Pflegepersonal, das bei Operationen instrumentiert, wie es im Fachjargon heißt, ist sehr gefragt. Foto: dpa

Die Zulagen, die das Klinikum künftig an Funktionskräfte bezahlt, mögen vorgeblich ein Problem lösen. Aber sie schaffen gleich das nächste, findet Mathias Bury.

Stuttgart - Kürzlich hat die baden-württembergische Krankenhausgesellschaft darauf hingewiesen, dass es für Kliniken noch nie so schwierig gewesen sei, freie Pflegestellen zu besetzen. Schon jetzt seien in Krankenhäusern im Land 1200 Stellen unbesetzt.

Ein Symptom der angespannten Lage ist die Entscheidung des städtischen Klinikums, Zulagen an Funktionskräfte zu bezahlen. Es ist ein Schritt, der aus der Not geboren ist. Der elementare Bereich der Operationssäle und der Intensivstationen soll nicht zum Nadelöhr des Betriebs werden und das Ergebnis verderben. Der wirtschaftliche Druck ist maximal.

Missverhältnis folgt auf Missverhältnis

Die zeitliche Begrenzung mag darauf hindeuten, dass man nur das jetzige Personal halten will. Wenn es so ist. In jedem Fall treibt man den Teufel mit dem Beelzebub aus. Ein Missverhältnis wird durch ein anderes ersetzt. Auch wenn man verstehen kann, dass man eine Branche eindämmen will, die ein lukratives Geschäft aus dem Personalmangel der Kliniken macht und ihre Leute fürs Rosinenpicken besser bezahlen kann als die Krankenhäuser selbst.

Aber diese Probleme sollten die Tarifparteien angehen. Und der Gesetzgeber. Doch dessen geplante Pflegeberufereform mit einer einheitlichen Ausbildung für die Kranken- und für die Altenpflege löst vor allem Skepsis und Unsicherheit aus. Die neuen, von Januar an geltenden Personaluntergrenzen mögen richtig sein, den Mitarbeitermangel werden sie verschärfen.

mathias.bury@stzn.de

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