Wüstenrot Bank W&W prüft Verkauf der Banktochter

Von Sabine Marquard 

Der Finanzkonzern W&W lotet Zukunftsoptionen für seine Banktochter aus. Foto: dpa
Der Finanzkonzern W&W lotet Zukunftsoptionen für seine Banktochter aus. Foto: dpa

Der Bauspar- und Versicherungskonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) prüft den Verkauf der Wüstenrot Bank. Die 100prozentige Tochter hat einen Großteil ihres Geschäfts an die Bausparkasse abgegeben.

Stuttgart - Der Bauspar- und Versicherungskonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) prüft den Verkauf der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank. „Wir untersuchen Zukunftsoptionen für das Institut“, sagte Konzernchef Jürgen Junker gestern auf der W&W-Hauptversammlung . Diese reichten von einer weiteren Fokussierung des Bank-Geschäfts über Kooperationen bis hin zu einem Verkauf. Ziel sei, der Wüstenrot Bank „größere Wachstumschancen“ zu ermöglichen.

Die Entscheidung ist demnach am Abend zuvor bei einer Sitzung des W&W-Aufsichtsrats gefallen. Junker sagte, die „ergebnisoffene Analyse“ hänge wesentlich zusammen mit der in diesem Jahr vorgenommenen Verlagerung des Baufinanzierungsgeschäfts auf die Wüstenrot Bausparkasse, die jetzt auch Pfandbriefe vergebe. Auch die Spar- und Anlageprodukte seien von der Bank auf die Bausparkasse übertragen worden. Beide Schritte ermöglichen der Bausparkasse, sich günstiger zu refinanzieren und eröffnen Wachstumsspielräume. Bei der Bank verbleiben demzufolge nur noch das Online-Angebot von Girokonten, das Kartengeschäft und der Vertrieb von Investmentfonds.

Die Bausparkasse Wüstenrot ist nicht betroffen

Die Bausparkasse Wüstenrot, betont der W&W-Konzern, bleibe von einer möglichen Transaktion unberührt. Die Wüstenrot Bank hat heute noch 150 Arbeitsplätze, zu früheren Zeiten hat die Bank 400 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bilanzsumme wurde von einst mehr als zehn Milliarden Euro auf 1,6 Milliarden Euro zurückgeführt.

Auf der W&W-Hauptversammlung sagte Junker erneut: „Wir müssen auch überlegen, was wir von unserem bisherigen Geschäft künftig weiter selbst machen und was wir vielleicht gar nicht mehr selber anbieten wollen.“ Vor diesem Hintergrund sind auch die Überlegungen zur Wüstenrot Bank einzuordnen.

Möglicherweise zeigt die Wiener Großbank Bawag Interesse für die Wüstenrot Bank. Erst vor gut einer Woche hat die Bawag überraschend den Kauf der Südwestbank in Stuttgart angekündigt. Dabei betonte Bawag-Chef Anas Abuzaakouk, dass weitere Möglichkeiten für Zukäufe in Deutschland ausgelotet würden. „Wenn der Kauf abgeschlossen wird, wird dies unsere Plattform, um in Deutschland organisch und mit Zukäufen zu wachsen“, sagte der Bawag-Chef gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Mit ihren 350 000 Kunden könnte sich die Wüstenrot Bank durchaus als Ergänzung zu den 100 000 Kunden der Südwestbank eignen. Die Bawag gehört seit Ende 2006 dem US-amerikanischen Finanzinvestor Cerberus, der 52 Prozent der Anteile hält.

Ausländische Käufer interessieren sich für den deutschen Markt

Die deutsche Bankenlandschaft gerät zusehends in Bewegung. Der intensive Wettbewerb, steigende Kosten für die Regulierung und schmelzende Erträge durch die anhaltende Niedrigzinsphase setzen die Institute immer stärker unter Druck. Innerhalb der Gruppe der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Gruppe der Sparkassen gewinnt das Fusionskarussell an Fahrt. Auch innerhalb der Gruppe der privaten Banken stehen Geldhäuser zum Verkauf. Der Zeitpunkt ist günstig. Viele ausländischen Käufer drängen auf den deutschen Markt. Eine Banklizenz zu erwerben ist teuer und kostet Zeit. Durch die Übernahme eines deutschen ­Kreditinstituts ist der Einstieg schneller möglich.

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