Robin Bellmann (links) und Tim Schneider auf der iranischen Insel Hormuz. Foto: privat

Robin Bellmann und Tim Schneider haben sich Anfang September auf den Weg nach Nepal gemacht. Ihr Rucksackreise über den Landweg verbinden sie mit einer Spendenaktion für Waisen in Nepal und benachteiligte Kinder im Rems-Murr-Kreis.

Schorndorf - Mit Fehlstarts kennen sich Robin Bellmann und Tim Schneider aus. Weil sie vor fünf Jahren ihren Anschlussflug in Istanbul verpassten, wurde nichts aus ihrer geplanten Reise nach Nepal, zumal es dort just einen Tag später zu einem verheerenden Erdbeben kam. Die zweite Abreise in Richtung Nepal scheiterte noch schneller: Nach einer Abschiedsparty sollte es am 1. September 2019 mit ihrem bunt bemalten Bus in Schorndorf losgehen. Doch die Fahrt endete mit einem riesigen Knall bereits auf dem Parkplatz, weil sich ein Traggelenk verabschiedet hatte.

Und so hat ihre Expedition Humanity erst einige Tage später als geplant begonnen: Robin Bellmann und Tim Schneider wollen größtenteils über Land vom Rems-Murr-Kreis nach Nepal reisen. Sie wollen nicht nur Abenteuer erleben, sondern vor allem die Menschen unterwegs kennenlernen und zugleich Kindern mit ihrer Reise helfen.

Spenden in Höhe von 13400 Euro gesammelt

Im Vorfeld haben die beiden Mittzwanziger 13 400 Euro an Spenden gesammelt, mehr als sie sich eigentlich zum Ziel gesetzt hatten. „Wir sind froh unsere Liebe zum Reisen mit etwas Gutem verbunden zu haben“, schreiben sie von unterwegs. Das Geld kommt Waisenhäusern des Vereins „Haus der Hoffnung – Hilfe in Nepal“ zu Gute sowie dem Verein Kinderreich Rems-Murr.

Mehr als 15 000 Kilometer lang ist ihre Reiseroute von Schorndorf nach Kathmandu, mehr als die Hälfte der Strecke haben die jungen Männer bereits geschafft. Derzeit sind sie mit Auto und Zelt im Oman unterwegs, „einem richtigen Camperparadies“, berichten die beiden, die sich beim Jobben im Oskar-Frech-Bad kennengelernt haben.

Ein Höhepunkt: die Gastfreundschaft der Iraner

Trotz eines ungeplanten Abstechers nach Griechenland und einer Tour nach Armenien sind sie in der Zeit – am 29. Januar wollen sie in Indien eintreffen. Der Flug vom Oman nach Indien bleibt die Ausnahme, die Reststrecke wird über Land zurückgelegt. Bis nach Georgien hat sie ihr Bus gebracht, danach ging es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weiter.

„Falls es etwas gibt, von dem wir von Herzen berichten wollen, ist es der Iran. Ein Land, das wir wirklich lieben gelernt haben, gerade wegen der Menschen“, schreiben sie. Auf noch keiner ihrer vielen Reisen hätten sie eine so herzliche und ehrliche Gastfreundschaft erlebt. Sie betonen, dass das Regime nichts mit den Menschen des Landes zu tun habe, außer dass es die Iraner unterdrücke und klein halte. Die Sittenpolizei, die instabile Währung und die Internetsperren machten den Menschen schwer zu schaffen und das Land für unerfahrene Reisende unattraktiv. Robin Bellmann und Tim Schneider wollen auf jeden Fall wiederkommen: „Das nächste Mal brauchen wir nicht einmal mehr eine Unterkunft, denn wir haben Freunde von Nord nach Süd gefunden, die uns immer noch regelmäßig schreiben“, berichten sie.

Nächte vor der Damentoilette, Katzenwäsche an zugefrorenen Flüssen

Was sie unterwegs noch beeindruckt hat? „Wir genießen die Freiheit, auch wenn der Alltag nicht immer einfach und schön ist“, schreiben sie. So gab es nicht nur tolle Landschaften, sondern auch unbequeme Nächte vor einer Damentoilette, dem einzigen windgeschützten Ort weit und breit. „Man spült sein Geschirr im Meer oder wäscht sich nur an den wichtigen Stellen, da die Außentemperatur unter Null ist und die Flüsse gefroren – wie in Georgien“, berichten sie.

Die ersten drei Monate haben die beiden komplett in ihrem Bus verbracht, bei jedem Wetter – auch wenn die Scheiben von innen gefroren waren. „Die erste richtige Dusche gab es dann in Aserbaidschan, es war die schönste meines Lebens“, schreibt Robin Bellmann. Zum Abschluss wollen sie in Nepal die Waisenhäuser besuchen, für die sie Spenden gesammelt haben und dann eine Rundreise mit ihren Familien machen.

Mehr Infos zur Reise gibt es auf dem Blog der Expedition Humanity.

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