Fabienne (vorne) und Pierre Schneider (sitzend) mit Vertrauten. Foto: Eva Herschmann

Beim 9. Yvan-Schneider-Gedächtnisturnier sind wieder Familie, Weggefährten und frühere Mannschaftskollegen aufeinandergetroffen. Seitdem der Stettener im August 2007 ermordet wurde, ist die Handballfamilie noch enger zusammengerückt.

Stetten - Es gibt Rituale, die bestehen irgendwann nur noch aus formalen Äußerlichkeiten, sind abgegriffen und sinnentleert. Das Yvan-Schneider-Gedächtnisturnier, das in diesem Jahr der TV Stetten ausgerichtet hat, ist mittlerweile auch ein Ritual, aber eines, das immer noch tiefere Bedeutung hat, das Einheit stiftet und Gruppenzugehörigkeit demonstriert. Nicht nur bei der neunten Auflage am Dreikönigstag nehmen ehemalige Mannschaftskollegen und Weggefährten von Yvan Schneider seine Eltern und Fotos des Spielers mit der Nummer 10 in ihre Mitte. Es ist ein Bild mit Symbolgehalt. Seitdem der Stettener Handballer und Jugendtrainer im August 2007 im Alter von gerade 19 Jahren brutal ermordet wurde, ist die Handballfamilie noch enger zusammengerückt.

Nach den Mannschaften – der TV Stetten ist mit einem ersten und zweiten Verbund vertreten, ebenso der SV Fellbach, außerdem die Eichenkreuzauswahl des CVJM sowie der CVJM Untertürkheim – sind Fabienne und Pierre Schneider unter den Ersten, die sich an diesem Mittwochmorgen in der Karl-Mauch-Halle in Stetten eingefunden haben. Camille, Yvan Schneiders Schwester, ist diesmal nicht dabei. „Sie studiert in Freiburg und konnte nicht kommen“, sagt Fabienne Schneider. Auch der jüngste Spross der Schneider-Familie, Pierre-Emanuel, fehlt. „Er kommt nie zu so etwas mit, er schützt sich auf diese Weise, und wir akzeptieren das.“

Die Eltern planen das Turnier immer fest ein

Für Fabienne und Pierre Schneider ist das Gedächtnisturnier zum Jahresanfang indes immer fest eingeplant. Erst am Tag zuvor sind sie aus dem Elsass, ihrer Heimat, zurückgekommen. Jetzt genießen sie schwäbische Maultaschen mit Kartoffelsalat und das Zusammensein mit Freunden und Vertrauten. Dazu zählt auch Clemens Koch, der nach dem Mord an Yvan Schneider die Initiative „Gewalt hilft niemals weiter“ mitgegründet hat. Er hat vor drei Jahren zum letzten Mal beim Turnier mitgespielt, aber sein Engagement ist nach wie vor groß. „Wir gedenken hier nicht dem Mord, der Tat, sondern Yvan, der ein so lebensfroher, liebenswürdiger, lustiger und hilfsbereiter Mensch war. Und wir wollen zeigen, dass wir immer für seine Familie da sind.“ Clemens Koch sagt in seiner kurzen Ansprache, während der es mucksmäuschenstill in der Halle ist, dass er hofft, die positive Energie, die seinen toten Freund auszeichnete, und die auch das Gedächtnisturnier trägt, werde aus der Halle hinausströmen. „Denn diese Haltung, dieser Ansatz ist gerade jetzt in unserer Gesellschaft und bei den vielen Dingen, die passieren, ganz wichtig.“ Pierre Schneider gefällt sehr, was er hört: „Das hat Clemens schön gesagt.“

Während sich die sechs Handballteams auf dem Feld in der Stettener Karl-Mauch-Halle spannende, aber nicht verbissene Partien liefern, ist abseits des Feldes fast noch mehr los. Die Tribünen und Tische sind voll. Auch Markus Fuchs vom CVJM Fellbach ist da. Er hat zwar die Gesamtleitung der Handballsparte im Sommer 2015 abgegeben, aber beim Gedächtnisturnier, das im kommenden Jahr wieder in Fellbach ausgetragen wird, wird er sich weiter einbringen. „Die Zeit nehme ich mir auf alle Fälle.“

Das Schicksal von Yvan Schneider berührt

Aber nicht nur diejenigen, für die Yvan Schneider ein guter Freund war, haben sich zum Yvan-Schneider-Gedächtnisturnier zusammengefunden. Es sind wie immer auch viele gekommen, die vom Schicksal des jungen Mannes, der Opfer von sinnloser Gewalt wurde, tief berührt sind. Torsten Flügel ist einer davon. Im Vorjahr hat er noch beim CVJM Fellbach mitgespielt und davor auch einige Zeit beim TV Stetten Bälle geworfen, doch jetzt hat er entschieden, dass er, mit 40 Jahren, die Altersgrenze für den aktiven Sport erreicht hat, nicht aber für den persönlichen Einsatz. „Ich kannte Yvan zwar nicht so gut wie viele andere, aber ich fühle mich mit ihm verbunden. Für mich ist das Turnier eine freiwillige Pflichtveranstaltung. Da müsste schon viel passieren, dass ich nicht dabei bin.“

Fabienne Schneider gefällt das. „Wir kennen noch viele, die hier sind, aber, wenn wir einmal niemanden mehr kennen, ist es auch in Ordnung. Denn es geht weiter.“

Dass im Endklassement die Eichenkreuz-Auswahl vor dem CVJM Untertürkheim die Turnierrangliste anführt, weil sie am meisten Siege eingeheimst hat, ist für alle Beteiligten nur eine Randnotiz. „Dabei sein ist alles“, sagt Harald Faulhaber, der Abteilungsleiter der Stettener Handballer.

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