Die Klassenzimmer der Gemeinschaftsschüler sind mit fahrbaren Regalen und Einzeltischen ausgestattet. Foto: Sascha Sauer

Seit diesem Schuljahr ist die Zeppelinschule eine Gemeinschaftsschule. Schüler und Lehrer haben sich an das neue Konzept schon gewöhnt. Am Freitag gibt es Lernentwicklungsberichte statt Zeugnissen.

Fellbach - Die Faschingsferien rufen. Und am Freitag gibt es Zeugnisse. Doch an der Zeppelinschule bekommen nicht alle Kinder Noten. Die 47 Fünftklässler der Gemeinschaftsschule erhalten einen sogenannten Lernentwicklungs-bericht, in dem ihre Fortschritte ausführlich formuliert werden.

Wer sich mit der Gemeinschaftsschule beschäftigt, muss sich ein neues Vokabular aneignen. Es gibt Lerntagebücher, Leistungsnachweise und Coaching-Gespräche. „Bei uns wird anders gearbeitet, als in den anderen Schularten“, erklärt Bernd Hauslaib, der Rektor der Zeppelinschule. Und das sei zwingend notwendig, denn in den zwei fünften Klassen sitzen Kinder mit allen Bildungsempfehlungen.

Die Schüler können zwischen drei Lernniveaus wählen

Die Gemeinschaftsschüler können in jedem Fach zwischen drei Lernniveaus wählen. Je nach Fähigkeit nehmen die Kinder also die leichten, mittleren oder schwierigen Aufgaben – auch bei den Klassenarbeiten. „Da jeder sein eigenes Lerntempo hat, schreiben auch nicht alle am gleichen Tag die Arbeit“, erklärt Hauslaib. Wann es soweit ist, entscheiden Lehrer und Schüler gemeinsam bei einem Coaching-Gespräch.

Neu ist auch die sogenannte Lernzeit. Jeden Tag haben die Kinder eine Doppelstunde, in der sie selbst entscheiden können, in welchem Fach sie arbeiten möchten. Als Orientierung hilft das Lerntagebuch, mit dem die Schüler zu Beginn der Woche planen, was sie in der Lernzeit üben möchten. In Feedback-Gesprächen mit den Lehrern wird dann am Ende der Woche reflektiert: Was hat gut geklappt? Was muss noch erledigt werden?

Positive Rückmeldungen von Eltern und Lehrern

Das klingt alles nach viel Aufwand. Und das ist es auch. „Für die Lehrer ist das eine große Herausforderung, bis dieses Konzept umgesetzt ist“, sagt Hauslaib. Aber es lohne sich. „Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen bei den Schüler-Eltern-Lehrer-Gesprächen bekommen.“ Auch habe man immer wieder Gäste an der Schule, die sich vor Ort informieren wollen, wie die Gemeinschaftsschule funktioniert, berichtet der Rektor.

Kathrin Gerlich ist seit 2010 Lehrerin an der Zeppelinschule. Bisher hat sie die Werkrealschüler unterrichtet, seit diesem Schuljahr kümmert sie sich um die Gemeinschaftsschüler. „Wir haben zum Start natürlich einen Mehraufwand, weil wir noch auf nichts zurückgreifen können“, sagt sie. Doch die Pädagogin begrüßt die neue Schulform: „Die starken Schüler helfen den schwächeren, sie können Lehrer spielen.“ Solche Vorteile im sozialen Bereich habe man im Regelunterricht normalerweise nicht.

Lernentwicklungsberichte statt Zeugnisse

Ob Hauptschulabschluss, Mittlere Reife oder Abitur – an der Gemeinschaftsschule ist alles möglich. „Wer bei uns auf einem hohen Niveau arbeitet, kann nach der zehnten Klasse auf ein allgemeines oder berufliches Gymnasium wechseln“, erklärt Hauslaib. Bei den meisten Kindern variiere der Leistungsstand von Fach zu Fach, erklärt Kathrin Gerlich. Das steht dann auch in ihren Lernentwicklungsberichten, die sie statt Zeugnissen ausgehändigt bekommen. „So einen Bericht zu schreiben, ist sehr zeitaufwendig“, sagt die Lehrerin. „Aber es gibt ein spezielles Computerprogramm, das uns dabei hilft.“

Das Kultusministerium hat am Montag zum kommenden Schuljahr 28 weitere Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg genehmigt. An der Zeppelinschule ist die neue Schulform schon Praxis, und offenbar haben sich die Schüler und Lehrer bereits an das Konzept gewöhnt.

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