Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen vergrößert ihr Angebot von Mietwohnungen. Allein in Nürtingen wird sie bald 150 Neubauwohnungen an den Markt bringen.
Wohnraum dringend gesucht. So lässt sich die Situation im Kreis Esslingen – wie aller Orten – auf einen kurzen Nenner bringen. Gebaut wird zwar in vielen Kommunen, doch vor allem bezahlbare Wohnungen sind im Kreis weiterhin Mangelware. Der angespannten Lage will die Stadt Esslingen beispielsweise mit einer digitalen Wohnungstauschbörse und einem Zweckentfremdungsverbot entgegenwirken. Der folgende Überblick soll exemplarisch die derzeit größten Wohnungsbauprojekte im Kreis Esslingen vorstellen.
Nürtingen Zwischen der viel befahrenen Stuttgarter Straße und dem Neckar entstehen in zehn Gebäuden insgesamt 150 Wohnungen. Ursprünglich wollte der Investor BPD, Bouwfonds Immobilienentwicklung die Immobilien als Eigentumswohnungen vermarkten. Doch dann verkaufte der Investor das gesamte Projekt 2021 an die Kreissparkasse. Die fünf- und sechsstöckigen Häuser stellen nun den größten Bestand im Portfolio der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen dar, die bisher lediglich 97 Mietwohnungen in verschiedenen Kommunen im Kreis ihr Eigen nannte. Ende 2024 sollen 96 Wohneinheiten bezugsfertig sein, die Fertigstellung für die übrigen Wohnungen ist für Mitte 2025 geplant. Schon jetzt haben Interessierte die Möglichkeit, sich zu registrieren. Sobald die Vermietungen beginnen, werden sie hierüber informiert, teilt die Kreissparkasse mit. Die Mietpreise stehen allerdings noch nicht fest. Sie sollen auf der Basis eines Gutachtens bestimmt werden, das die KSK in Auftrag gegeben hat. Für 23 Wohneinheiten werden günstigere Mieten gelten, da sie öffentlich gefördert werden.
Ein Zukunftsprojekt soll außerdem die Bebauung rund um den Nürtinger Bahnhof werden. Die sogenannte Neue Bahnstadt mit 8,5 Hektar Fläche soll einmal Platz für mehrere Hundert Wohnungen bieten. Für den östlichen Teil, der im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 beworben wird, hat jüngst das Konzeptvergabeverfahren begonnen. Es sieht eine Bebauung mit privaten Baugruppen vor. Nach diesem Modell sollen nicht die zum Zug kommen, die das meiste Geld für das Bauland bieten, sondern die besten Ideen sollen Vorrang haben.
Esslingen Im Tobias-Mayer-Quartier in Esslingen, ebenfalls ein IBA-’27-Projekt, sollen bis zum Jahr 2035 bis zu 486 Wohnungen entstehen, von denen 93 in erhaltenswerten und bereits sanierten Gebäuden geplant sind. Lebendig, inklusiv und bunt: So stellen sich die Planer das neue Wohnquartier rund um die Tobias-Mayer- und die Palmstraße auf der Esslinger Flandernhöhe vor, das Wohnen, Arbeiten und Freizeit verbinden soll. Gebäude mit bis zu acht Geschossen sind an den Rändern des geplanten Quartiers vorgesehen, und in der Mitte sollen in begrünten Höfen gemeinschaftlich genutzte Plätze und Gärten entstehen. Auch hier liegt der Fokus auf gemeinschaftlichem Wohnen. Nun muss das Bebauungsplanverfahren weiter vorangetrieben werden. Als Nächstes wird der Bebauungsplanentwurf öffentlich ausgelegt.
Spannend verspricht es auch auf dem brachliegenden Esslinger Karstadtareal zu werden. Wann dort gebaut wird, ist allerdings noch unklar. Die Investorengruppe BPI hat nach jahrelangen Diskussionen inzwischen eine Baugenehmigung erhalten, will aber noch die Räumung des Karstadtgebäudes abwarten. Vorgesehen sind auf dem Gelände vier Gebäude mit sieben Stockwerken. Im Erdgeschoss sind zehn Gewerbeeinheiten geplant, darüber sollen 157 Wohnungen gebaut werden. Falls es zu dem jüngst ins Gespräch gekommenen Umzug der Volkshochschule auf das Karstadtareal kommen sollte, bedürfte es allerdings einer Umplanung. Unlängst fertiggestellt wurde der ebenfalls zentral gelegene Wohnraum im Esslinger Qbus an der Berliner Straße. Hier bietet die Ginn-Gruppe, die bislang mit Objekten in Berlin, Hamburg und Ravensburg am Markt ist, 132 kleine Apartments zu Monatsmieten von 1750 bis 2150 Euro an. Dazu kommen 19 Penthouse-Mietwohnungen mit einer Größe zwischen knapp 50 und etwa 80 Quadratmetern. Die Kaltmiete variiert dort zwischen 960 Euro und 1545 Euro.
Ostfildern An der Aufstiegsstraße von Esslingen zur Parksiedlung baut die Hofkammer fünf große Häuser mit 120 Wohnungen. Allerdings wird dort seit Jahren wegen Parkplätzen gestritten.
Wendlingen Das Gelände der Neckarspinnerei in Wendlingen, das sich zu einem modernen Wohn- und Arbeitsort wandeln soll, gilt als Hoffnungsträger für die IBA ’27 im Kreis Esslingen. Auf dem 4,7 Hektar großen Gelände sollen einmal rund 300 Menschen ein neues Zuhause finden.
Wer Wohnungen tauscht, wird belohnt
Wohnungsbau
IG Bau Nordwürttemberg spricht mit Blick auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes von einer Flaute im Wohnungsbau im Kreis Esslingen. Demnach entstanden 2022 im Kreis Esslingen insgesamt 1815 Neubauwohnungennungen, darunter 398 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Das seien lediglich 238 Wohnungen mehrals im Jahr davor. Als Ursache nennt die IG Bau das Zusammentreffen von momentan hohen Baukosten, hohen Zinsen und hohen Hürden beim Bauen durch staatliche Auflagen und Vorschriften. Wichtig sei jetzt ein „Booster“ für den Neubau von sozialen und bezahlbaren Wohnungen.
Börse
In Esslingen können Bürgerinnen und Bürger seit Kurzem untereinander über ein Onlineportal Wohnungen tauschen. Dort können sowohl eigene Inserate aufgegeben als auch bereits angebotene Tauschwohnungen angesehen werden. Sobald zwei Mietparteien ihre Wohnungen tauschen möchten, vermittelt die Stadt den Kontakt zueinander. Wenn ein Tausch gelingt, bezahlt die Kommune eine Prämie in Höhe von 2000 Euro aus.
www.esslingen.de/wohnen-und-bauen