Baukindergeld und andere Förderprogramme werden nach Einschätzung von Experten die Baukosten weiter in die Höhe treiben. Foto: dpa-Zentralbild

Einheitslösungen wie das Baukindergeld sind der falsche Weg, um den Wohnungsbau anzukurbeln, kommentiert Barbara Schäder.

Frankfurt - Zwischen den Jahren haben Kölner Wissenschaftler eine überraschende Weihnachtsbotschaft veröffentlicht: Die Mehrheit der Arbeitnehmer konnte sich 2017 dank gestiegener Einkommen eine größere Mietwohnung leisten als noch 2013. Das mag im bundesweiten Durchschnitt stimmen – ist aber kein Trost für die Menschen im Großraum Stuttgart, wo die Mieten auch nach der Kölner Studie schneller steigen als die Einkommen. Für die Kaufpreise gilt dies erst recht, und das auch in weiten Teilen Deutschlands.

Gleichwohl sind die regionalen Unterschiede enorm, selbst wenn man das Einkommensgefälle zwischen Stadt und Land, Süd- und Norddeutschland berücksichtigt. Das Problem liegt auf der Hand: In den wirtschaftsstarken Metropolen und attraktiven Universitätsstädten übersteigt die Nachfrage nach Wohnraum das Angebot.

Kein Allheilmittel für mehr Wohnraum

Sowohl das Baukindergeld als auch die neu geschaffenen Abschreibungsmöglichkeiten für Wohnungsbauprojekte befördern aber vor allem den Kauf und die Errichtung von Häusern an günstigeren Standorten. Also nicht dort, wo sie am dringendsten benötigt werden. Überdies könnten die Förderprogramme den Preisauftrieb bei den Baukosten verschärfen.

Wenn Stuttgart und andere Städte für Menschen aus verschiedenen Einkommensschichten, für Familien und Rentner gleichermaßen lebenswert bleiben sollen, muss mehr Wohnraum her. Ein Allheilmittel dafür gibt es nicht, nötig ist ein ganzes Bündel von Instrumenten: Verdichten durch die Schließung von Baulücken oder Aufstockung von Supermärkten. Die Ausweisung neuer Baugebiete an Stadträndern oder in Umlandgemeinden.

Teil dieser Bauprojekte sollten auch Sozialwohnungen sein. Eine Erhöhung des Wohngelds ist ebenfalls wichtig, schafft aber auf die Schnelle keinen neuen Platz – und gegenüber zahlungskräftigeren Interessenten werden Wohngeldbezieher auf dem freien Markt immer das Nachsehen haben. Dass in Sozialwohnungen gelegentlich auch Menschen leben, die längst aus dem Gröbsten raus sind, ist richtig. Aber auch das trägt zur sozialen Mischung bei – und die sollte uns einiges wert sein.

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