Zeit als Rettungspilot Prinz William spricht über das, was ihn lange belastete

Von Theresa Schäfer 

Vor rund einem Jahr beendete Prinz William seinen Job als Rettungspilot. Jetzt bekannte er: Manche Erinnerungen an Situationen, die er bei seinen Einsätzen erlebt hatte, verfolgen ihn bis heute.

London - Es ist ein Thema, das Prinz William und seiner Frau, Herzogin Kate, sehr am Herzen liegt: psychische Erkrankungen. Seit Jahren engagiert sich das Paar – auch zusammen mit Williams Bruder Harry und dessen Frau Meghan – dafür, Menschen mit psychischen Erkrankungen zu helfen und das Stigma, unter dem sie häufig leiden, zu überwinden.

Bei einem seiner offiziellen Termine zu dem Thema am Dienstag bekannte Prinz William jetzt aber, wie sehr ihn selbst die traumatischen Erlebnisse bei seiner Arbeit als Rettungspilot belasteten. „Ich habe viel davon mit nach Hause getragen, ohne es richtig zu merken“, sagte der 36-Jährige in Bristol bei der Vorstellung einer Website, auf der sich Arbeitnehmer mit psychischen Problemen Hilfe holen können.

„Man hat so häufig mit Unglück und Trauer und Verletzungen zu tun“

Die Erfahrung als Pilot der „East Anglian Air Ambulance“, bei der Prinz William bis 2017 im Dienst war, habe ihre Spuren hinterlassen, sagte der Vater von drei Kindern: „Man hat so häufig mit Unglück und Trauer und Verletzungen zu tun. Die Zermürbung nimmt zu und man hat praktisch keine Möglichkeit, das wieder loszulassen.“

William sprach von den psychischen Belastungen, denen vor allem Notärzte, Feuerwehrleute, Polizisten oder Rettungssanitäter in ihrem Alltag fast täglich ausgesetzt sind: „Man muss es ausblenden, um den Job machen zu können - aber letztendlich durchbricht etwas die Rüstung.“ Darüber mit Kollegen zu sprechen sei aber für viele immer noch ein großes Tabu.

Teilnehmer der Tagung lobten William später für die Offenheit, mit der er die Probleme angesprochen hat. Eine Rettungssanitäterin, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung litt, sagte: „Zu hören, wie er seine eigenen Probleme eingestand, zeigt, wie wichtig und richtig es ist, über diese Dinge zu sprechen.“

Als Prinz William den Posten 2017 aufgab, um verstärkt seinen Aufgaben als künftiger König nachzugehen, schrieb er in einem offenen Brief an seine Kollegen, die Erfahrungen als Rettungspilot hätten ihn darin bestärkt, sich dem Thema psychische Gesundheit zu widmen.

Auch Harry sprach über psychische Probleme nach Dianas Tod

Schon vor William sprach bereits 2017 sein Bruder Harry offen über die psychischen Probleme, die der Tod seiner Mutter Diana ausgelöst hatte. Mehrmals sei er dem „völligen Zusammenbruch nahe“ gewesen, sagte er damals in einem Interview.

William, Harry, Kate und Meghan setzen sich mit ihrem Programm „Heads Together“ dafür ein, psychische Erkrankungen zu enttabuisieren und dem Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.

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