Ein Wintertraum: Spaziergang an der Ammer Foto: Eberhard Straosczik

Hüttengaudi, Gedränge – wer Wintersport macht, kennt das. Allen, die es ruhiger angehen möchten, sei Winterwandern empfohlen. Beispielsweise in den Ammergauer Alpen.

Oberammergau - In Oberammergau ist der Winter noch ein richtiger Winter. Kalt, eisig, verschneit. Man steigt aus dem Auto und schauert kurz, holt Luft und denkt sich: „Mann, ist das kalt hier“. Schön kalt. Die Temperaturen halten den Schnee, wenn es anderswo in den Bayerischen Voralpen schon wieder taut, und verwandeln die Landschaft in ein Winterwunderland.

Wer hier vorbeikommt, fühlt sich wie in einer Kulisse aus dem Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Romantisch. Dazu trägt sicherlich auch die Gestaltung des Ortes bei. Die Häuser sind bekannt für ihre Lüftlmalerei. Biblische Szenen und Heilige bebildern die Hausfassaden. Das mag auf manche Betrachter kitschig wirken, andere finden es schön und authentisch, wenn sie durch den Ort schlendern. Vorbei an zahlreichen Cafés, Restaurants und Käthe Wohlfahrts Weihnachtswelt.

Im Rucksack klappern die Spikes

Oberammergau bietet Winter-Touristen so einiges: das kleine Skigebiet Kolbensattel, Loipen zum Langlaufen, aber eben auch zahlreiche Möglichkeiten, in Ruhe durch eine verschneite Winterwelt zu wandern. Zum Beispiel auf dem Altherrenweg. Immer leicht bergauf und bergab führt er am Fuß eines Bergrückens entlang. In Waldstücken fällt lockerer Pulverschnee von den Bäumen den Wanderern direkt vor die Füße oder auch mal in den Kragen. Der Schnee knirscht unter den Schuhsohlen. Im Rucksack klappern die Spikes, wichtige Hilfen, falls der Untergrund eisig wird. Unterwegs laden zahlreiche Bänke zu einer Pause in der Wintersonne ein. Heißer Tee aus der Thermoskanne dampft im Becher.

Der Blick schweift über das Tal und hinüber zur Kette der Ammergauer Alpen. Es ist eine der schönsten und gleichzeitig leichtesten Wanderungen vor Ort. Schon der Name Altherrenweg suggeriert, dass es hier nicht allzu anstrengend wird. Vom örtlichen Hallenbad geht es mal über eine kleine Brücke, mal an einer Wiese entlang über den Berggasthof Romans­höhe bis nach Unterammergau. Zurück stapfen die Ausflügler flussaufwärts entlang der Ammer, die sich hier – noch mehr Bach als großer Fluss – durch das Naturschutzgebiet Pulvermoos ihren Weg bahnt. Die Runde ist circa elf Kilo­meter lang und dauert etwa drei Stunden.

Am Endes des Fußmarsches wartet ein Schloss

Sie ist nur eine von mehreren Winterwanderungen in der Region. Wer in Oberammergau einen Kurzaufenthalt von etwa drei bis vier Tagen plant, braucht keine Strecke zweimal zu gehen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Ortes führt ebenfalls ein Weg hinaus. Zu Beginn flitzen ab und zu noch Langläufer an den Fußgängern vorbei, dann trennen sich die Wege. Zeitweise folgen die Wanderer einem einsamen, schmalen Pfad, der leicht aufwärts in einen Bergwald hineinführt. Links und rechts türmt sich der Schnee. Sobald sie den Wald wieder verlassen, setzen die meisten ihre Sonnenbrille auf. Die weißen Schneeflächen reflektieren das Licht. Sonnenweg nennen die Einheimischen diese Strecke. Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer geht es durch das Graswangtal, und am Ende wartet die Belohnung: Schloss Linderhof. Von 1870 bis 1886 errichtete Bayerns König Ludwig II. hier eine Anlage, die heute als sein Lieblingsschloss gilt. Wer nach den dreieinhalb Stunden Fußmarsch noch Kraft hat, schlendert durch den eingeschneiten Schlosspark oder besichtigt die Schlossräume.

Nicht jeder will bei seiner Winterwanderung im Tal bleiben. Aber auch höher hinaus kommt man zu dieser Jahreszeit in den Ammergauer Alpen. Vom benachbarten Unterammergau führt ein breiter Forstweg hinauf Richtung Pürschling. Viele Wanderer ziehen Schlitten hinter sich her. Bergauf strengt das an. Aber die schweißtreibende Arbeit lohnt sich. Fällt dann Schnee, entsteht langsam das Gefühl, einsam und allein unterwegs zu sein. Die weiße Pracht schluckt die Geräusche. Man ist allein mit sich, seinen Gedanken und dem Schlitten. Für eine kurze Pause nach den zwei bis drei Stunden Aufstieg genügt ein Platz im Pulverschnee. Dann heißt es Helme auf und los.

Ganz gemütlich dem Gipfel entgegen

Rasant führt die Fahrt auf dem meist präparierten Weg hinab ins Tal. Der Schnee staubt von den Schuhsohlen und fliegt den Fahrern ins Gesicht. Denn die Schuhe sind auf dieser Strecke häufig im Einsatz. Enge Kurven und die zahlreichen Bäume am Wegrand erfordern, dass die Rodler ihr Gefährt beherrschen und rechtzeitig bremsen. Ebenfalls ein schönes Ziel ist das Hörnle im nahe gelegenen Bad Kohlgrub. Bei schönem Wetter reicht der Blick vom Starnberger See bis weit in die Alpen hinein. Hier gibt es zwar auch ein kleines Skigebiet, es bleiben aber genügend Wege für Wanderer.

Und so steigen sie gemütlich dem Gipfel entgegen. Gerade für Gruppen und Familien mit unterschiedlichen Interessen der einzelnen Mitglieder ist das ideal. Denn oben am Gipfelkreuz treffen sie aufeinander: Wanderer, Skifahrer, Tourengeher und Rodler. Nach einer gemeinsamen Brotzeit geht dann jeder wieder seiner Aktivität nach. Wanderer können auch über einen der zahlreichen Wege direkt ins Ammertal absteigen.

Wasserstrahlen lockern die Muskeln

Wer Lust hat, leiht sich dafür Schneeschuhe aus. Dann sind auch nicht gespurte Wege kein Hindernis mehr. Die breiten Teller an den Füßen verhindern, dass die Geher tief einsinken, und reduzieren so den Kraftaufwand. Es fühlt sich ein bisschen an wie Abenteuer in Kanada – und das in Oberbayern.

Profis unter den Winterwanderern haben Badebekleidung und Handtuch im Gepäck. Zurück in Oberammergau eilen sie nicht nach Hause, sondern in den Wellenberg. Kinder toben auf den Wasserrutschen. Erwachsene versuchen, einen der begehrten Liegeplätze im Heißwasserbecken im Freien zu ergattern. Dort lockern ihnen Wasserstrahlen aus Düsen die Muskeln, während der Blick noch einmal auf das herrliche Panorama der Ammergauer Alpen fällt, die langsam im Dunkel der hereinbrechenden Nacht verschwinden.

Hinkommen, unterkommen, rumkommen

Anreise

Mit dem Auto über Augsburg, Landsberg am Lech/Schongau, mit der Bahn über München-Pasing und Murnau bis nach Oberammergau.

Unterkunft

Unterkunft:
Romantik-Hotel Böld, DZ/F ab 160 Euro (www.hotel-boeld.de). Gasthaus Alte Post, DZ/F ab 40 Euro (https://altepost.com). Jugendherberge, Ü/F ab 22,90 Euro (https://oberammergau.jugendherberge.de)

Ausrüstung

Winterwandern ist eine der ungefähr­lichen Aktivitäten. Dennoch sollte man Spikes dabeihaben, unter Umständen auch Wanderstöcke. Zwei Best-of-Wandern-Testcenter in Bad Bayersoien und Wurmansau verleihen Wander­zubehör: www.best-of-wandern.de.Wer Angst hat, sich zu verlaufen, kann auf die App „Tourenplaner Ammergauer Alpen“ mit allen Touren zurückgreifen. Auch auf www.alpenvereinaktiv.com findet man Touren.

Allgemeine Informationen:
www.ammergauer-alpen.de

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