Etwa 80 Menschen demonstrierten auf dem Marienplatz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Auf dem Stuttgarter Marienplatz demonstrieren Anhänger der Initiative Zero Covid am Samstag für konsequentere Corona-Maßnahmen. Dabei stellen sie auch andere Aspekte der Pandemie in den Fokus.

Stuttgart - „Shutdown im Betrieb. Lohnfortzahlung 100 %“ steht auf einem Transparent. Rund 80 Menschen haben sich am Samstagnachmittag auf dem Stuttgarter Marienplatz versammelt, um im Zuge eines Aktionstages in 30 deutschen Städten einen konsequenten Lockdown zu fordern. „An den Arbeitsplätzen liegt die Inzidenz um ein vielfaches höher als draußen“, begründet Christa Hourani die Forderung von Zero Covid nach einer Schließung der Betriebe: Drei Wochen sollen die Bänder stillstehen. Bei Lohnausgleich für die Arbeitnehmer.

Bei Daimler in Untertürkheim habe die Inzidenz im März bei bis zu 250 gelegen, berichtet ein Mitarbeiter des Konzerns. Das werde aber nicht öffentlich diskutiert. Man scheue sich, „Die Heilige Kuh Wirtschaft“ anzutasten. Dabei profitierten Unternehmen von der Krise. Der Autobauer habe im Zuge der Kurzarbeitsregelung 700 Millionen Euro erhalten. Die Erhöhung der Dividenden für Aktionäre zeige, wie gut es Daimler gehe.

Andere Themen der Pandemie werden beleuchtet

Die Stuttgarter Basisgruppe von Covid Zero hat sich im Februar gegründet. Es ist die zweite Kundgebung, die man auf die Beine gestellt hat. „Es sind schon mehr Leute als beim letzten Mal“, stellt Hourani fest, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Die Forderung nach einem Ende des Wechselspiels zwischen Öffnung und Schließung und einem entschlossenen Lockdown werde von weiten Teilen der Bevölkerung unterstützt.

Die Aktion am Samstag konzentriert sich nicht allein auf Wirtschaftsthemen und Kapitalismuskritik, die sich in Slogans wie „Kein Sterben für Profite“ niederschlägt. Christa Hourani stellt in ihrem Redebeitrag die Erfahrungen von Frauen während der Pandemie in den Vordergrund. Sie seien es, die Zusatzbelastungen, etwa durch Homeschooling, in besonderer Weise zu schultern hätten. Sie trügen weite Teile des Gesundheitssystems. Sie litten verstärkt unter häuslicher Gewalt. Eine Studie vom Juni 2020 spreche von 1,5 Millionen Frauen, die während der ersten Pandemiemonate durch ihre Partner vergewaltigt worden seien.

Manche fürchten Repressalien

Die Statements eines Schülers, eines Lehrers und einer Mutter zu den Zuständen in den Bildungseinrichtungen, Selbsttests für Grundschüler, beständigen, kurzfristigen Kursänderungen, unzureichenden Schutzmaßnahmen und Kindeswohl werden stellvertretend verlesen. Die Verfasser hätten es nicht zur Kundgebung geschafft, heißt es offiziell. Hourani ergänzt, nicht jeder wolle persönlich in Erscheinung treten. Einige der Aktiven fürchteten Repressalien am Arbeitsplatz.

Ein Aussetzen aller nicht unmittelbar lebensnotwendigen Berufstätigkeit ist in den Augen der Demonstrierenden unerlässlich. „Wir brauchen einen bezahlten Corona-Sonderurlaub“, sagt ein Redner. „Die Menschen sind nach einem Jahr Pandemie bei gleichzeitiger Überbelastung am Rande der Erschöpfung.“ Wer in Bereichen wie dem Gesundheitswesen arbeite, solle Ausgleichsurlaub und Sofortzahlungen erhalten. Auch die Finanzierung wird in den Redebeiträgen thematisiert. Die Vision: Einführung einer europaweiten Solidaritätsabgabe auf Gewinne und hohe Vermögen.

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