Farina de Waard hat schon Geschichten für weitere Romane im Kopf Foto: PPFotodesign.com

Eine junge Frau mit großer Fantasie. Die Stuttgarterin Farina de Waard hat im Selbstverlag ihren Fantasy-Debütroman „Zähmung – Das Vermächtnis der Wölfe“ veröffentlicht. Weitere sollen folgen.

„Ich will mein eigenes Ding machen“, sagt Farina de Waard. Wie zum Beweis hält die junge Frau ein Buch hoch. Es ist ihr Debüt­roman, über 700 Seiten dick. Sie hat ihn im Selbstverlag veröffentlicht. „Ich habe das nicht gemacht, weil ich keinen Verlag gefunden habe, sondern weil ich mir nicht die Freiheit nehmen lassen wollte, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.“

Zum Interview bringt die 23-Jährige nicht nur ein Exemplar ihres Romans „Zähmung – Das Vermächtnis der Wölfe“ mit, sondern auch ein dickes Notizbuch, aus dem unzählige, eng beschriebene Blätter fallen, als sie es aufschlägt. „Damit behalte ich den Überblick. Aber eigentlich lebt die ganze Geschichte sowieso in meinem Kopf. Manchmal fügen sich die einzelnen Puzzleteile so perfekt ineinander, dass ich mich frage, ob mein Unterbewusstsein einen Plan hat, von dem ich selbst noch nichts weiß.“

In ihrem Debütroman findet sich nur ein Bruchteil dieser Geschichte. Sechs Bände sollen es werden – wie der Titel erahnen lässt, schreibt Farina de Waard Fantasy. „Ich möchte keine Zwerge oder eine kitschige Liebesgeschichte einbauen, nur weil der Markt es mir diktiert“, sagt sie dazu. „In den meisten Büchern, die ich gelesen habe, verfolgt man immer nur die ‚gute‘ Seite, dabei ist das Böse doch viel spannender“, sagt sie. Nicht nur das möchte Farina de Waard mit ihrer Buchreihe anders machen. „Mir geht es darum zu zeigen, wie ganz normale Menschen sich in fremden Situationen zurechtfinden, wie man harte Zeiten durchlebt und sich selbst treu bleibt. Ich möchte, dass der Leser den Bezug zu meinen Figuren behält.“

Dabei legt sie besonderen Wert auf die ­Beweggründe ihrer Charaktere. „Mit einer epischen Schlacht am Ende, so viel kann ich schon mal verraten, ist es bei mir nicht getan. Ideologische Konflikte können auf ganz unterschiedliche Weise gelöst werden. Wenn man den gegnerischen Anführer tötet oder sich gegenseitig abschlachtet, sind die ­Fronten ja nicht einfach plötzlich verschwunden.“

Bei diesem Thema richtet sich Farina de Waard auf und streicht sich die schräg geschnittenen blonden Haare aus dem Gesicht. Ihre Augen leuchten. „Ich frage mich, wie es dazu kommt, dass jemand böse wird. In so vielen Geschichten werden essenzielle Stellen einfach übersprungen oder Rundherumerklärungen im ersten Kapitel serviert. Ich möchte dagegen Stück für Stück diesen Prozess nachverfolgen und ein möglichst konkretes Bild liefern.“ Mit einem Zwinkern fügt sie hinzu: „Vielleicht sind meine Bücher deswegen so lang.“

Seit der Veröffentlichung des ersten Bandes Ende 2013 arbeitet Farina de Waard für ein paar Monate in Vollzeit am zweiten Teil, der schon auf viele Hundert Seiten angewachsen ist. Während ihres Studiums der Umweltnaturwissenschaften hatte sie zum Schreiben nämlich nur zwei- bis dreimal in der Woche Zeit. „Zum Schreiben zwinge ich mich aber nicht“, sagt sie, „wenn es mal nicht klappt, stelle ich mich unter die Dusche, gehe spazieren oder höre mir auf You Tube stundenlang das Geräusch von Regen an. Das funktioniert immer.“

Jetzt, als Selbstverlegerin, hat sie nicht nur mit dem Schreiben alle Hände voll zu tun. „Sobald man veröffentlicht, ist man ja auch Vermarkter. Dazu gehört nicht nur, das Buch in den örtlichen Buchhandlungen vorzustellen, sondern auch Beziehungen mit Lesern und Buchbloggern zu pflegen und Lesungen zu halten.“ Dabei hat die Autorin nur Positives zu berichten: „Ich warte eigentlich immer noch auf negative Reaktionen, aber bisher habe ich nur Interesse und Offenheit erfahren.“

Sie bereue es keine Sekunde, ihr Buch selbst veröffentlicht zu haben. Auf die Frage nach der Finanzierung zuckt sie mit den Schultern. „Das Geld habe ich mir einfach nebenher dazuverdient.“ Mittlerweile schreibe sie allerdings schon schwarze Zahlen. Gerade wird die dritte Auflage über 300 Exemplare gedruckt. „Ich träume davon, mein Buch auf Englisch herauszubringen, dieser Markt ist einfach viel größer und toleranter. Wenn ich die Übersetzung rein aus meinen Buchverkäufen bezahlen könnte, wäre das natürlich spitze.“

Im Moment denkt Farina de Waard jedoch nicht daran, das Schreiben zu ihrem Hauptberuf zu machen. „Ich möchte mich noch für einen Master bewerben, der sich mit Umwelt beschäftigt. Das hat mich schon immer fasziniert. Wenn ich etwas leisten will in meinem Leben, dann ist das ein Beitrag zur Bewahrung unserer Umwelt.“

Deswegen sei die Paralleldimension ­Tyarul, in der große Teile ihrer Geschichte spielen, auch so naturverbunden. „Die ­Magie, die dort existiert, entspringt der ­Natur. Sie ist eigentlich eine Metapher dafür, was uns die Natur gegeben hat, aber auch ein Anstoß, uns auf uns selbst zu besinnen. ­Magie ist Einfühlungsvermögen, Intuition und Behutsamkeit – und schwarze Magie ist ihre Entfremdung, ihr Missbrauch.“ Farina de Waard zögert einen Moment, bevor sie sagt: „Ich glaube, dass unsere Welt mit dieser Magie eine bessere wäre.“

Wo würde sie also lieber leben, in unserer Welt oder in ihrer Geschichten-Dimension Tyarul? Diesmal zögert Farina de Waard keine Sekunde: „In Tyarul natürlich“, sagt sie, „wer braucht schon Handys, wenn man ­Gedanken lesen kann?“

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