Wladimir Putin und Oliver Stone Foto: Showtime

Der US-Regisseur hat eine Dokumentation über den Wladimir Putin gedreht. Der Kremlchef fährt des Oscarpreiträger dabei eigenhändig durch Moskau und erklärt, warum sich Russlands Geheimdienste an Gesetze halten und es in Russland wahlen gibt.

Stuttgart - Wenn der größte Regisseur der Gegenwart auf den größten aller politischen Entscheider trifft, dann gehört Klappern zum Handwerk. Kein Wunder, dass in den US-Medien schon zahlreiche Videos zum Anfüttern des Publikums laufen. Am Montag wird der US-Kabelsender Showtime den ersten Teil einer Dokumentation ausstrahlen, die Oliver ­Stone über Wladimir Putin gedreht hat. Zumindest die beiden Hauptdarsteller haben immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie die Superlative für sich selbst als nicht völlig unberechtigt ansehen.

Erfinder des realitätsanknüpfenden politischen Grusel

Die „Zeit“ hat den mit drei Oscars ausgezeichneten US-Regisseur einmal den „Erfinder des realitätsanknüpfenden politischen Grusels“ genannt. Dass Stone vor zwei Jahren einen Film zum Ukrainekonflikt vorlegte, dessen Grundthese darin besteht, dass die Ukrainer nicht Opfer einer russischen Aggression geworden sind, sondern Opfer eines amerikanischen Imperialismus, wird den Zugang zum Kremlchef nicht gerade erschwert haben. Die in einem der rund ein Dutzend geführten Interviews gestellte Frage, ob Putin auf der Krim einen Fehler gemacht habe, klingt dabei kritischer, als sie ist. Keinen entscheidenden, hat der Kremlchef schon in der Vergangenheit mehrfach darauf geantwortet.

Oliver Stone wird ein Faible für starke Herrscher nachgesagt. Mehrere Tage lang hatte er sich 2003 mit dem kubanischen Staatschef Fidel Castro unterhalten, mit Hugo Chávez, dem ehemaligen Boss in Venezuela, war Stone zusammen im Dschungel, um Geiseln zu befreien. Beide nicht gerade für US-Nähe oder Demokratiefreude bekannten Herrscher kamen in Stones Dokumentationen überaus positiv weg. Das wird auch Putin zuvor gesehen haben.

Putin: Snowden ist kein Verräter

Der Kremlchef erklärt dem US-Regisseur nun seine Sicht auf die Taten des Whistleblowers Edward Snowden, der noch immer im russischen Exil lebt. „Kein Verräter“ sei der Mann, der die Arbeitsweise der CIA öffentlich gemacht hatte, andererseits sei Putin „nicht einverstanden mit dem, was Snowden getan hat“. Russlands Geheimdienste arbeiteten streng nach Gesetz, fügt Putin noch hinzu. Das Ganze bei einer Autofahrt – mit Putin am Steuer. Zwischen Juli 2015 und Februar 2017 entstanden die Interviews. Der Anfang lag in einer Zeit, zu der kaum jemand mit einem US-Präsidenten Donald Trump gerechnet hatte. Nun darf Stone fragen, ob es stimme, dass Russland den vermeintlich starken Mann Amerikas in der Tasche habe. Die Trailer zeigen nur einen verschmitzt grinsenden Kremlchef, ähnlich wie bei der Frage, warum es in Russland überhaupt Wahlen gebe. „Schauen Sie sich das ganze Interview an“, wirbt Stone derzeit jeden Abend in einer anderen Talkshow, „Putin gibt Antworten, gute Antworten.“

Der russische Präsident, sagt Stone, werde von der westlichen Welt missverstanden und dämonisiert. Zumindest bietet der Präsident das Potenzial dafür, um die Wogen hochkochen zu lassen. Kaum ein Politiker vermag so zu polarisieren. Eine Prognose sei daher erlaubt: Wer bisher in Putin einen gefährlichen Potentaten gesehen hat, der wird sich durch Stones neuestes Werk kaum vom Gegenteil überzeugen lassen. Wer in Putin einen Weltenlenker mit Weitblick sieht, darf sich erst recht bestätigt fühlen.

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