David Verstege, Folkmar Schiek und Dorothea Benz (v.l.l) sind für das Palliativ-Netz vor Ort in Vaihingen. Foto:  

Mit verschiedenen Veranstaltungen möchte das Palliativ-Netz den Tod enttabuisieren. Hierzu wird beispielsweise ein Workshop über die Herstellung von Totenbrettern angeboten.

Vaihingen - Totenbretter sind Holzbretter, auf denen Tote bis zum Begräbnis aufgebahrt und die zur Erinnerung an die verstorbene Person früher am Wegrand aufgestellt wurden. Ein Workshop für Jugendliche, bei welchem diese lernen, wie sie solche Totenbretter gestalten, klingt zunächst etwas absurd.

Vor allem Jugendliche sehr offen für das Thema Tod

David Verstege und Folkmar Schiek von der Stadtteilgruppe Vaihingen des Palliativ-Netzes finden dies jedoch gar nicht. „Gerade bei Jugendlichen ist das Thema Tod sehr wenig präsent“, sagt Bildhauer und Steinmetzmeister Verstege. Und Schiek ergänzt: „Allerdings sind vor allem die Jugendlichen sehr offen dafür.“ Das sei seine Erfahrung damit. Mit der offenen Atelierwerkstatt am Dienstag, 15. Oktober, will David Verstege junge Erwachsene bei der Auseinandersetzung mit dem Thema an der Hand nehmen. Von 14 bis 18 Uhr bietet er den Workshop in seiner Bildhauerwerkstatt im Unteren Grund 31 an.

Im Rahmen der Kulturwoche, welche das Stuttgarter Palliativ-Netz in diesem Jahr zum ersten Mal vom 11. bis 18. Oktober in der Landeshauptstadt organisiert, beteiligt sich die Stadtteilgruppe Vaihingen mit mehreren Veranstaltungen. Die Mitglieder sind Laien und Fachleute zugleich. Folkmar Schiek ist Bestatter und Trauerbegleiter. Gleichzeitig interessiert er sich für Historisches im Zusammenhang mit dem Tod. „Ich recherchiere gern, woher bestimmte Traditionen kommen“, erzählt Schiek. Er bietet deshalb am Donnerstag, 17. Oktober, um 11 und um 15 Uhr Führungen über den Alten Vaihinger Friedhof an. „Vom Raumfahrer bis zum Unternehmer liegt dort alles begraben“, sagt Schiek. Sein ganzes Wissen über den Friedhof trägt er übrigens für ein Buch zusammen.

Filmabend am Donnerstag, 17. Oktober als Höhepunkt

Außer einem Büchertisch in der Stadtteilbücherei, wo sich Interessierte Informationsmaterial über Tod und Trauer besorgen können, hat die Gruppe noch einen Höhepunkt im Programm. Am Donnerstag, 17. Oktober, veranstalten die Vaihinger um 18.30 Uhr einen Filmabend. Sie wollen „Nokan – Die Kunst des Ausklangs“ zeigen und im Anschluss gemeinsam diskutieren. Der Abend findet in den Räumen der Gerontopsychiatrischen Beratung (Gerbera) der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (Eva) in der Robert-Koch-Straße 9 statt.

Mit der Kulturwoche wollen die Ehrenamtlichen ihre Arbeit bekannter machen. „Der Tod kommt ja meistens plötzlich“, sagt Dorothea Benz. Die Fotografin engagiert sich ebenfalls in der Vaihinger Gruppe. Sie entwirft individuelle Trauerkarten mit Fotografien aus der Region. „Im Prinzip wollen wir Trauernde dabei unterstützen, dass für sie auch im Nachhinein alles in Ordnung ist“, sagt Benz.

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