Was erwarten die Unternehmen im Landkreis Göppingen vom Wirtschaftsjahr 2023? Die Aussichten scheinen besser als erwartet. Der IHK-Geschäftsführer spricht sogar davon, dass teilweise ein leicht verhaltener Optimismus spürbar sei. Die Gründe.
Während die Gesamtprognosen für das Jahr 2023 pessimistisch sind, senden etliche Unternehmen positive Signale. „Viele Betriebe zeigen sich zum Jahresende insgesamt zufrieden mit dem Geschäftsverlauf im Jahr 2022“, bestätigt der Göppinger IHK-Geschäftsführer Gernot Imgart. Zumal in der Industrie ein guter Auftragsbestand vorhanden sei, der in das neue Jahr mitgenommen werde. „Trotz der vielfältigen Krisen und der Unsicherheit wollen die Betriebe deswegen für 2023 eher die Chancen und weniger die Risiken in den Blick nehmen“, so Imgart weiter. Teilweise sei ein leicht verhaltener Optimismus spürbar.
Teamviewer könnte von den Krisen profitieren
Das war vor einigen Wochen so noch nicht zu erwarten. Die im Frühsommer geäußerten zunehmenden Sorgen der Unternehmen im Landkreis Göppingen waren bei der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK noch in einen ausgewachsenen Pessimismus umgeschlagen. „Explodierende Preise bei Strom und Gas, eine schwächelnde Inlandsnachfrage sowie hohe Rohstoffpreise und Lieferkettenprobleme hatten die Unternehmen im Kreis Göppingen im Herbst stark unter Druck gesetzt“, erinnert Gernot Imgart, Geschäftsführer der Göppinger IHK, an die damalige Lage.
Von einem insgesamt schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld und neuen, außergewöhnlichen Herausforderungen, spricht auch Martina Dier, die Pressesprecherin des Göppinger Softwareentwicklers Teamviewer. Das jedoch wirke sich nicht negativ auf die Aussichten des Unternehmens aus, da die Software-Lösungen von Teamviewer Kunden helfe, effizienter und nachhaltiger zu arbeiten und Kosten zu sparen. „Das ist in Zeiten der Klima- und Energiekrise entscheidend.“ Auch im Jahr 2023 werde sich dieser Trend fortsetzen, ist sich Dier sicher, „weshalb wir in unser Kernprodukt für die Fernwartung von Geräten aller Art investieren werden.“
Bricht die Nachfrage nach Elektroautos bald ein?
„Dank des herausragenden Einsatzes unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat sich Schuler in diesem Jahr trotz der widrigen Gesamtumstände sehr gut entwickelt, unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt. Wir blicken einigermaßen zuversichtlich auf 2023, auch wenn das kommende Jahr vermutlich nicht einfacher wird“, sagt der Schuler-Chef Domenico Iacovelli. Denn, „von einer starken Erholung in Deutschland gehen wir nach wie vor nicht aus“. Auch weltwirtschaftlich rechnet er mit einer Abkühlung. Vieles hänge davon ab, ob sich die Corona-Pandemie im globalen Maßstab abschwäche und es gelinge, die Lieferketten weiter zu stabilisieren, so Iacovelli weiter.
Das kann auch der IHK-Geschäftsführer Imgart bestätigen: Angesichts gut gefüllter Auftragsbücher stünden viele Unternehmen nun vor der Frage, wie schnell sich die Lieferketten und damit die Verfügbarkeit insbesondere von elektronischen Bauteilen wieder normalisieren werde. Imgart sagt dazu: „Dies wird aber nach Einschätzungen bis über das Jahr 2023 andauern.“ Dennoch habe sich der Abwärtstrend im Stimmungsbild der Unternehmen zum Jahresende 2022 – trotz aller Unwägbarkeiten – deutlich abgebremst. Schuler-Chef Domenico Iacovelli beobachtet zudem mit besonderer Spannung, wie sich die Nachfrage für Elektro-Autos entwickeln wird, wenn 2023 die staatlichen Förderungen sinken.
Im Einzelhandel drückt die Inflation auf die Stimmung
Die von Gernot Imgart festgestellte Konzentration der Unternehmen auf Chancen, bestätigt Iacovellis Ausblick. Dieser sagt: „Schuler hat in seiner über 180-jährigen Geschichte viele Herausforderungen bewältigt und wird auch die bevorstehenden meistern, davon bin ich überzeugt.“
Imgart gibt aber auch zu bedenken, dass niemand wisse, wie sich die Wirtschaft angesichts einer ursprünglich prognostizierten Rezession tatsächlich entwickeln werde und dass einzelne Branchen mit der aktuellen Situation besonders zu kämpfen hätten. „Im Einzelhandel wird auch im neuen Jahr die Inflation weiter auf die Stimmung drücken und somit das Käuferverhalten beeinflussen.“
Gewinner und Verlierer
Unterschiede
Zwischen den Branchen gibt es erhebliche Unterschiede. Während das produzierende Gewerbe verhaltenen Optimismus erkennen lässt und von nach wie vor vollen Auftragsbüchern berichtet, wirken sich die Folgen der europäischen Sanktionspolitik gegenüber Russland sowie der Fachkräftemangel vor allem im Bereich Nahrung und Gaststätten weiter negativ aus.
Auftragsbestand
Dagegen sehen die Industriebetriebe vergleichsweise positiv in die Zukunft. Zumal ein guter Auftragsbestand vorhanden sei, der in das neue Jahr mitgenommen werde.
Gastronomie
Die Gastronomie tue sich in diesen Zeiten schwer mit einem zunehmend verkürzten Buchungsverhalten und steigenden Kosten, sagt der Göppinger IHK-Geschäftsführer Gernot Imgart. Er weiß: „Der Fachkräftemangel drückt in dieser Branche ganz besonders.“