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Zwischennutzung des Wilhelmspalais genehmigt – Sprayer und Obdachlose müssen bald weiterziehen.

Stuttgart - König Wilhelm den Zweiten haut so schnell nichts um. Die Statue des württembergischen Herrschers mit den Spitzer-Hunden steht in der Innenstadt wie eh und je, wohingegen sich in dem Gebäude ­dahinter viel verändert hat.

Die Bücherfreunde, die hier 2011 noch ein und aus gingen, haben sich zur Bibliothek 21 im Europaviertel umorientiert. Beim Wilhelmspalais schlagen sich nächtens jetzt Obdachlose ins Gebüsch, wenn sie nicht sogar im Bereich der Vorfahrt neben den Säulen nächtigen. Stellenweise riecht es nach Urin und nach Fäkalien. An den historischen Gemäuern haben sich auch schon erste Sprayer verewigt.

Immer wieder montags sehe es im Umfeld des Kulturdenkmals aus wie auf einem Schlachtfeld, sagt Thorsten Gutbrod, der sich die Zwischennutzung des Gebäudes bis zum Umbau für die Zwecke des Stadtmuseums auf die Fahnen geschrieben hat. Die Scherben von Wodkaflaschen und anderen geleerten Flaschen interpretiert er so, dass hier an Wochenenden gern die Kids einen über den Durst trinken. Gutbrod: „Das ­Wilhelmspalais verkommt komplett.“

Per Dampfstrahler gegen Uringeruch

Kommende Woche will er allerdings mit einem Dampfstrahlgerät gegen Uringerüche und Schmutz beim Wilhelmpalais vorgehen lassen. Außerdem ist eine Fassadenbeleuchtung geplant, die dem Eindruck entgegenwirkt, dass es sich um eine x-beliebige Brache handle. Diese Beleuchtung könne er aber erst installieren lassen, wenn er vom städtischen Amt für Liegenschaften und Wohnen einen richtigen Mietvertrag habe. Bisher ­gebe es jedoch nur einen Vorvertrag.

Dafür gibt es einen einfachen Grund. Das Liegenschaftsamt konnte dem Mietvertrag bisher noch keine Genehmigung der Zwischennutzung durch das Baurechtsamt beifügen. Das Baurechtsamt wartete auf die denkmalschutzrechtliche Entscheidung im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, ob das Gebäude für die Zwischennutzung im Sinne des notwendigen Brandschutzes und der nötigen Rettungswege verändert werden darf. Da er den Mietvertrag noch nicht hatte, konnte Gutbrod auch nicht beim Ordnungsamt die Konzession für eine Gastronomie im Wilhelmspalais sowie eine Außenbewirtschaftung vor und hinter dem Palais beantragen – ein Teufelskreis, der jetzt auch die ­Grünen und die CDU im Gemeinderat ­beschäftigte.

Der Anlass dafür lieferte nicht etwa Thorsten Gutbrod von der Wagenhallen GmbH & Co KG, die von der städtischen Liegenschafts- und der Kulturverwaltung den Zuschlag für die Zwischennutzung erhalten hat. Die Stadträte schöpften Verdacht, dass „Sand im Getriebe ist“ (CDU), weil immer mehr Interessenten für die Veranstaltungsräume wie die Bachakademie, die Musikhochschule oder das Bundesjugendorchester von Gutbrod den Bescheid erhalten hatten, er könne zu möglichen Terminen noch keine verbindlichen Aussagen machen.

Mietvertrag in der kommenden Woche

Dass es wie ursprünglich geplant Mitte Mai losgehen wird mit der Interimsnutzung, war plötzlich unsicher und ist immer noch auf Messers Schneide. Wenn es erheblich später werden sollte, würde der Reiz für das Team der Wagenhallen rasch schwinden, das Palais interimsweise zu nutzen, bis in etwa anderthalb Jahren der Umbau fürs Stadtmuseum durchgeplant ist und beginnen kann. „Irgendwann braucht man gar nicht mehr anzufangen“, meint Gutbrod. Denn der Aufwand muss sich rechnen. Immerhin will die Stadt erreichen, dass die Veranstaltungen ihren üblichen Aufwand fürs Palais finanzieren. Was mit Getränken und Speisen verdient wird, sollen die Betreiber behalten dürfen.

Am Freitag trat endlich die erhoffte Wende ein. „Die Genehmigung ist heute rausgegangen“, erklärte RP-Sprecher Clemens Homoth-Kuhs. Und am selben Tag erfuhr Gutbrod von Kirsten Rickes, der Leiterin des Baurechtsamts, dass er jetzt fest mit der Genehmigung rechnen könne. Er hofft, dass er kommende Woche den Mietvertrag abschließen kann. Der Rest ist ein Wettlauf mit der Zeit, wenn man es bis Mitte Mai noch hinkriegen will, im Gebäude die Voraussetzungen für den Interimsbetrieb zu schaffen.

Was aber wird später aus dem Projekt, das Wilhelmspalais innen umzubauen, damit es das Stadtmuseum aufnehmen kann? Auch da gibt es Hoffnung. Regierungspräsident Johannes Schmalzl habe OB Wolfgang Schuster schon nach der Jahreswende wissen lassen, dass die Behörde in der Abwägung aller Aspekte auch diesen Umbau grundsätzlich begrüße und auch denkmalschutzrechtlich unterstütze – aber ohne Anträge für die ­einzelnen Schritte gehe es halt nicht.