Wie erkläre ich Kindern Demenz? Das Stück „Herbst im Kopf“ bei der Jungen WLB beruht auf einem Kinderbuch und geht mit diesem Thema spielerisch um.
Oma Anni weiß nicht mehr, wie die Kaffeemaschine funktioniert, und dann sagt sie alle paar Minuten das Gleiche. Aber Paula macht sich nichts draus, denn das Mädchen weiß: Oma Anni hat eine Krankheit, und da muss man ihr helfen. Nur diese Krankheit kann man nicht sehen, es gibt keine roten Pusteln im Gesicht und die Oma hustet auch nicht. Die Krankheit heißt nach ihrem Entdecker, erklärt uns Paula, einem Herrn Alzheimer…
Das Stück beruht auf einem Kinderbuch der Autorin Dagmar H. Mueller
Wie gehen Kinder mit Demenzkranken um, was macht ein junger Mensch, wenn sich die Persönlichkeit etwa der Großeltern verändert? Darum geht es in „Herbst im Kopf“, einem Stück für Kinder ab sieben Jahren, das am Samstag in der Jungen WLB Premiere hatte. Es beruht auf einem Kinderbuch der Autorin Dagmar H. Mueller, die vor fast 20 Jahren zu den Ersten gehörte, die das Thema kindgerecht erklärten. Im Herbst fallen die Blätter vom Baum, mit diesem Bild haben die Eltern Paula beschrieben, warum die Oma vieles vergisst, was gerade eben passiert ist, sich aber an früher noch gut erinnern kann: Die vergilbten Blätter und Erinnerungen sind fest angewachsen und bleiben länger hängen. Die Ausstatterin Birgit Eder hat Fotos an einem großen Pappbaum befestigt, die nach und nach herabfallen; mit nostalgischen Dingen wie einem Servierwagen oder einer Häkeldecke zeigt sie die klein gewordene Lebenswelt der Oma.
Paula, liebenswert und spontan gespielt von Chiara-Luisa Schrenk, weiß hier schon gut Bescheid über Alzheimer, fast ein wenig altklug erklärt sie es ihrer besten Freundin oder dem Nachbarsjungen, der die Oma als verrückt bezeichnet. Dass die Krankheit auch verunsichern kann oder dass man manchmal gar wütend wird auf die vergesslichen alten Leute, das kommt in diesem Stück nicht vor.
In den ersten fünf Minuten wird überhaupt nicht geredet
Sabine Christiane Dotzer, früher feste Regisseurin an der Jungen WLB und heute wieder als Gast in Esslingen, hat die Theaterfassung des kurzen Kinderbuches erstellt und im Studio am Blarerplatz mit viel Kinderfantasie inszeniert. So wird die ersten fünf Minuten überhaupt nicht geredet, sondern zur Freude der jungen Zuschauer nur wild gespielt. Fangen wird zu Stein-Schere-Papier, zu Kitzeln oder Basketball, später heulen Paula und ihre Freundin wie die Werwölfe. Die Spiele gehen so fließend ineinander über wie die Personen, die Steffen Lehmitz gewandt verkörpert: Nachbar, Freundin, Mama, Papa und natürlich Oma Anni. Jede(r) hat seine bestimmte Geste, eine veränderte Stimme. Paula hat Glück mit ihrer Oma, deren Demenz hier fast ein wenig putzig geschildert wird – kein Wunder, das Stück zielt auf Verständnis und Unterstützung bei den Kindern. Und das macht das Mädchen voll Liebe und Zärtlichkeit.
Weitere Vorstellungen in Esslingen: 20. und 28. Januar, 25. Februar, 10. März, 28. April jeweils um 16 Uhr. Weitere Informationen unter: www.wlb-esslingen.de