Es ist längst dunkel, doch der Abrissbagger gibt noch keine Ruhe. Foto: Horst Rudel

Die Abrissarbeiten an der Wolfgang-Brumme-Allee in der Böblinger Innenstadt schreiten voran. Auch die mittlere Fußgängerbrücke ist nun abgerissen worden.

Böblingen - Die erste Fußgängerbrücke an der Wolfgang-Brumme-Allee in der Böblinger Innenstadt zwischen Kreissparkasse und Kaufzentrum ist bereits Geschichte, die zweite ist im Begriff zu verschwinden. Zunächst hatten sich die Bauarbeiter an dem Überweg am Listplatz zu schaffen gemacht. „Die Brücke war massiver, als wir angenommen hatten“, erzählt der Bauleiter Fabian Bartosz von dem Unternehmen Viktorbau. Die Böblinger Firma hat den Abriss übernommen – eine Tochterfirma der Hermann-Gruppe, die im V-8-Hotel auf dem Flugfeld ihren Sitz hat.

Um den Lärm möglichst gering zu halten, hatte Bartosz mit Betonschere und Pulverisierer vorgehen wollen: „Wir mussten dann aber doch den Hydraulikhammer nehmen, um im Zeitplan zu bleiben.“ Um diesen einzuhalten, kamen er und seine Mitarbeiter nicht um Nachtschichten am Wochenende herum. Sehr zum Leidwesen mancher Anwohner, die die Polizei wegen der Lärmbelästigung gerufen hatten. „Wir konnten aber unsere Genehmigungen vorlegen und weiter arbeiten“, sagt der Bauleiter.

Von Freitagabend bis in die frühen Sonntagmorgenstunden hatten die Abrissarbeiten für die erste Brücke gedauert – doch damit ist das Schlimmste geschafft. „Die beiden anderen Brücken werden einfacher“, sagt Bartosz zuversichtlich. Ein wichtiges Ziel war, dass die Kreissparkassenmitarbeiter ihr Parkhaus am Montagmorgen wieder benutzen konnten. Die Zugänge zur Shell-Tankstelle müssen die Bauarbeiter während ihrer Arbeiten ebenfalls frei halten: „Es wäre deutlich schneller gegangen, wenn wir die drei Brücken auf einmal hätten abreißen können, doch dann hätten wir die Straße komplett sperren müssen“, erklärt Bartosz.

Der Schutz des Straßenbelags ist aufwendig

So müssen die Abschnitte unter den Brücken zum Schutz des Straßenbelags jedes Mal mühsam mit Panzerstahlplatten ausgelegt werden, auf denen dann Schotter und Sand verteilt werden. Die Schutzplatten und der Schutt werden anschließend wieder entfernt – und am nächsten Abschnitt unter der Brücke ausgelegt. Der Schutt besteht aus Recyclingmaterial, das vom Flugfeld auf Kipplastern herangekarrt wurde. Der Schutz der Straße vor den herunterfallenden Gesteinsbrocken gestaltet sich laut dem Experten fast zeitaufwendiger als der Abriss selbst.

Und der Zeitplan ist eng: Bis spätestens Donnerstag darf von der mittleren Brücke nichts mehr zu sehen sein. Am Montagmorgen wird dann auch die dritte und letzte Fußgängerbrücke Geschichte sein. Denn dann soll der Verkehr auf der Wolfgang-Brumme-Allee wieder fließen.

Geschichte der Brücken

Die Fußgängerbrücken an der Wolfgang-Brumme-Allee in Böblingen wurden vor rund 50 Jahren gebaut. Für den Abriss der Bauwerke werden zwei Gründe genannt: Zum einen sind sie marode, zum anderen werden sie kaum noch genutzt. Vor mehr als zehn Jahren begann die Umgestaltung der Wolfgang-Brumme-Allee zu einer „innen­stadtverträglichen Straße“. Das Ziel ist es, die Unterstadt wieder durchlässiger zu machen. Der Kreisel am Listplatz wurde im Jahr 2008 angelegt, der Kreisverkehr bei der Talstraße drei Jahre später. Für Fußgänger ist die Allee seither problemlos auch ebenerdig überquerbar. Bei einer Zählung der Stadt Böblingen kam heraus: 75 Prozent der Personen gehen direkt über die Fahrbahnen. Deshalb waren die Fußgängerbrücken obsolet geworden.

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