ruchay-Chiodi

Der Zwist um das Rappenbaum-Areal zwischen Dagersheim und Darmsheim zeigt, wie es nicht geht. Mehr Pragmatismus täte den beiden Städten Böblingen und Sindelfingen gut.

Der Fall des Rappenbaum-Hallenbades in Dagersheim ist ein Lehrstück darüber, wie Kommunalpolitik nicht laufen sollte. Böblingen und Sindelfingen sind sich nicht nur an der Autobahn nahe, sie gehen in ihren beiden Teilorten Darmsheim und Dagersheim sogar direkt ineinander über. Auswuchs dieser engen Nachbarschaft ist der gemeinsame Schulverband zum Betrieb der Rappenbaumschule und des benachbarten Hallenbads. Doch weder das eine noch das andere profitiert derzeit vom gemeinsamen Sorgerecht der beiden Städte. Im Gegenteil.

 

Wie ein zerstrittenes Paar zanken sich Böblingen und Sindelfingen seit Jahren um die Zukunft der Rappenbaumschule, an die auch das Hallenbad geknüpft ist. Schon vor über zehn Jahren musste die damalige Hauptschule aufgrund rapide sinkender Schülerzahlen dicht machen. Seitdem dämmert das Gebäude im Dornröschenschlaf vor sich hin. Zwischenzeitlich waren sich die beiden Städte zwar endlich einig, dass nur ein Neubau einer Grundschule auf dem Areal eine sinnvolle Lösung sei. Doch daraus wurde nichts – leider.

Zank um Schulbezirke

Man verhakte sich an formalen Fragen. Zuvorderst an den Schulbezirken und wie diese aufzuteilen seien: Böblingen wollte sie getrennt halten, Sindelfingen die Bezirke zusammenlegen und einen gemeinsamen schaffen. Das vorläufige Ende vom Lied war ein Beschluss im Sindelfinger Gemeinderat, die Schule einfach an anderer Stelle neu zu bauen – auf eigener Gemarkung und unabhängig vom gemeinsamen Schulverband mit Böblingen. Das ließ sich so lesen, dass Sindelfingen schlicht die Faxen mit der Nachbarstadt dick hatte. Oder eben nicht kompromissbereit war. Ansichtssache.

Uneinig in dieser Frage, kam es nicht zu einem gemeinsamen Termin für eine Verbandsversammlung, ergo auch nicht zur Aufstellung des Haushalts für das laufende Jahr 2024. Das wiederum hatte zur Folge, dass die eigentlich schon zugesagten Fördermittel des Bundes in Höhe von 3,15 Millionen Euro nicht abgerufen wurden. Für sie hatte sich die Böblinger Bundestagsabgeordnete Jasmina Hostert (SPD) erfolgreich eingesetzt. Das Geld wäre in die Sanierung des maroden Hallenbads geflossen. Jetzt fließt es gar nicht, zumindest nicht nach Böblingen oder Sindelfingen. Schade.

Langwierige Abstimmungen

Es mag sein, dass die langwierigen Abstimmungen zwischen zwei Ortschaftsräten, zwei Gemeinderäten und zwei Stadtverwaltungen das ganze Prozedere ewig in die Länge gezogen und deutlich erschwert haben, eine Einigung zu erzielen. Es mag aber auch sein, dass die handelnden Akteure nicht fähig waren, einen pragmatischen Kompromiss zu finden. So oder so: Das Scheitern des gemeinsamen Projekts Schulverband samt Hallenbad ist in hohem Maße bedauerlich.

Es bedeutet eine Rückkehr zum eigentlich überholten Kirchturmdenken. Denn die Leidtragenden sind am Ende die Bürgerinnen und Bürger in Darmsheim und Dagersheim. Sie haben nun weiter ein leer stehendes Schulgebäude und ein sanierungsbedürftiges Hallenbad vor der Nase. Kinder müssen weitere Wege zur Grundschule in Kauf nehmen und das Schwimmenlernen in dem überalterten Schwimmbecken bedeutet nicht die größte Freude. Wie lange es auf dieser Basis überhaupt noch weiter betrieben werden kann, ist fraglich.

Vertrauen verspielt

Böblingen und Sindelfingen haben stets betont, auf kommunaler Ebene die Dinge gemeinsam zu tun, bei denen sich leicht Synergien heben lassen: Stadtbibliotheken samt Ausleihe-System etwa oder die Technischen Betriebsdienste. Warum dieser Pragmatismus in puncto Rappenbaum-Areal fehlt, darüber kann man nur spekulieren. Klar ist nur, dass die Lokalpolitik in diesem Punkt ein Stück Vertrauen verspielt hat.