Der gute Kletterer Waschbär steigt nicht nur den Menschen aufs Dach. Foto: Britta Pedersen/dpa

Der Ludwigsburger Zoologe Claus König spricht sich für das Töten von Waschbären aus. Er befürchtet eine zu starke Vermehrung in einem sensiblen Öko-System.

Kreis Ludwigsburg - Der Waschbär vermehrt sich im Kreis Ludwigsburg stark und wird von Jägern abgeschossen. Die Tierrechtsorganisation Peta ist gegen eine Bejagung. Wie denkt ein Zoologe wie Claus König darüber? Der Ludwigsburger leitete vor einiger Zeit das Naturkundemuseum in Stuttgart.

 

Sollte der Waschbär von Jägern eingedämmt werden?

Meine ehrliche Meinung ist, dass der Waschbär nicht hier hergehört. Er ist als Pelztier eingeführt worden und aus Zuchtfarmen entkommen. Jetzt vermehrt er sich auch in unserer Gegend stark und plündert viele Nester. Das ist für unsere Vogelwelt und auch andere Tierarten eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Welche Vögel sind besonders betroffen?

Der Waschbär frisst alles, was ihm in den Weg kommt. Er klettert auf Bäume und auf Felsen – auch auf die Felsen am Neckar, wo wir erst seit wenigen Jahren wieder eine Uhu-Population am Entstehen sehen. Wir kennen eine Videoaufnahme von einem Uhu in der Eifel, bei der zu sehen ist, wie ein Waschbär die Jungvögel einer Uhubrut frisst. Auch Nistkästen für Höhlenbrüter werden geplündert. Gebietsweise, etwa in Hessen, sind Waschbären deshalb zu einem besonderen Problem geworden.

Die Peta sagt, dass die Jagd auf Waschbären wenig bringt, weil die Tiere sich dann stärker vermehren.

Es erscheint mir sinnvoll, die Population dieser Tiere durch die Jagd in Grenzen zu halten, denn der Waschbär ist sehr, sehr vermehrungsfreudig, und er bringt unser Öko-System durcheinander, weil er keinen Fressfeind hat. Er kann die Nester praktisch aller Vogelarten plündern – in einem Öko-System muss aber alles zusammenpassen. Der Waschbär sieht zwar sehr possierlich aus, sein Bestand muss jedoch unter Kontrolle gehalten werden. Deshalb halte ich eine Bejagung für sinnvoll, wie es auch das Jagdgesetz vorsieht.

Der Waschbär soll auch Reptilien fressen – wenn man überlegt, mit wie viel Mühe Mauer- und Zauneidechsen bei Bauvorhaben umgesiedelt werden: Erscheint seine Fresslust nicht auch deshalb sehr schädlich?

Ja. Auch die Population von Eidechsen, vor allem die der Zauneidechsen hat stark abgenommen. Wenn man nichts gegen die Zunahme des Waschbär-Bestandes unternimmt, droht eine massive Überlastung des Öko-Systems. Probleme gibt es auch mit anderen Neozoonen wie der Nilgans. Einheimische Tierarten werden noch stärker verdrängt als sowieso schon durch die Auswirkungen der industrialisierten Landwirtschaft und der Umweltverschmutzung mit Schadstoffen.