Sieben Tonnen Hilfsmaterial wurden nach Beira gebracht, darunter auch Zeltplanen, Medizin und Wasseraufbereitungsanlagen. Oliver Krebs (links im Bild) war in Mosambik im Einsatz. Foto: privat

Der Zazenhäuser Oliver Krebs war mehrfach bei Hilfseinsätzen in Katastrophengebieten – diesmal in Mosambik, das von schweren Unwettern getroffen wurde.

Zazenhausen - Oliver Krebs hat wieder was mitgebracht. Diesmal aus Mosambik: „Tschakanaka!“ Das ist Ndau, das heimische Schwäbisch also, und heißt „Alles gut!“ Nichts war allerdings gut, als der Zazenhäuser kürzlich dorthin aufbrach. Wie schon nach Nepal oder Kenia, auf die Philippinen oder Sri Lanka. Jeweils zu Hilfseinsätzen nach Naturkatastrophen, alles ehrenamtlich organisiert von Navis, einem im bayerischen Moosburg beheimateten Verein. Den kennt Oliver Krebs von seinem Bruder Florian, den es beruflich nach München verschlagen hat. Dort ist er in der Feuerwehr aktiv, in der wiederum Navis seine Wurzeln hat. Somit hat alles seinen Ausgang im einschlägigen Engagement der hiesigen „Feuerwehrfamilie Krebs“, denn die beiden Floriansjünger sind Söhne von Hans Dieter Krebs, langjähriger Kommandant der Zazenhäuser Wehr.

Vor knapp acht Jahren hatte der 33-Jährige seinen ersten Einsatz. Bei einer Dürrekatastrophe in Kenia half er bei der Wasserversorgung. Nun war er zum ersten Mal auch als Leiter des ein Dutzend Mann starken Teams aus Technikern und Medizinern verantwortlich, zudem in Kooperation mit „Apotheker ohne Grenzen“. Er wusste natürlich, dass in die vom Wirbelsturm völlig verwüstete ländliche Gegend, in der sie vom hundert Kilometer entfernten Beira aus in einer siebenstündigen Fahrt per Pick-up gelangt waren, auch sieben Tonnen Material unterwegs waren. Allerdings mit Verzug: „Man muss improvisieren können“, sagt der Maschinenbauingenieur, „Schnur, Taschenmesser, Klebeband. Damit kann man fürs Erste schon einiges erreichen“.

Medizinische Erstversorgung

Dann aber ging es daran, auf einem Bolzplatz ein Feldhospital zu errichten und medizinische Erstversorgung zu leisten. Zentrale Aufgabe der Gruppe war dann, für sauberes Wasser zu sorgen. Dafür wurde mit zwei inzwischen beigebrachten Wiederaufbereitungsanlagen zunächst ein alter Brunnen reaktiviert, schließlich ein zweiter, vom Hochwasser verschmutzter, wieder benutzbar gemacht: „Denn ohne sauberes Wasser hilft auch die beste Medizin nicht“, weiß Krebs. Vor dem Feldhospital seien die Menschen Schlange gestanden: „Malaria, Grunderkrankungen, Cholera-Abwehr. Das waren die Hauptthemen.“

15 Tage war Oliver Krebs im Einsatz, hat dafür wieder einmal Überstunden eingesetzt und unbezahlten Urlaub, wobei er sich von seinem Arbeitgeber gut unterstützt fühlt: „Wenn das Bosch nicht hinkriegt, wer dann“, sei das Motto seines Abteilungsleiters. Warum aber macht er das? Und dann auch immer wieder? Zumal ihn das angesichts der Umstände einmal mehr „physisch an eine Grenze“ gebracht hatte. Die Frage kontert Krebs mit der Gegenfrage: „Warum soll ich es nicht machen? Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich mir das von meiner persönlichen Situation her leisten kann.“

Eigene Weltsicht verändert

Auch mit Spenden könne man helfen. „Direkt aktiv zu sein, vor Ort zu helfen, ist aber noch mal was anderes“, sagt Krebs, denn man sehe „die Hoffnung der Menschen, die man damit unterstützt. Ihre Dankbarkeit und Kraft, trotz Leid und Verwüstung nicht zu resignieren. Sie hatten eh wenig, und jetzt haben sie gar nichts mehr“, erzählt der Navis-Helfer und fügt hinzu: „Ich denke, vom Glauben her sind sie stärker als wir.“ Im Übrigen hätten seine Einsätze seinen eigenen Horizont erweitert und seine Weltsicht verändert: „Es hat mir die Augen dafür geöffnet, wie gut wir es haben und wie ungleich die Dinge verteilt, auch wie ungerecht die Verhältnisse insgesamt sind.“ Und nicht zuletzt: „Wie verschwenderisch wir im Umgang mit den Ressourcen sind! Darüber sollten wir mehr nachdenken.“ Was ihn besonders beeindruckt hat? „Wie sie mit einfachen Mitteln neue Häuser bauen. Ein durchflochtener Holzrahmen, der mit einem Sand-Lehm-Gemisch ausgefacht wird. Sie sitzen nicht da und warten, was passiert, sondern bauen wieder was auf!“ Dann stoppt er, überlegt und muss schon lachen, bevor er den Satz dann doch sagt: „Und das alles ohne Bosch-Werkzeuge!“ Naja, meint er, man dürfe „die Dinge nicht vermischen, nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“. Nachdenklich mache das aber schon. Für den Moment aber gelte: „Tschakanaka – alles gut!“

Infos zu Navis: www.navisev.de

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