Erneut hat es einen Vorfall in Reichenbach in einem ehemaligen Barbershop gegeben – der hätte auch richtig schlimme Auswirkungen haben können. Foto: 7aktuell.de

Am frühen Donnerstagmorgen hat es in einem ehemaligen Barbershop in Reichenbach gebrannt. Es ist dasselbe Haus, auf das im Februar Schüsse abgegeben worden waren. Die Bewohner konnten sich retten, das LKA ermittelt.

Es ist gegen 3.30 Uhr am frühen Donnerstagmorgen, als Bewohner eines Hauses in Reichenbach an der Fils (Landkreis Esslingen) Brandgeruch bemerken. Schnell stellen sie fest: Im derzeit leer stehenden ehemaligen Barbershop im Erdgeschoss raucht es mächtig. Die Bewohner des Mehrfamilienhauses retten sich ins Freie, die alarmierte Feuerwehr bringt das Feuer schnell unter Kontrolle. Niemand wird verletzt, die Menschen können nach dem Ende der Lösch- und Belüftungsarbeiten sogar alle wieder in ihre Wohnungen zurück. Die Geschichte ist noch einmal gut gegangen, hätte aber böse enden können. Schließlich befinden sich mehrere Wohnungen und eine Apotheke im Gebäude.

 

Die Ermittlungen in diesem Fall hat das Stuttgarter Landeskriminalamt (LKA) übernommen. Das hat einen nahe liegenden Grund. Dort laufen die Fäden zusammen bezüglich der vielen Schussabgaben in der gesamten Region in der jüngeren Vergangenheit. Die zahlreichen Taten werden zwei konkurrierenden Gruppen zugeordnet. Es hat bereits Waffenfunde, Razzien und über 30 Festnahmen gegeben. Und auch das Haus, in dem es jetzt gebrannt hat, steht seit Monaten im Blickpunkt der Ermittlungen.

Denn dort hatte es bereits einen weiteren Vorfall gegeben. In der Nacht auf den 25. Februar war die Scheibe des damaligen Barbershops in dem Gebäude durch Schüsse zu Bruch gegangen – in derselben Nacht, in der im benachbarten Plochingen ein Gastwirt angeschossen worden war, weil er ein Klirren der Scheiben am Friseursalon im Nebenhaus gehört hatte und auf die Straße gekommen war.

Zusammenhänge liegen nahe. Das LKA ermittelt wegen des Verdachts eines Brandanschlags. Nach Informationen unserer Zeitung sollen eine Scheibe eingeschlagen und mehrere Brandsätze verwendet worden sein. Offiziell bestätigt wird das noch nicht. „Da es sich bei dem Friseurgeschäft um den Tatort einer Schussabgabe vom Februar dieses Jahres handelt, welche im Zusammenhang mit den Schussabgaben im öffentlichen Raum im Großraum Stuttgart steht, hat das LKA in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart die Ermittlungen übernommen“, sagt ein LKA-Sprecher. Ob ein Zusammenhang bestehe, sei „Gegenstand der Ermittlungen“. Darüber hinaus könnten noch keine weiteren Auskünfte erteilt werden. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise unter der Rufnummer 07 11 / 54 01 - 33 60.

Verunsicherung im Ort

Bis in die Mittagsstunden waren Beamte der Polizei am Donnerstag in der Hauptstraße noch damit beschäftigt, Spuren zu sichern. Eine abgeklebte Fensterscheibe erinnert an die Ereignisse wenige Stunden zuvor. Anwohner berichten, dass sie kurz nach halb vier aus dem Schlaf gerissen wurden, kurze Zeit später waren Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort. Wenige Stunden später ist in der Reichenbacher Fußgängerzone der Vorfall aus der Nacht das dominierende Gesprächsthema. „Merkwürdig ist es ja schon, dass es derselbe Laden war, auf den Anfang des Jahres bereits geschossen wurde“, sagt eine Passantin. Angst habe sie nicht direkt, aber ein mulmiges Gefühl sei schon vorhanden, ergänzt eine andere Frau. Sie frage sich, was in nächster Zeit hier sonst noch passieren könnte, ob mit weiteren Taten gerechnet werden müsse.