Das mögliche neue Gewerbegebiet zwischen Stuttgart und Kornwestheim liegt direkt neben dem Güterbahnhof. Foto: Werner Kuhnle

Der Bedarf an Erweiterungsflächen der heimischen Wirtschaft ist groß, der Mangel an verfügbaren Gewerbegebieten ebenfalls. Nun wird offen über ein neues Areal nördlich des JVA Stammheim diskutiert. Ein namhaftes Unternehmen hat Interesse signalisiert.

Stuttgart/Kornwestheim - Es soll ein neues Gewerbegebiet nördlich der Bundesstraße 27a, unweit der JVA Stammheim, ­geben. Nach Informationen unserer Zeitung werden dazu aktuell informelle Gespräche zwischen der Stadt Kornwestheim, der Stuttgarter Verwaltung und verschiedenen Unternehmen geführt. Der Autobauer ­Porsche gilt als wahrscheinlichster Kandidat. Fakt ist: Kornwestheim will die rund 15 Hektar entlang der Westrandstraße rasch entwickeln und wartet auf eine klare Ansage aus dem Stuttgarter Rathaus.

Wir haben kaum Gewerbeflächen und wollen dieses Areal daher entwickeln“, erklärt Kornwestheims Baubürgermeister Daniel Güthler. Das Areal, von dem mehr als 15 Hektar auf Seiten Kornwestheims und weniger als fünf auf Markung Stuttgarts liegen, läuft unter dem Arbeitstitel „Gewerbegebiet Süd-West“. Offizielle Beschlüsse gibt es noch nicht. Doch es laufen Gespräche – sowohl mit den Vertretern des Stuttgarter Rathauses als auch mit der Wirtschaft. „Wir haben auch mit Porsche gesprochen. Dort gibt es den Bedarf, zu erweitern“, berichtet Güthler. Aus der Verwaltung ist zu hören, dass der Sportwagenbauer definitiv Interesse bekundet habe.

Porsche hat Bedarf an neuen Flächen

Frank Scholtys, der Leiter der Unternehmenskommunikation bei Porsche, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir schauen uns regelmäßig Gebiete in der Umgebung an.“ Auf dem eigenen Gelände in Zuffenhausen werde aktuell jeder vorhandene Meter Fläche ausgenutzt. Zum fraglichen Areal zwischen Kornwestheim und Stuttgart will Scholtys vorerst noch keine konkreten Aussagen machen.

Zurück zu Kornwestheims Baubürgermeister Daniel Güthler. Um das Gebiet entwickeln zu können, muss noch einiges an Arbeit geleistet werden. „Wir müssen beispielsweise noch einzelne Flächen aus privatem Besitz erwerben“, so Güthler. Und: „Es muss einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats geben.“ Einen entsprechenden Antrag wird die Stadtverwaltung innerhalb der kommenden Monate einbringen. Zudem sei es wichtig und aus Sicht der Stadt Kornwestheim selbstverständlich, für die Anwohner in unmittelbarer Umgebung, etwa in Stuttgart-Stammheim, für einen entsprechenden Lärmschutz zu sorgen.

Eines der entscheidenden Themen bei den Gesprächen der beiden Verwaltungen von Stuttgart und Kornwestheim dürfte die Frage sein, wie die Steuereinnahmen eines möglichen gemeinsamen Gewerbegebiets am Ende aufgeteilt würden. Daniel Güthler erklärt jedenfalls: „Wir würden uns über ein gemeinsames Vorgehen mit der Stadt Stuttgart freuen.“ Aber: „Dafür brauchen wir in den kommenden drei Monaten eine feste Aussage aus dem Stuttgarter Rathaus.“

Landeshauptstadt will Votum Kornwestheims abwarten

Auf Anfrage unserer Zeitung heißt es von Seiten der Landeshauptstadt: „Wir kennen den Wunsch aus Kornwestheim, das dortige Gewerbegebiet zu vergrößern. Dazu hat die Stadt mit uns das Gespräch gesucht“, so Stadtsprecher Sven Matis. Die Landeshauptstadt wolle jedoch abwarten, welches grundsätzliche Signal der Kornwestheimer Gemeinderat aussenden wird. Aus Sicht der Region, wäre ein Zusammenschluss der beiden Städte eine gute Nachricht. „Das würde mich sehr freuen“, sagt Thomas Kiwitt, Leitender Technischer Direktor des Regionalverbands. „Auch mir ist bekannt, dass Porsche in Zuffenhausen kaum noch Platz hat“, sagt Kiwitt. Daher wäre es zu begrüßen, wenn sich in unmittelbarer Nähe zum Firmensitz eine Möglichkeit fände. Die aktuell brummende Wirtschaft, gepaart mit dem Strukturwandel hin zur Elektromobilität, sei eine enorme Herausforderung. Das benötige eine Menge Platz, so Kiwitt weiter. „Es ist wichtig, Erweiterungen der heimischen Wirtschaft in der Region zu halten“, sagt der Technische Direktor und fügt an: „Gemarkungsgrenzen sind dabei unwichtig.“

Zum zeitlichen Ablauf sagt der Experte des Regionalverbands: „Eine solche Entwicklung kann sehr schnell ablaufen, sobald einmal das entsprechende Baurecht geschaffen wurde.“ Bis zum Start der Bauarbeiten für das mögliche neue Gewerbegebiet werden nach Einschätzung von Immobilienfachleuten noch mindestens drei Jahre vergehen.