Emma Weiß in Aktion Foto: Rick Bowmer/AP/dpa/Rick Bowmer

Emma Weiß (23) tritt als einzige Deutsche in der Disziplin Aerials an. Vom Deutschen Skiverband gibt es keine Unterstützung und auch kaum Anerkennung.

Emma Weiß ist ein Unikat im deutschen Sport. Sie ist die einzige Aerials-Athletin – also eine Skiakrobatin, die Salti und Schrauben über Schanzen hinweg in den Schnee zaubert. Ihr Weg in die Weltklasse dieser Sportart war sehr lang und vor allem mit hohem finanziellem Aufwand verbunden. 25 000 Euro hat ihr Vater in den vergangenen Jahren pro Weltcup-Winter in den Sport seiner Tochter gesteckt.

 

Sechs Monaten Vorbereitungstraining auf der Wasserschanze in der Schweiz folgen fünf Monate Weltcup-Wintersaison bis in den April hinein. Auf dem Programm stehen nach dem Auftakt an diesem Wochenende in Ruka (Finnland) aufwendige Wettkampfreisen nach China, in die USA, nach Kanada und Kasachstan. Das Aerials-Dasein verursacht enorme Flug- und Hotelkosten, aber auch Schanzen- und Liftgebühren.

Nach einem zweiten Platz im Weltcup in der Saison 2021 war Emma Weiß in der vergangenen Saison Sechste im Gesamtweltcup und bekam so größere mediale Aufmerksamkeit. „Und seitdem habe ich auch eine Handvoll Sponsoren erhalten“, sagt die nur 1,60 Meter große und 50 Kilogramm leichte Springerin. Ein Schweizer Unternehmen stellt ihr ein Auto für die wöchentlichen Fahrten von Albstadt-Ebingen nach Mettmenstetten (bei Zürich) auf die Wasserschanze zur Verfügung. „Wir sind sehr glücklich über diese Entwicklung“, sagt Armin Weiß und ist erleichtert. Er musste sich mit seiner Ballettschule mächtig strecken, um seiner Tochter ihren aufwendigen Sport zu ermöglichen.

700 Euro von der Sporthilfe

Emma Weiß erhält zudem 700 Euro Sporthilfe und Stipendiumshilfe als Studentin. Eine Woche vor dem anstehenden Weltcup-Auftakt hat sie ihre Bachelorarbeit im Rahmen ihres Gesundheitsmanagement-Studiums abgegeben. Geschrieben hat sie diese neben den Schanzen. Vom Deutschen Skiverband (DSV) gibt es keine Unterstützung und auch kaum Anerkennung. Die Aerials stehen im Schatten des alpinen und nordischen Skisports.

Vater Armin Weiß war 1992 beim Demowettbewerb im Skiballett bei den Olympischen Spielen und damit auch eine Inspiration für die Skiakrobatin Emma Weiß. Mit sieben Jahren sprang sie den ersten Salto rückwärts auf dem Trampolin, mit zehn den „Heli“ (Sprung mit 360-Grad-Drehung) von der Wasserschanze, und jetzt springt sie im Schnee einen Doppelsalto mit drei Schrauben. Letztere hat sie in diesem Sommer einstudiert und wird sie demnächst im Weltcup zeigen. „Ohne diese Schwierigkeit hat man keine Chance, ganz vorne reinzukommen“, sagen die Tochter und ihr Trainer-Vater unisono.

Großes Feuer für den Sport

Die Rahmenbedingungen zum sportlichen Weiterkommen sind nicht leicht, doch davon lässt Emma Weiß sich nicht unterkriegen. „Ich trage immer noch ein großes Feuer für diesen Sport in mir, die Leidenschaft fürs Fliegen ist groß“, sagt sie. Die 23-Jährige trägt zwei Visionen in sich: Sie würde irgendwann gerne einmal etwas verdienen mit ihrem Sport und von der Schanze wieder auf dem Treppchen landen. Anfahrt mit 55 Kilometern pro Stunde, Absprung, fünf Sekunden Fliegen durch die Luft mit den Armen als Flügel, Kopf unten, Ski oben, Landung auf dem 40 Grad steilen Hang – das ist Aerials.

Die Gefahren dabei? Denkt man an Saltospringer, erinnert man sich an den Unfall von Samuel Koch in der TV-Sendung „Wetten, dass . .?“, der nach einem missglückten Sprung auf Sprungfedern über Autos gestürzt war und seitdem querschnittsgelähmt ist. „Ein gewisses Risiko ist dabei“, gesteht Emma Weiß, „mit dem Gedanken muss man sich auseinandersetzen.“ Und wie bewältigt sie diese? „Wir haben das Risiko durch akribisches Training im Griff“, sagt Vater Armin Weiß.