Erster Entwurf: So könnte das neue einheitliche T-Shirt aussehen. Foto: Stadt Kornwestheim

Vom Wert der Arbeit im sozialen Bereich oder in der Pflege ist seit dem Corona-Lockdown häufig die Rede. Die Stadt Kornwestheim will ihren Erziehern nun mit blauen Outfits Wertschätzung entgegenbringen. Andernorts ist die Einheitsmontur kein Thema.

Kornwestheim - Durch den Matsch waten, in Regenpfützen springen. Aus bunten Kartonagen Figuren schneiden und mit Flüssigkleber aneinander kleben. Im Kindergarten kann nicht nur die Kleidung von Kindern schmutzig werden, sondern auch die der pädagogischen Fachkräfte. Deshalb haben sich die städtischen Erzieher in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) dafür eingesetzt, dass sie Dienstkleidung gestellt bekommen – mit Erfolg: Die Stadträte haben einstimmig für die Anschaffung solcher Kleidung gestimmt, von Herbst an soll sie im Einsatz sein.

Laut Oberbürgermeisterin Ursula Keck (parteilos) ist das Tragen der neuen Outfits aber nicht obligatorisch; die Erzieherinnen und Erzieher dürfen selbst entscheiden, ob und wann sie diese tragen. Allerdings habe mehr als die Hälfte der städtischen Mitarbeiter Interesse an einer solchen Kleidung angemeldet. Die Verwaltung steht hinter der Idee. Sie will den Mitarbeitern damit Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit entgegenbringen.

Kleidung im Wert von 150 Euro für zwei Jahre

Die Verwaltung will wetterfeste und warme Regenbekleidung, Hosen, Pullover, T-Shirts und Schuhe in verschiedenen Blautönen anschaffen. Die Auswahl treffen die pädagogischen Fachkräfte – je nachdem, was sie benötigen. Das Budget, über das die Erzieher verfügen dürfen, richtet sich nach dem Beschäftigungsumfang. Demnach sollen Erzieher Kleidung im Wert von maximal 150 Euro alle zwei Jahre abrufen können, wenn sie eine 50- bis 100-Prozent-Stelle haben. Für Teilzeitkräfte und befristet eingestellte Mitarbeiter sind niedrigere Obergrenzen angedacht. Die neuen Regeln gelten auch für Betreuungskräfte von Schulkindern.

Bei den Kindertagesstätten berücksichtigt die Stadt 245 Fachkräfte, bei der Schulkindbetreuung 55 Personen. Die Verwaltung rechnet mit Kosten in Höhe von 38 000 Euro im laufenden Jahr. Für 2021 kalkuliert man mit 19 000 Euro. Keck zufolge kann das Budget auch auf andere Jahre übertragen werden, falls es nicht genutzt wird.

Kornwestheim will die Dienstkleidung zentral einkaufen und mit dem neuen Logo der Stadt versehen, über das der Gemeinderat Mitte Juli dieses Jahres entschieden hat. Was Art und Farbe der Kleidung angeht, durften auch die pädagogischen Fachkräfte ein Wörtchen mitreden. Mittlerweile gibt es erste Entwürfe.

Keine Dienstkleidung in anderen Städten

Auch die Stadt Ditzingen hielt Dienstkleidung für Erzieher einst für eine gute Idee. „Wir haben im Krippenbereich verschiedene Shirts zur Verfügung gestellt, da in diesem Bereich (sehr kleine Kinder) das Thema Verschmutzungen am größten ist“, teilt Sprecherin Martina Bährle mit. Anfangs sei die Resonanz auf das Angebot hoch gewesen, habe dann allerdings deutlich nachgelassen – sodass man von der Anschaffung weiterer Dienstkleidung vorläufig abgesehen habe. In Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen ist Dienstkleidung für Erzieher kein Thema. Der Bietigheimer Stadtsprecherin Anette Hochmuth zufolge sind bisher keine Wünsche dieser Art geäußert worden – weder von der Verwaltung noch vom pädagogischen Personal. Hochmuth: „Daher ist auch nichts in dieser Hinsicht geplant. Wir halten dies nicht für nötig.“

Mario Steigleder, Sprecher von Vaihingen an der Enz, betont, die Stadt lege Wert auf die individuelle Selbstbestimmung der Mitarbeiter, ohne hier eine Corporate Identity vorgeben zu wollen.

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