Sie wandern wieder, die Kröten. Foto: dpa

Harald und Dennis Wochner bleiben die Krötenretter von Heumaden. Die Tiere ignorieren die Biotope, die die Stadt Stuttgart für sie angelegt hat.

Heumaden - Ohne Taschenlampe geht es neuerdings nicht mehr. Wenn Harald und Dennis Wochner in diesen Tagen nach Einbruch der Dunkelheit losziehen, um Kröten und Molche zu retten, sind die Funzeln Voraussetzung. „Abends kommen sie raus“, sagt der 51-jährige Harald Wochner und meint die Amphibien. Sie sitzen dann auf oder unter Erdschollen, als würde das Wasser irgendwann zurückkommen. Doch da können die Tiere lange warten. Und deshalb ziehen die Wochners Abend für Abend los und tun, was zu tun ist.

Harald Wochner und sein 21-jähriger Sohn Dennis haben sich bereits einen Namen gemacht. Weil die beiden Heumadener tausende Tiere unermüdlich vor dem Tod bewahrt haben. Und der Job ist nach wie vor nicht erledigt. Denn die Lösung der Stadt ist keine – jedenfalls bisher.

Die Vorgeschichte dürfte so gut wie jedem in Heumaden bekannt sein. Vor Jahren haben Kröten und Molche den alten Feuerlöschteich an der Schwendestraße zu ihrem Laichgewässer erkoren. Im Jahr 2008 verwandelte sich das Biotop in eine Falle. Das Betonbecken war leck, das Wasser lief ab. Die Kröten plumpsten in den leeren Teich und wären in der Sonne vertrocknet, hätte es die Wochners nicht gegeben. Vater und Sohn haben die Tiere eimerweise aus dem Becken gesammelt und in einen Waldtümpel getragen.

Kröten lassen sich kaum von ihrer Route abbringen

Weil das Heumadener Krötenproblem zum Politikum geworden ist, hat die Stadt im vergangenen Jahr reagiert. Arbeiter haben den Feuerlöschteich mit Erde zugeschüttet und in der Nähe zwei Biotope angelegt. Da sich Kröten allerdings nicht so ohne Weiteres von ihrer gewohnten Route abbringen lassen, sind die Wochners weiterhin gefragt.

Der Strahl der Taschenlampe tanzt über die Erde, die liegt, wo der Teich einmal war. Die Kirchturmuhr schlägt halb zehn. „Es ist eine wahnsinnig große Fläche, die wir absuchen müssen“, sagt Dennis Wochner. In der Hand hält er den Krötenkübel. Fünf Männchen hocken in dem roten Eimer und fiepen wie Meerschweinchen. Sein Vater sammelt derweil die Molche. Mit denen sei es einfacher, sagt Harald Wochner. Die bleiben wenigstens in den neuen Tümpeln, die Kröten wohl eher nicht. Die sind sturer.

Seit die Amphibien auf Wanderschaft sind, haben die Wochners 140 Kröten gefunden und 150 Molche. Allein an einem regnerischen Abend sind 50 Kröten zusammengekommen. Harald Wochner führt Buch. Auf sein Gedächtnis verlässt er sich nicht mehr. Er will belegen können, was sich allabendlich an der Schwende abspielt. Zwei Stunden sind die Wochners jeweils am ehemaligen Teich zugange.

Kröte und Mann sehen sich wohl bald wieder

Das scheint es für heute gewesen zu sein. Harald und Dennis Wochner machen sich auf zu den Obstbaumwiesen. Die Taschenlampe leuchtet den Männern den Weg. Es geht den Fußpfad runter, an den Schrebergärten vorbei. Sie geben Acht, dass sie nicht auf eine Kröte treten.

Das Bächlein, das zu den neuen Tümpeln führt, plätschert vor sich hin. In einem der beiden Biotope findet sich bisher kein Leben, im anderen tummeln sich die Frösche. Dennis Wochner wirft eine Kröte in den Teich. Sie breitet die Beine aus wie einen Fallschirm und schwimmt zügig davon. Die Chancen stehen gut, dass sie und der junge Mann sich schon bald wiedersehen – oben am alten Feuerlöschteich.

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