Gute Nachbarschaft ist kein Selbstläufer. Wie sie entsteht, wächst und wie man sie pflegt, darüber haben die Teilnehmer des Workshops gesprochen, zu dem die Projektgruppe Olgäle 2012 eingeladen hat. Foto: Maira Schmidt

Mit dem Thema Nachbarschaft haben sich die zukünftigen Bewohner des Olgäle-Areals auseinandergesetzt. Nach einigen Verzögerungen rechnet man mit einer Fertigstellung im Sommer 2018.

S-West - Um sich in einem Wohnquartier wohlzufühlen, bedarf es weit mehr als einer schicken Bleibe. Eine nette Nachbarschaft ist mindestens genauso wichtig. Die zukünftigen Bewohner des Olgäle-Areals, das nach dem Wegzug des Kinderkrankenhauses ein Wohnviertel werden soll, wissen das. Unter dem Motto „Auf gute Nachbarschaft“ hat die Projektgruppe Olgäle 2012 deshalb jüngst ins Bürgerzentrum West eingeladen.

Mit Fertigstellung im Sommer 2018 wird gerechnet

Mehr als 75 Bürger waren der Einladung gefolgt. Für die Veranstalter Rüdiger Arendt, Gerhard Ebertshäuser und Theresa Rütten von der Projektgruppe ein gutes Ergebnis. Schließlich sei es nicht leicht, das Interesse an dem Projekt aufrecht zu erhalten. Als beim Bürgerforum im Mai 2013 der Bebauungsplan vorgestellt wurde, seien noch 200 Leute gekommen. Im September sollte laut Arendt dann die Ausschreibung erfolgen. Aber: „Es geht nicht voran.“ Inzwischen rechne man mit einer Fertigstellung im Sommer 2018. Das sei vor allem für die jungen Familien ein Problem. Als die Projektplanung 2007 begann, waren ihre Kinder noch klein. 2018 werden sie schon fast erwachsen sein.

Von diesen nicht allzu rosigen Aussichten haben sich die Bürger aber nicht bremsen lassen. Mehr als sechs Stunden feilten sie an ihrer Idee von einer guten Nachbarschaft. Diese soll keinesfalls an den Grenzen des Olgäle-Areals enden. Man habe die Einladungen für den Workshop bewusst auch in den angrenzenden Wohnvierteln verteilt, sagte Gerhard Ebertshäuser. Rüdiger Arendt schätzte, dass etwa ein Drittel der Workshop-Teilnehmer in den umliegenden Quartieren wohnen.

Bedürfnisse variieren stark

Zunächst wurde das Thema Nachbarschaft in verschiedenen Fachvorträgen erörtert. Experten, darunter auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung, beschäftigten sich zum Beispiel mit der Frage, wie eine soziale Durchmischung des Quartiers gelingen kann. Im Anschluss kamen die Betroffenen selbst zu Wort. Hierbei wurde deutlich, dass die Bedürfnisse je nach Alter und Lebensphase stark variieren. Während sich die Rentnerin vielleicht besonders auf die neuen Bekanntschaften freut, geht es dem berufstätigen Pendler eher darum, dass jemand seine Päckchen annimmt.

Damit aus diesen unterschiedlichen Bedürfnissen keine schwerwiegenden Konflikte entstehen, regten die Teilnehmer an, dass auf dem Areal eine Streitschlichtung oder eine ähnliche Einrichtung angesiedelt wird. Wie die Bewohner der umliegenden Viertel auf das Projekt blicken, verriet eine Bürgerin, die in der Nachbarschaft wohnt: „Mir graust es vor dem Baulärm“, sagte sie. Gleichzeitig freue sie sich auf eine „angenehme Perspektive“. Während sie von ihrer Wohnung im fünften Stock derzeit auf das Olgäle schaut, hofft sie in Zukunft auf ein Areal mit Grünflächen zu gucken.

„Eine gute Nachbarschaft muss wachsen“

Einigkeit herrscht sowohl innerhalb als auch außerhalb des Areals über die Größe des geplanten Nachbarschaftszentrums. Die dafür vorgesehenen 100 Quadratmeter seien auf jeden Fall zu klein, befanden die Workshop-Teilnehmer. Das Zentrum müsse mindestens doppelt so groß werden. Zumal sich alle Betroffenen wünschen, dass diese Einrichtung auch für die Bewohner der angrenzenden Quartiere geöffnet ist.

Ganz pragmatisch schlugen sie deshalb vor, dass man möglicherweise auf die Gemeinschaftsräume in den Häusern der Baugenossenschaft zu Gunsten des Nachbarschaftszentrums verzichten könne. Das Zentrum soll aber nicht der einzige Ort sein, an dem die Bewohner ins Gespräch kommen können. Es soll Freiflächen für Kinder geben und Bänke, um ein Schwätzchen zu halten. Denn, wie es eine Teilnehmerin formulierte: „Wir können nicht alles vorplanen. Eine gute Nachbarschaft muss wachsen.“

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