Jean-Claude Carrière (1931–2021) Foto: dpa/Patrick Kovarik

Der Drehbuchautor Jean-Claude Carrière ist 89-jährig gestorben. Nicht jeder kannte seinen Namen, aber fast jeder hat Filme von ihm gesehen.

Stuttgart - Frankreichs wichtigste staatliche Filmschule, La Fémis in Paris, hält sich etwas darauf zugute, nicht nur für die Alltagsbedürfnisse der Medienindustrie auszubilden. Mit einem Mann wie Jean-Claude Carrière an der Spitze meinte das etwas anderes als das Versprechen, dass Kinder begüterter Familien ohne Rücksicht auf Akzeptanz Künstler spielen dürfen.

Carrière war einer der großen Drehbuchautoren, hat quer durch Genres und Stile gearbeitet, mit eigenen Stoffen und nach fremden Vorlagen. Der am Montag im Alter von 89 Jahren Gestorbene konnte vereinen, was vielen als Widerspruch erscheint, das Stimmige mit dem Überraschenden, das Mysteriöse mit dem Zugänglichen.

Filmgeschichte mit Luis Buñuel

Eigentlich hatte er als Schriftsteller begonnen, aber dem Film verfiel er spätestens, als er Luis Buñuel kennenlernte. Von „Tagebuch einer Kammerzofe“ (1964) an bildeten die beiden eines der großen Kreativduos der Filmgeschichte, Carrière schrieb unter anderem „Schöne des Tages“ (1967) und „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ (1972). Aber auch mit Louis Malle hat er bei „Viva Maria!“ (1965) gearbeitet, mit Volker Schlöndorff etwa bei „Die Blechtrommel“ (1979) und „Der Unhold“ (1996), mit Milos Forman bei „Valmont“ (1989), mit Philip Kaufman bei „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ (1988).

Auch wenn nicht jeder seinen Namen kannte, fast jeder kennt Carrière-Filme: Dieser Mann hat das Kino, also das bessere Leben, reicher gemacht.

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