Das Gründerzentrum Ai xpress ist eines der Leuchtturm-Projekte für Digitalisierung im Kreis Böblingen Foto: Eibner/Sandy Dinkelacker

Der Landkreis Böblingen entwickelt im Rahmen seiner Zukunftsstrategie drei Pilotprojekte, um seine Wirtschaft zukunftsfähiger zu machen.

Wohl und Wehe des Landkreises Böblingen hängen an seiner wirtschaftlichen Stärke. Die ist zwar nach wie vor beeindruckend und der Kreis landet in mehreren Studien immer wieder deutschlandweit auf den vorderen Plätzen. Doch die hohe Abhängigkeit von der Automobilindustrie birgt neben dem Wohlstand auch Risiken. Bereits vor fünf Jahren gab sich der Landkreis eine Zukunftsstrategie, die er gemeinsam mit der Akademie Imakomm aus Stuttgart in konkrete Projekte umsetzte. Jetzt war es Zeit für eine Bilanz und einen Neustart.

 

„Unser Landkreis ist bärenstark, aber wir müssen uns mit dem digitalen Wandel und der Veränderung von Branchen aktiv auseinandersetzen, um auch in Zukunft vorne mit dabei zu sein“, sagte Landrat Roland Bernhard (parteilos) jüngst auf einer Veranstaltung der Wirtschaftsförderung im Böblinger Gründerzentrum Ai xpress. Hauptaugenmerk des Abends lag aber darauf, besser zu werden. „Gut ist nicht gut genug“, wie Kreiswirtschaftsförderer Sascha Meßmer sagte. Oder anders formuliert: „Die Ergebnisse der letzten fünf Jahre zeigen dies ja in hervorragender Weise: wir sind noch mal besser geworden. Aber die Themen sind nach wie vor da: Fachkräfte und Flächen sind Mangelware.“ Wie will der Landkreis diesen und anderen Herausforderungen also begegnen?

Bedarf an Fachkräften und Gewerbeflächen

In den vergangenen fünf Jahren identifizierten Themengruppen verschiedene Felder, in denen Handlungsbedarf besteht: Von Unternehmensnachfolge oder Neugründung über Flächenbedarf bis zur Fachkräftegewinnung. Heraus kamen Projekte wie die Etablierung von Gründerlotsen unter dem Dach Startup BB, Kurse von VHS und den Senioren der Wirtschaft für angehende Gründer oder die Unterstützung des Einzelhandels bei der Digitalisierung während Corona. Gleichwohl brachten nicht alle Themengruppen in gleichem Maße brauchbare Ergebnisse. Den Fünf-Jahres-Meilenstein nahm Wirtschaftsförderer Sascha Meßmer zum Anlass, um in die Zukunft zu blicken und neue Projekte auf den Weg zu bringen.

Dafür hatte er gemeinsam mit der Imakomm sechs Jury-Mitglieder ausgewählt: Stephanie Fleischmann (Wirtschaftsförderung Region Stuttgart), Klaus Betz (Zweckverband Flugfeld), Markus Linha (Kreissparkasse Böblingen), Oliver Messer (Star Cooperation), Manuel Messmer (Sol Motors) und Alexander Rossmann (Herman Hollerith Zentrum).

Frei nach Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) bat Landrat Bernhard die Jury, ihre Visionen einzubringen und zu nutzen statt zum Arzt zu gehen. Sie formulierten elf Visionen dafür, wohin sich der Landkreis in den kommenden Jahren entwickeln solle. Ob führender IT-Hotspot, Vernetzung, Smart City oder Behördengänge im Internet: die Digitalisierung zog sich durch die Zukunftsideen wie ein roter Faden. Mit einer Publikumswahl via Handy wurden die erfolgversprechendsten Visionen ausgesiebt, in Kleingruppen diskutiert und daraus wiederum innovative Pilotprojekte erarbeitet, „die für den Landkreis und dessen wirtschaftliche Entwicklung einen wesentlichen Nutzen liefern könnten“, sagte Meßmer. Nach einer weiteren Priorisierung kürte die Jury daraus drei Gewinner-Projekte.

Fachkräfte aus dem Ausland

Auf Platz eins landete die Fachkräftesicherung im Handwerk, gefolgt von einem Projekt namens Mobility xpress. Dahinter verbirgt sich eine internationale Kooperation zur Fachkräfteanwerbung aus Schwellenländern. Auf den dritten Platz schaffte es die Idee der Gründung von Genossenschaften zur Energiegewinnung mit Solarzellen und Windkraft. Roland Bernhard und Sascha Meßmer laden Interessierte aus Wirtschaft, Verbänden und Institutionen dazu ein, sich einzubringen und den Worten Taten folgen zu lassen.