Ein Einbrecher am Werk: Jetzt hat die Polizei aber eine Bande ausgehebelt. Foto: imago/Mito/Mito images

Drei Frauen und ein Mann sollen mindestens 22 Wohnungen allein in Stuttgart heimgesucht haben. Ihre Festnahme ist ein Erfolg der Kriminaltechnik.

Stuttgart - Eine Mutter, ihr Sohn, dessen Freundin und eine 17-jährige Jugendliche: Wer wird denn da gleich eine professionelle, überregional agierende Einbrecherbande vermuten? Die Stuttgarter Kripo hat aber genau eine solche Gruppierung auffliegen lassen, die für mindestens 22 Wohnungseinbrüche allein in Stuttgart verantwortlich sein soll. Die Beute dabei soll 66 000 Euro wert gewesen sein.

 

Die Einbrüche erfolgten im Tagestakt. Zwei Wohnungen im Stuttgarter Süden – rein ins Haus, Wohnungstüren aufgehebelt, die Räume durchwühlt. Die nächsten Tatorte, quer durch die Stadt: Weilimdorf, Feuerbach, Vaihingen, Bad Cannstatt, Stuttgart-Ost. Irgendwie schleichen sich die Täter unbemerkt in die Mehrfamilienhäuser und nehmen dann die Wohnungen ins Visier. Die Kripo hat meist keine Zeugenhinweise.

Verräterische Werkzeugspuren

Doch die Serie, die Mitte September in Stuttgart losbricht, bleibt nicht ganz ohne Ermittlungsansätze. „Über die Werkzeugspuren beispielsweise konnte man feststellen, dass es da Zusammenhänge geben musste“, sagt die Polizeisprecherin Ilona Bonn. Und auch sonst konnten die Beamten gewisse Handschriften der Täter sichern.

So kann es dann auch passieren, dass die Festnahme eines Einbrechers nicht sogleich vermeldet wird – obwohl er scheinbar ein Routinefall ist. In Esslingen war’s, als am 2. Oktober ein Anwohner in der Siemensstraße zwei Frauen bei einem Einbruchsversuch ertappte. Die Ältere konnte flüchten, eine 17-Jährige konnte er bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Die Jugendliche landete am nächsten Tag beim Haftrichter und dann in U-Haft. Und da musste schon Schwerwiegendes vorgelegen haben.

Esslinger Fall macht Stuttgart hellhörig

„Bei der Verdächtigen bestand Fluchtgefahr“, sagt die Staatsanwaltssprecherin Claudia Krauth. Die Jugendliche war aus dem Raum Köln angereist und offenbar sehr mobil, hatte typisches Einbruchswerkzeug dabei. Auch sonst wurden die Einbruchspezialisten der Stuttgarter Kripo hellhörig, als sie von dem Fang in Esslingen hörten.

Die 17-Jährige konnte mit den bis dato von der Kriminaltechnik gesammelten Handschriften durchaus in Verbindung gebracht werden. Und damit begann die Suche nach ihren Mittätern, die sicher wussten, dass man die junge Frau erwischt hatte. Wenige Tage vor ihrer Festnahme war die Gruppe in Weilimdorf, Vaihingen, Feuerbach, Bad Cannstatt und Uhlbach unterwegs.

Westlich von Köln klicken die Handschellen

Die Spur führte am vergangenen Freitag in den Westen Kölns, in den Rhein-Erft-Kreis zu einer Familie: zu einer 48-jährigen Frau, deren 29-jährigen Sohn und dessen 20-jährige Freundin. Offenbar Bekannte der 17-Jährigen in U-Haft. Ob sie womöglich einem Clan zugehörig sind oder wie sie sonst in Verbindung stehen, das ist noch weitgehend ungeklärt. Fest steht, dass bei Wohnungsdurchsuchungen reichlich Beweismittel sichergestellt wurden. Auch die Polizeipräsidien Reutlingen und Heilbronn suchen nun nach passenden Fällen.