Theresia Bauer sieht dem Programm Exzellenzinitiative zuversichtlich entgegen. Foto: dpa

Die Wissenschaftsminister wollen die künftige Exzellenzinitiative für Universitäten am Freitag beschließen. Baden-Württembergs Ministerin Theresia Bauer ist schon jetzt damit zufrieden und sieht „hervorragende Chancen für die Landesuniversitäten“.

Stuttgart - Die Wissenschaftsminister der Länder stehen bei der Organisation der neuen Exzellenzinitiative für die Universitäten kurz vor einer Einigung. Am Freitag werden die Minister dem Beschluss fassen. Das letzte Wort sprechen die Ministerpräsidenten im Juni. Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zeigt sich mit der Vereinbarung schon vor der Sitzung zufrieden. Sie biete den baden-württembergischen Universitäten hervorragende Chancen, sagte Bauer dieser Zeitung.

Die anfängliche Idee von zwei bis drei Leuchtturmuniversitäten ist vom Tisch. Das bewertet Bauer als „riesigen Verhandlungserfolg“. Wäre es bei zwei bis drei Spitzenstandorten geblieben, wäre das „für die baden-württembergische Universitätsstruktur ein Killer gewesen“, sagt die Ministerin. Nun sind acht bis elf „Förderfälle“ vorgesehen. Dabei können sich mehrere Universitäten im Verbund als eine Exzellenzuniversität bewerben und werden als ein „Förderfall“ gezählt. So könnten im Endeffekt tatsächlich mehr als elf Universitäten gefördert werden. Die Verbundlösung gilt eher als Idee der Politik denn der Universitäten. Möglicherweise mache es in Berlin Sinn, sich ein gemeinsames Konzept zu überlegen, sinniert Bauer. Allein die räumliche Nähe werde den Gutachtern aber sicher nicht ausreichen um einen Verbund zu akzeptieren. Wenn am Ende zehn bis 15 Exzellenzuniversitäten gefördert werden, betrachtet dies Bauer als sinnvolle Größenordnung, in der sich die deutsche Spitzenliga wieder finden könne.

Eine entscheidende Neuerung ist die dauerhafte Unterstützung des Bundes. Es ist vorgesehen, dass die künftigen Exzellenzuniversitäten nach sieben Jahren evaluiert werden, im Erfolgsfall bleibt der Bund weiter in der Förderung. „Es geht um richtig viel“, schreibt die Ministerin den Universitäten vor den Ausschreibungen ins Stammbuch. „Dieses Jahr zählt“, animiert sie die Hochschulen zu sorgfältiger Vorbereitung der Bewerbungsskizzen, die im kommenden Frühjahr vorgelegt werden müssen. Die dauerhafte Förderung ist für die Universitäten entscheidend wegen der strategischen Berufungspolitik. Im Gegenzug erwartet der Bundesrechnungshof jährliche Fortschrittsberichte. Doch Bauer will „mit Argusaugen darüber wachen, dass der Bund nicht in die Unis hineinregiert“. Bei den Fortschrittsberichten sind Bauer zufolge Gespräche zwischen dem Bund und dem Sitzland der Uni vorgesehen, „es gibt keinen direkten Zugriff des Bundes auf die Uni“, betonte Bauer.

Für Fachhochschulen wird es ein eigenes Programm geben

Für das gesamte Programm der Exzellenzinitiative sind pro Jahr 400 Millionen Euro Bundesgeld und 133 Millionen Euro von den Ländern vorgesehen. Bezahlen müssen jeweils die Sitzländer der Exzellenzuniversitäten. Das Programm gliedert sich in die zwei Säulen Exzellenzcluster und Exzellenzuniversität. Es soll künftig 45 bis 50 Exzellenzcluster geben. Zurzeit sind es 43. Je nach Cluster werden drei bis zehn Millionen Euro im Jahr ausgeschüttet. Es ist ein neues Element der Finanzierung vorgesehen: Die Universitätspauschale. Einrichtungen, die ein Cluster eingeworben haben, können für die Finanzierung ihrer strategischen Ziele eine Million Euro im Jahr bekommen. Das Programm läuft zweimal sieben Jahre. In der Universitätspauschale findet sich ein Teil von Bauers gescheiterter Idee der Exzellenzprämie wieder. Sie wollte mit den Prämien geleistete und nachgewiesene Forschungsstärke belohnt wissen. „Das Konzept hat sich gut weiter entwickelt und ist dem Wissenschaftsstandort angemessen“, findet Bauer heute.

Als Exzellenzuniversität kann sich nur bewerben, wer mindestens zwei Cluster gewonnen hat. Das macht es kleinen Einrichtungen schwer. Zum Beispiel für die Uni Konstanz ist das eine hohe Hürde. Bauer betrachtet die Vorgabe denn auch als Wermutstropfen in dem ansonsten ihrer Meinung nach „guten und tragfähigen Kompromiss“. Sie selbst habe dafür gestritten, dass nachgewiesene Erfolge in der bisherigen Exzellenzinitiative und ein Cluster als Bewerbungskomponenten ausreichten. Da habe sie sich nicht durchsetzen können, bedauert Bauer. Dennoch bleibe sie zuversichtlich. Dank der kleineren Cluster hätten auch kleinere Universitäten wieder eine Chance. Generell gebe es keine regionalen Quoten, auch das KIT oder Freiburg könnten nach Bauers Einschätzung wieder in den Kreis der Exzellenz-Universitäten zurückkehren. Sie hatten ihren Status in der zweiten Runde verspielt. Gegenwärtig sind Heidelberg, Tübingen und Konstanz Mitglied im Kreis der derzeitigen elf Exzellenzuniversitäten in Deutschland. Bauer sagt, „die Startbedingungen sind so, dass wir für unsere Unis im ganzen Land ordentliche Ausgangsbedingungen haben“. Die Universitäten seien gut aufgestellt. Ehe das neue Förderprogramm anläuft, soll es eine Übergangsfinanzierung geben, mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren, die genaue Dauer wird im Moment noch ausgehandelt.

Für Fachhochschulen wird es ein eigenes Programm innovative Hochschule geben, das auch kleine Universitäten nutzen können. Im Mai werden die Wissenschaftsminister dieses Thema aufrufen. Bisher stehen 550 Millionen Euro für ein Zehnjahresprogramm zur Debatte.

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