Regelmäßige Kontrolle verbessert die Zahngesundheit messbar Foto: karelnoppe - Fotolia

Das Gesundheitsamt der Stadt muss ihre zahnmedizinischen Leistungen bei Kita- und Schulkindern einschränken. Der Kreis der Kinder, die untersucht werden sollten, ist stark gewachsen, die Zahl der Mitarbeiter im Amt gesunken. Mehrere Stadträte haben Bedenken, die Prophylaxe einzuschränken.

Stuttgart - Je früher Zähne gepflegt werden, desto besser für deren Erhalt bis ins Alter. Gemäß dieser medizinischen Maxime und per gesetzlichen Auftrags fördert die Stadt Stuttgart in Kooperation mit den Krankenkassen und der Zahnärzteschaft die Zahngesundheit der Stuttgarter Kinder in Kitas und Schulen. Noch vor zwei Jahren hatte das Gesundheitsamt dem Gemeinderat dargelegt, dass sich mit Hilfe dieses Programms die Zahngesundheit der Kinder kontinuierlich verbessert hat. Jetzt muss die Sozialverwaltung zurückrudern, wie sie im Sozialausschuss am Montag bekannt gab.

Einer der Gründe ist der Anstieg der Kindertagesstätten um 30 Prozent innerhalb der vergangenen 20 Jahre. Bisher sah das Zahngesundheitskonzept die flächendeckende zahnärztliche Untersuchung von Kindern ab Drei im Zwei-Jahres-Rhythmus vor. „Wir können mit den vorhandenen personellen Ressourcen nicht mehr alles abdecken“, sagte Dr. Stefan Ehehalt. Im Jahr 2013 sind deshalb nur noch in 38 Prozent, im Zwei-Jahres-Rhythmus in 70 Prozent der Kitas besucht worden.

Engpässe gibt es auch an den Schulen. Bisher wurden die Grundschulklassen 1 und 4, an Hauptschulen alle Klassen 6 sowie alle Internationalen Vorbereitungsklassen untersucht, Realschulen und Gymnasien nicht. Wegen des Flüchtlingszustroms mussten die Vorbereitungsklassen jedoch von 25 auf 72 aufgestockt werden. Außerdem wechseln mehr Grundschüler als bisher auf Realschulen und Gymnasien, darunter Schüler mit einem sehr hohen Kariesaufkommen, die bisher vermehrt an Haupt- und Werkrealschulen angetroffen wurden. Theoretisch müsste das Gesundheitsamt deshalb die Untersuchungen auch auf die anderen weiterführenden Schulen und damit auf 23 200 Schüler ausdehnen.

Das Sachgebiet Zahngesundheit ist im Laufe der vergangenen Sparrunden personell „nahezu halbiert“ worden, teilt die Verwaltung mit. Das Gesundheitsamt schlägt deshalb vor, die Untersuchungen für unter Zweijährige nur im Beisein der Eltern, die aller älteren Kita-Kinder „mindestens ein Mal“ im Laufe ihrer Kita-Zeit vorzunehmen. So genannte Patenzahnärzte sollen helfen, diese Aufgabe zu bewältigen. An den Grundschulen wird nur noch den Erstklässlern auf den Zahn gefühlt, die weiterführenden Schulen (außer Haupt- und Werkrealschulen) bleiben wie gehabt außen vor. Dadurch kommen 3000 Schüler weniger in den Genuss der Zahnprophylaxe.

Einzig die derzeit acht Schulen mit hohem Kariesrisiko bleiben im Fokus des Gesundheitsamts; dort werden die Klassen 1 bis 4 durchgängig untersucht und die Zähne der Erst- und Zweitklässler halbjährlich fluoridiert, um den Zahnschmelz zu härten.

Dass die Verwaltung diese Einschränkungen „Konzeptanpassung“ nennt, bezeichnet Stadträtin Maria Hackl (SPD) als „schöngeredet“. Sie und die Vertreterinnen und Vertreter von CDU, Grünen und SÖS-Linke-Plus sehen die Kürzungen in der Prophylaxe kritisch. Hackl stellt schließlich die Frage, die alle sich stellen: „Ist das ein Appell zur Stellenanpassung im Gesundheitsamt?“

Die Frage beantwortet Dr. Anke Hornstein schnell: „Wir sorgen uns um die Zahngesundheit der Kinder.“ Durch die zeitlich enge Begutachtungen sei deutlich zu erkennen gewesen, ob und wie die Zähne der Kinder gepflegt worden waren und ob niedergelassene Zahnärzte wie empfohlen konsultiert worden seien. Insbesondere Kinder der Risikogruppen hätten überdurchschnittlich von der Prophylaxe profitiert.

Wollte die Stadt ihr Vorsorgeprogramm beibehalten, müssten die verbliebenen 2,75 Stellen der Zahnärzte und die drei Stellen der Assistenten um jeweils eine halbe Stelle aufgestockt werden. Zum Stellenabbau war es 2003 gekommen, als bei der Haushaltskonsolidierung insbesondere das Gesundheitsamt sparen musste. Damals wurde unter anderem die Behandlung schwer behandelbarer Kinder eingestellt.

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