Die Planungen für das Nürk-Areal in der Pliensauvorstadt gehen voran. Das Quartier soll die Attraktivität des Stadtteils weiter steigern.
Die Esslinger Pliensauvorstadt hat sich dank Sanierungen und hohen Investitionen in die Infrastruktur zu einem attraktiven Wohnort gemausert. Und die Entwicklung geht weiter. Der Stadtteil soll unter anderem auf dem Nürk-Areal im Osten weiter wachsen. Dort sind die Planungen in vollem Gang. Das Bebauungsplanverfahren könnte Ende 2023 abgeschlossen sein und die Neubebauung dann starten.
Die Überlegungen, das Areal des Baustoffhändlers Nürk im Osten der Pliensauvorstadt zwischen Berkheimer-, Brücken- und Zollbergstraße neu zu ordnen, reichen bereits einige Jahre zurück. Den Stadtplanern wie auch dem Bürgerausschuss schwebten ein attraktiver Stadtteileingang mit Wohnraum, Handel und Dienstleistern vor. Nachdem ein Investor gefunden war und der einen ersten Entwurf vorgelegt hatte, wurde jedoch Kritik laut. Zu wuchtig und monolithisch seien die geplanten Gebäude, zu hoch, abweisend und ohne Ausstrahlung.
37 Wohnungen sind für Familien mit schmalem Geldbeutel reserviert
Im vergangenen April hat nun der Ausschuss für Technik und Umwelt einen geänderten Entwurf einstimmig beschlossen. So wurde die Höhe der Gebäude reduziert und der Gesamteindruck des neuen Quartiers abgemildert.
Auf dem etwa 2,9 Hektar großen Areal sollen nun zwei Komplexe, jeweils mit mehreren Einzelgebäuden entstehen. 37 der insgesamt 160 neuen Wohnungen müssen nach dem Esslinger Wohnraumversorgungskonzept für Familien mit schmalem Geldbeutel ausgewiesen werden. Rund 500 Menschen könnten dort künftig leben. Neben den Wohnungen sind ein großer Discounter, weitere Läden, Gastronomie sowie Büro- und Praxisflächen geplant. Auf dem Areal soll ein begrünter Platz entstehen, der sich zur Brückenstraße hin öffnet.
Stadtteil erlebt durch Bundesprogramm „Soziale Stadt“ eine Aufwertung
Mit dem Quartier wird ein neues Kapitel in der Entwicklungsgeschichte des Stadtteils aufgeschlagen. Angelegt vom Jahr 1865 an als Industriestandort, war die Pliensauvorstadt ein Arbeiterstadtteil. Lange Zeit blieb er das Schmuddelkind der Stadt, mit altem Wohnungsbestand, ohne nennenswerte Infrastruktur, aber dicht besiedelt und mit vielen sozialen Problemen belastet, als „Bronx“ verschrien und vom Bürgertum der Stadt als „falsche Seite des Neckars“ abqualifiziert.
Doch die Stadt investierte in den vergangenen Jahrzehnten viel Geld in die Aufwertung der Pliensauvorstadt, und dank der städtebaulichen Förderung durch das Bundesprogramm „Soziale Stadt“ entstand eine vorbildliche soziale Infrastruktur, die alten Wohnquartiere wurden saniert, die Nahversorgung gesichert, neue Wohnviertel wie die Grünen Höfe kamen hinzu.
Verkehrsprobleme sollen gelöst werden
Ein rühriger Bürgerausschuss und weitere bürgerschaftlich Engagierte trugen zum Imagewandel bei. „Es ist sehr attraktiv geworden, in der Pliensauvorstadt zu leben. Wir sind der Boom-Stadtteil Esslingens“, betont Andreas Jacobson, der Vorsitzende des Bürgerausschusses, bei vielen Gelegenheiten. Der Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer hatte dies beim Stadtteilfest im vergangenen Mai aufgegriffen und vom „In-Stadtteil, der sich weiter nach vorn entwickelt“, gesprochen.
Mit dem Wandel nahmen allerdings auch die Verkehrsprobleme zu. Zwar wurde durch die Einführung von Tempo 30 auf der Stuttgarter Straße eine relative Beruhigung erreicht, doch die Bebauung des Nürk-Areals lässt manche Beobachter eine Verschärfung der Situation befürchten. Wie der Stadtsprecher Niclas Schlecht berichtet, wurde dies bereits untersucht und eine Umgestaltung der Brückenstraße und der Kreuzung mit der Stuttgarter Straße geplant. Dabei seien „Aspekte wie Radverkehr, Grünfläche, Aufenthaltsfläche sowie die Verlängerung der Stadtbahnlinie nach Esslingen einbezogen“ worden, sagt Schlecht. Aufgrund der hohen Baukosten allerdings halte die Verwaltung „die kurzfristige Umsetzung der umfangreichen Neugestaltung für nicht realistisch“.
In etwa anderthalb Jahren könnte mit dem Bau begonnen werden
Das Bebauungsplanverfahren geht nun seinen Gang mit der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden. Voraussichtlich in einem Jahr werde erneut öffentlich ausgelegt, der Abschluss des Verfahrens ist für Ende 2023 vorgesehen. „Danach kann mit dem Bau begonnen werden. Dazu liegt der Stadt noch keine Zeitplanung vor“, sagt Schlecht.
Vom Schmuddelkind zum In-Stadtteil
Arbeiterviertel
Die Pliensauvorstadt ist ein Kind der Industrialisierung. Von 1865 an wurden jenseits des Neckars Fabriken und Werkstätten aufgebaut, die Fabrikanten ließen sich am Hang des Zollbergs repräsentative Villen errichten. Für die Arbeiter wurden Wohnviertel gebaut. Über Jahrzehnte hinweg wurde allerdings kaum in den Stadtteil investiert, die Vorstadt entwickelte sich zum Problemviertel.
Neustart
Mit dem Bundesprogramm „Soziale Stadt“ gelang der Pliensauvorstadt von 2001 an der Neustart. Es wurde massiv in Sanierungen, den Aufbau der sozialen Infrastruktur und die Steigerung der Lebensqualität investiert und das bürgerschaftliche Engagement gefördert. Verkehrsberuhigung und neue Wohnviertel steigerten die Attraktivität des Stadtteils.