Auf der Bundesstraße 31 bei Bräunlingen soll der Bau einer zweiten Brücke ein 20 Jahre währendes Provisorium beenden. Doch ist das Millionenprojekt überhaupt nötig?
Bräunlingen - Zwei Tunnelröhren, aber nur eine Brücke, die den Verkehr im Anschluss aufnimmt: Seit zwanzig Jahren bildet die Umfahrung des Bräunlinger Teilorts Döggingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) ein Kuriosum auf der viel befahrenen Bundesstraße 31 zwischen Donaueschingen und Freiburg. Das soll sich jetzt ändern. Das Regierungspräsidium Freiburg hat die Baugenehmigung für eine zweite, 826 Meter lange Brücke über die Gauchach erteilt. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiter anrücken.
Tatsächlich waren von Anfang an zwei Brücken geplant gewesen. Vierspurig sollte der Verkehr auf der gesamten Neubaustrecke verlaufen. Aus Kostengründen wurde die zweite Brücke dann aber gestrichen. In Richtung Donaueschingen muss der Verkehr seither am Ende der Brücke abbremsen, um in einer S-Kurve in die südliche Röhre geführt zu werden. Derweil wurde in der Gegenrichtung im nördlichen Tunnel nur eine der beiden möglichen Fahrspuren freigegeben. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass es im Tunnel zu Staus kommt, wenn die Autos vor der anschließenden Brücke wieder einfädeln müssen.
Für die Zauneidechse wird ein Wald gerodet
„Mit der zweiten Gauchachtalbrücke verbessern wir die Verkehrssicherheit und erhöhen die Leistungsfähigkeit dieser wichtigen Verbindungsachse“, sagt die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Wobei: Probleme wurden in all den Jahren eigentlich nicht bekannt. Er erinnere sich nur an zwei Unfälle, sagt ein Sprecher des zuständigen Konstanzer Polizeipräsidiums. „Es ging um Fahrstreifenwechsel im Südtunnel.“ Ansonsten sei der Abschnitt nicht als Stau- oder Unfallschwerpunkt berüchtigt. Lediglich Knöllchen wegen zu schnellen Fahrens scheint es dort öfter zu geben, wie eine kurze Internetrecherche nahelegt.
Der Bräunlinger Bürgermeister Michael Bächle (CDU) ist dennoch froh, dass nun endlich die zweite Brücke kommt. „Das ist ein sehr wichtiges Infrastrukturprojekt, das viele Hürden nehmen musste.“ Vor allem der Artenschutz stellte die Planer vor gewaltige Aufgaben. Neuntöter, Zauneidechse und zahlreiche Schmetterlingsarten, die auf der roten Liste stehen, leben auf dem künftigen Baufeld. Weil andere Flächen nicht zu finden waren, musste als Ausweichquartier ein zwei Hektar großes Waldgebiet gerodet werden. Das habe zu einigem Unmut geführt, sagt Hildegard Körner vom örtlichen Arbeitskreis des Landesnaturschutzverbands.
„Ein Tunnel hätte gereicht“
Sie sei immer noch der Meinung, dass ein Tunnel gereicht hätte, sagt Körner. Dann würde es auch jetzt keine zweite Brücke brauchen. Deren Bau ist im übrigen nicht billiger geworden, wie man wohl schon vor 20 Jahren ahnte. Damals betrugen die Baukosten für eine Brücke 16,8 Millionen Euro. Der verspätete Zwilling wird den Bund nun 57,5 Millionen Euro kosten.
Bevor die Autofahrer die durchgängig vierspurige Strecke werden nutzen können, wird noch viel Wasser die Gauchach hinunterstürzen. Drei Jahre dürfte der Brückenbau dauern. Anschließend steht Brücke Nummer eins zur Sanierung an. Dank der neuen Brücke müsse der Verkehr aber nicht durch Döggingen geleitet werden wie früher, sagt Bürgermeister Bächle. Weil anschließend auch die Tunnelröhren noch gerichtet werden müssen, rechnet er mit einer freien Fahrt nicht vor dem Ende dieses Jahrzehnts.