Das ehemalige Areal der Firma Kreeb könnte einen Impuls für den Wohnungsbau in der Göppinger Nordstadt bieten. Im Gestaltungsbeirat wurden erste Pläne gezeigt. Die Berater pochen vor allem auf viel Grün, Frischluftwege und Freiräume.
Im Herzen der Göppinger Nordstadt könnte in den kommenden Jahren ein halber Straßenblock von Gewerbeflächen zur Wohnnutzung umgestaltet werden. Das jedenfalls ist Inhalt einer Bauvoranfrage an die Stadt Göppingen. Wie viele Wohnungen dort untergebracht werden könnten, sei noch offen. Bisher gehe es lediglich um die Anordnung der Baumassen in dem Quartier, sagt die Baubürgermeisterin Eva Noller. Die Firma Kreeb, die Werkzeuge zur Oberflächenbearbeitung herstellt ist in den Stauferpark umgezogen.
Der Charme der 1950er-Jahre soll erhalten bleiben
Jetzt wurde das Vorhaben auf dem Altgelände im Gestaltungsbeirat der Stadt vorgestellt. Die Vorschläge des Beratergremiums liefen bei der letzten Sitzung unter der Leitung der Baubürgermeisterin auf zwei zentrale Punkte hinaus. Der Vorsitzende des Beirats, Professor Thomas Zimmermann, bat die Planer darum, den Charme des Werkgebäudes aus den 50er Jahren zu erhalten und die Zweiteilung der zwei schönen Innenhöfe zu bewahren. Dabei könne man das Quartier zwischen Christophstraße, Schillerstraße, Ziegelstraße und Rosenplatz, wo früher die Firma Kreeb saß, auch bei eventuellen Neubauten „in unsere Zeit übersetzen“. Man könne umbauen und erneuern und eine höhere Geschossigkeit einplanen, fanden die architektonischen Berater. Die Durchgängigkeit von Nord nach Süd biete eine klimatisch wertvolle Schneise. Anstatt den Straßenraum mit Blöcken zu schließen, solle man die Figur und Struktur erhalten, schlugen sie vor. Bei der Besonderheit des Quartiers könne sich dann ein ganz spezielles und innovatives Wohnen ergeben, das sich auch rechnen könne.
Bauherr ist nach Angaben von Baubürgermeisterin Noller die Firma Trivium DE. Das Planungsbüro des Architekten Jürgen Schuster hatte eingewendet, dass sich das Ganze auch rechnen müsse, denn man habe wirtschaftliche Zwänge. Man wolle aber trotzdem die Vorschläge des Gestaltungsbeirats aufnehmen, angehen, überdenken, prüfen und Alternativen zur ursprünglichen Planung entwickeln. Man brauche jedoch eine Tiefgarage.
Die Durchlüftung des Areals und Grünflächen sind wichtig
Zuvor hatte Gestaltungsbeirätin und Architektin Daniela D´Inka aus Fellbach Details der Verbesserungsvorschläge erläutert. Auf dem 2800 Quadratmeter umfassenden Areal, zu dem neben dem Werkgebäude auch ein ehemaliges Amtsgebäude an der Schillerstraße gehört, war zunächst auch eine Innenhofbebauung geplant – mit kleiner Hoffläche und Tiefgarage. Der Beirat finde es gut, dass jetzt ein Drittel weniger als die ursprüngliche Fläche wie bei der Bauanfrage bebaut werden solle. Es sei sinnvoll, die Zweiteilung und Durchlüftung von Nord nach Süd mit einem Durchgang gerade bei immer heißer werdenden Sommern zu erhalten, den die zwei Bereiche mit guten Proportionen und mit Freiräumen böten.
Eva Noller sagt, grundsätzlich werde von der Stadt Göppingen die Revitalisierung des schon länger brachliegenden ehemaligen Kreeb-Areals begrüßt. „Das kann zu dem benötigten Wohnraumangebot auch einen positiven Impuls für die Göppinger Nordstadt bieten.“ Für die Stadt sei aber wichtig, dass klimatologische Kriterien wie der grüne Innenhof Berücksichtigung finden. Auch die Durchlüftung des Areals gehöre dazu.
Der Gestaltungsbeirat berät Bauherren
Gestaltungsbeirat
Der Gestaltungsbeirat der Stadt Göppingen besteht aus vier externen Fachleuten und gibt Empfehlungen und Verbesserungsvorschläge zum Bauen an die Stadt, an Planer, Bauherren und Architekten. Er wurde erstmals 2014 vom Göppinger Gemeinderat eingesetzt.
Mitglieder
Zu den Mitgliedern gehören Thomas Zimmermann (Architekt, Schwerpunkt Städtebau, aus Darmstadt), Peter Cheret (Architekt aus Stuttgart), Uta Stock-Gruber (Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin aus Buch am Erlbach) und Daniela D’Inka (Architektin, Städtebau, aus Fellbach).