Aufbruch ins digitale Zeitalter: (von links) Immanuel Gröninger, Ralf Zimmermann, Vivien Jesse, Roland Lochmann. Foto: Arnd Bäucker

Auf Papier gibt es sie schon seit dem 17. Jahrhundert: Die neue digitale Übersicht sorgt für mehr Transparenz rund um den Rebensaft in Großbottwar.

Bürgermeister Ralf Zimmermann bemühte eine bekannte Wein-Weisheit. „In vino veritas“, übersetzt: im Wein liegt Wahrheit. Dieses lateinische Sprichwort zitierte der Schultes bei den Bottwartaler Winzern. Anlass war die Vorstellung des digitalen Weinregisters, das in diesen Tagen online geht.

 

Ein großer Schritt für die Winzer und alle Freunde des Rebensaftes. Denn besagtes Register sorgt für noch mehr Wahrheit über den Wein, durch schnelle Informationen und ein besseres Verständnis dessen, was in den Weinbergen und Keltern der Storchenstadt vor sich geht. Zimmermann sagte, dank der Digitalisierung könne man künftig gemeinsam verfolgen, wie die Lage sich entwickelt.

Charakterisierungen im Stile der jeweiligen Zeit

Weinregister gibt es im historisch stark vom Weinbau geprägten Großbottwar schon lange. Immerhin bis 1600 zurück lassen sich Verzeichnisse verfolgen, in denen jeweils aufgelistet wurde, wie ertragreich ein Wein-Jahrgang ausgefallen ist und welche Qualität er hatte. Alte Dokumente dieser Art hängen im Sitzungssaal des Großbottwarer Gemeinderats. Dort liest man die knappe Charakterisierung der Rebenjahrgänge, im Stil der jeweiligen Zeit.

Doch nun ist auch bei den Bottwartaler Winzern das Zeitalter der Digitalisierung angebrochen. Vorstand Immanuel Gröninger betonte: „Nach jahrelanger Brache lassen wir das Register wieder aufleben.“ Der Weinbau sei ein facettenreiches, traditionelles Kulturgut. „Wein ist, wenn man den Boden schmecken kann.“ Vivien Jesse, Weinprinzessin aus Löchgau, lobte die Einführung des Registers als großen Schritt. Es diene der Erhaltung der Weinkultur, indem die Informationen nun einem breiten Publikum zugänglich sein werden. „Das Register ist ein lebendiges Zeugnis unserer Weinwirtschaft.“

Mehr als nur die Angaben über Menge und Qualität der Weine

Roland Lochmann vom Weinbauverein zeichnet als einer der Hauptverantwortlichen für die Erstellung des Registers verantwortlich. Er erklärte und demonstrierte die wichtigsten Punkte. Die digitale Übersicht bietet mehr als nur die Angaben über Menge und Qualität eines Jahrgangs. „Wir zeigen auch die Phänologie“, sagte Lochmann, also die Eckdaten der Pflanzenentwicklung in jedem Jahr: den Austrieb der Reben, den Blühbeginn, den Reifebeginn und die Hauptlese.

Es gibt zusätzlich Informationen über Ereignisse des Jahres, die sich auf den Weinbau in Großbottwar ausgewirkt haben – 2022 zum Beispiel das Unwetter, das die Weinberge um den Wunnenstein verhagelt hat. Auch die Zeit der Coronapandemie, als die Weinfeste ausfallen mussten, ist mit aufgenommen. „Und wir zeigen auch Impressionen, Fotos, die über das ganze Jahr hinweg aufgenommen wurden“, erklärte Lochmann. So entsteht praktisch ein Archiv, ein abgerundetes und im wahren Wortsinn buntes Bild der Weinjahre in der Storchenstadt.

Das Jahr 2023 verzeichnet eine mäßige bis gute Qualität

Am Beispiel des Jahres 2023 zeigte Lochmann, wie so eine digitale Bilanz aussieht. Der Ertrag betrug 12 400 Hektoliter, die Qualität war mäßig bis gut. Das Auf und Ab beim Wetter mit einem warmen und nassen Spätsommer führte dazu, dass die Rotweine stark von Fäulnis betroffen waren. „Andererseits hatten wir 2023 kein Unwetter“, bemerkte Lochmann. Trotz der Abschaltung des Kernkraftwerkes Neckarwestheim – es gebe Winzer, die sagten, die Wolkenfahne des Atommeilers habe Unwetter von Großbottwar ferngehalten. Ausgetrieben haben die Reben 2023 Anfang Mai, und damit einen ganzen Monat später als im laufenden Jahr. „Der Austrieb ist gerade jetzt.“

Bürgermeister Ralf Zimmermann zog eine positive Bilanz. „Das schmeckt nach mehr.“ Er rief dazu auf, das Register auch zu nutzen. Die Gemeinde und die Winzer seien dankbar für Hinweise und Anregungen.

Für Interessenten: Der Link zum digitalen Weinregister ist über das Rathaus in Großbottwar zu erfahren.