Das Gap-Year liegt voll im Trend. Viele junge Menschen legen nach dem Schulabschluss eine Pause ein und gehen beispielsweise ins Ausland. So wie Helena und Florin, die 2023 ihr Abitur am Gymnasium Renningen gemacht haben und jetzt in Neuseeland sind.
Mut gehört dazu, wenn man für ein paar Monate ins Ausland möchte, um die Welt zu entdecken.
Das haben auch Helena und Florin erfahren, als sie Anfang Dezember ins Flugzeug Richtung Neuseeland gestiegen sind. Ihre Nachnamen möchten die beiden lieber für sich behalten.
Mit ihrem Entschluss, erst einmal ein Jahr Pause zu machen, sind die beiden nicht alleine. Von ihrem Abschlussjahrgang am Gymnasium Renningen entschieden sich über 20 Schülerinnen und Schüler für eine Auszeit, weit über ein Drittel aller Abgängerinnen und Abgänger. Die meisten zog es erst einmal ins Ausland. Einige nutzen die Zeit auch für Praktika, um herauszufinden, was sie künftig machen möchten. Zum Vergleich: Die europäische Statistikbehörde ermittelte im Jahr 2022, dass sich in Deutschland 8,6 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 15 und 29 Jahren nicht in einem Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis befinden – der Schnitt innerhalb der EU liegt bei 11,7 Prozent. Über die Dauer und die Gründe für die Auszeit nach dem Schulabschluss sagt diese Statistik leider nichts aus.
Lernen abseits von Schule und Beruf
Helena und Florin hatten schon länger von Work and Travel geträumt: „Der Gang zum Security Check war aufregend, da unsere langersehnte Reise endlich losging“, sagte Helena - beim Videoanruf aus Nelson in Neuseeland. Der Abschied sei den beiden 18-Jährigen auf dem Flughafen in Frankfurt nicht ganz leicht gefallen.
Es ist nicht unbedingt Orientierungslosigkeit, die junge Leute zu einem Sabbatical veranlasst, auch der Wunsch, nach Eigenständigkeit, Freiheit, Selbstbestimmtheit und vielleicht einfach die Lust am Leben können ausschlaggebend sein. Sich auszuprobieren bevor der Ernst des Lebens, sprich die Ausbildung oder das Studium, anstehen. Ein längerer Auslandsaufenthalt zeigt Durchsetzungsvermögen, Ausdauer, Flexibilität und Weltoffenheit und das sind Eigenschaften, die auch im Berufsleben gefragt sind. Im Alltag in einem fremden Land erweitert man seine Fremdsprachenkenntnisse und wird selbstständig, beispielsweise beim Autokauf in Auckland. „Es war gar nicht so leicht, ein gutes Auto zu finden. Wir haben fast zwei Wochen nach unserer Ankunft in Auckland gesucht“, erzählte Florin über die erste Herausforderung der beiden. Auckland auf der Nordinsel ist mit rund eineinhalb Millionen Einwohnern, das sind etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung, die größte Stadt des Landes.
Nach dem Abi Apfelbaumpflege
Ein mehrtägiger Workshop half dort bei der Orientierung und gab praktische Tipps zur Kontoeröffnung, über Arbeitsmöglichkeiten, zu Versicherungen, mögliche Gefahren, Alkoholkonsum, Steuernummer. Mit dem neuerworbenen Van von Mitsubishi ging es inklusive einiger Stopps in Richtung Wellington, wo die Fähren auf die Südinsel übersetzen. Pünktlich zum neuen Jahr erreichten die beiden nach einer stürmischen Überfahrt Picton auf der Südinsel. Hier galt es nun einen Job zu finden, denn reisen kostet Geld, auch wenn man im Auto auf Campingplätzen übernachtet. Das Geld, das sich die jungen Frauen bereits vor der Reise für ihren Traum erarbeitet haben, reicht nicht für die geplante Reisezeit von knapp einem halben Jahr. Seit zwei Wochen arbeiten Helena und Florin daher auf einer Apfelplantage. Unter der Anleitung des Vorarbeiters Nunu aus Tonga reduzieren sie den Ertrag hunderter Bäume. „So werden die anderen Äpfel größer“, weiß Helena inzwischen. „Die Arbeit ist anstrengend“, fügt Florin hinzu.
Ein bisschen Heimweh ist normal
Die Temperaturen sind hier sommerlich und liegen bei über 25 Grad Celsius. Da zieht sich ein acht bis neun Stunden Tag ganz schön in die Länge. Abends geht es zum Gutshaus, in dem eine Küche und ein Bad und bei Bedarf auch Übernachtungsmöglichkeiten für die Arbeiterinnen und Arbeiter zur Verfügung stehen. 23 Neuseeland Dollar gibt es auf die Stunde, das sind rund 13 Euro. Nach dem Tag im Freien kochen die beiden und fallen danach auf die Matratze in ihrem Auto. Wenn sie genug Geld verdient haben, wollen sie ihre Rundreise über die Südinsel fortsetzen. „Wir freuen uns sehr darauf, endlich wieder rumreisen zu können“, sind sich die beiden einig. Trotz der vielen neuen Erfahrungen bleibt ein bisschen Heimweh nicht aus. Dank Whatsapp und Facetime sind die Abenteuerinnen in Kontakt mit ihren Freunden und Familien. Nicht immer ist es nach einem Gespräch ganz leicht, den roten Punkt zu drücken, um die digitale Verbindung in die Heimat zu kappen.
Mehr zu der Reise von Helena und Florin erfährt man bei Instagram: zu2t_unterwegs.